Vor Oberschülern in Bissendorf Hilfe für Gaza: OP-Schwester Kim Wessel berichtet

Kim Wessel spricht über ihren Einsatz im Gazastreifen: Die OP-Schwester erzählt den Zehntklässlern der Oberschule am Sonnensee über ihren Einsatz im Gazastreifen. Foto: Stefanie PreuinKim Wessel spricht über ihren Einsatz im Gazastreifen: Die OP-Schwester erzählt den Zehntklässlern der Oberschule am Sonnensee über ihren Einsatz im Gazastreifen. Foto: Stefanie Preuin

Bissendorf. „Wenn man nachts im Hotel liegt, kann man die Schüsse hören“, so die Operationstechnische Assistentin Kim Wessel. Die 22-Jährige sprach vor Zehntklässlern der Oberschule am Sonnensee über einen Job unter harten Bedingungen. Sie war ganz nah dran am fortwährenden Konflikt im Gazastreifen.

Kim Wessel arbeitet im Klinikum Osnabrück und erfuhr Ende 2012, dass Gefäßchirurg Hans-Gerd Schindler nach Gaza reisen wird, um den Menschen in einem isolierten Land zu helfen. „Ich wollte das immer schon mal machen, Ärzte ohne Grenzen oder Ähnliches“, berichtet die 22-Jährige, ohne zu diesem Zeitpunkt detailliert über den Gazakonflikt Bescheid zu wissen.

Die humanitäre Hilfe liegt der jungen Frau am Herzen. Am 18. Januar 2013 machte sich das Team auf den Weg nach Kairo, um von dort nach Gaza zu fahren. Eine Einreise über Israel ist ausgeschlossen, und auch an der bewachten Grenze mussten die Deutschen geduldig sein. „Unsere roten Pässe wurden in dem Stapel immer wieder nach unten gelegt, Hilfe von außen ist nicht bei jedem willkommen“, berichtet Wessel den Schülern. Nur in einem schmalen Zeitkorridor darf man die Grenze passieren. Im Gazastreifen eröffnete sich für die junge Frau eine andere Welt: zerstörte Häuser, Plakate von bewaffneten Kämpfern und Graffiti. „Die Menschen haben Angst, auch vor Selbstmordattentätern“, ergänzte Konrektorin Anke Schröder, die mit ihren Klassen den Nahostkonflikt behandelt.

Dr. Nael Abusalim ist Initiator der Hilfsaktion. Er stammt aus Gaza, als Dolmetscher, Mentor und Manager stand er dem medizinischen Team aus Osnabrück zur Seite. Gut 90 Kilogramm medizinische Instrumente hatten sie aus Deutschland mitgenommen, um den Menschen unter schwierigen hygienischen Bedingungen zu helfen. „Ich habe nur einmal Handschuhe gesehen, Desinfektionsalkohol gab es nicht“, berichtete Kim Wessel. Die Kunde, dass deutsche Ärzte im Land seien, verbreitete sich schnell. Am ersten Tag kamen fünf Patienten, am zweiten Tag waren es schon 150 Menschen. Unter ihnen auch Kinder – Dialysepatienten, die operiert wurden, um eine problemlose Blutwäsche zu gewährleisten. Kim Wessel zeigte den Zehntklässlern aber auch Bilder von „diabetischen Füßen“ und Entzündungen, die auf mangelnde Hygiene und geringe medizinische Versorgung schließen lassen.

Solange der Konflikt tobe und die geschlossenen Grenzen nicht geöffnet würden, sei es schwierig, nachhaltig zu arbeiten. Dabei könne schon mit wenig Aufwand das System verbessert werden, sagte Kim Wessel. Die Einheimischen begegneten dem Team mit großer Dankbarkeit. In den zweieinhalb Wochen in Gaza gab es viele Ehrungen, Geschenke und sogar einen TV-Auftritt für die Osnabrücker. Trotz der erschwerten Bedingungen, zum Beispiel durch den regelmäßigen und „von außen“ gesteuerten Stromausfall, hält Kim Wessel an den Einsätzen im Ausland fest und möchte weiter helfen.


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