Bauer und Biene lieben Raps Dirk Westrup aus Bissendorf ist Ölproduzent und Saatgutvermehrer

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Dirk Westrup baut in Bissendorf auf 70 Hektar Raps an, ein Teil dient der Saatgutvermehrung, der andere wird von Ölmühlen für den Einsatz in der Nahrungsmittel- sowie der Mineralölindustrie vorbereitet. Foto: Stefanie PreuinDirk Westrup baut in Bissendorf auf 70 Hektar Raps an, ein Teil dient der Saatgutvermehrung, der andere wird von Ölmühlen für den Einsatz in der Nahrungsmittel- sowie der Mineralölindustrie vorbereitet. Foto: Stefanie Preuin

Bissendorf. Goldgelbe Rapsfelder in der Maiensonne – wem geht da nicht das Herz auf? Die Pflanze hat viele Liebhaber: Bauer und Biene, Naturfreunde und Hobbyfotografen, aber auch so Sonderlinge wie Rapserdfloh, Kohltriebrüssler, Rapsstängelrüssler, Kohlschotenrüssler und den Rapsglanzkäfer. Auf die Letztgenannten ist der Bauer nicht gut zu sprechen.

Es sind die Schädlinge, die den Raps wegen des eigenen Überlebenskampfes lieben. Sie legen ihre Eier in Wurzeln, Trieben, Stängeln und Schoten ab, wo die parasitäre Brut sich von der Wirtspflanze köstlich ernährt, was allerdings zu ihrem Tod führt und der Rapsanbauer sie deshalb in der Kategorie „Feinde“ führt.

Dirk Westrup (44) baut auf zehn Prozent seiner Anbauflächen Raps an. Angesichts von Pflege und Düngung bezeichnet er die Blattpflanze als „anspruchsvolle Kultur“. Der Aufwand schlägt sich aber positiv nieder. Die Durchwurzelung nach fast einjährigem Wachstum sorgt für eine Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, die sich in den nachfolgenden Jahren der Fruchtfolge bei den Erträgen von Weizen, Gerste und Roggen zeigt. Und – weit wichtiger – es wird das Risiko von Getreidekrankheiten verringert.

Die Beliebtheit des Rapses ist in den vergangenen 30 Jahren extrem gestiegen, auch, weil durch Zuchterfolge schädliche Bitterstoffe und bedenkliche Säuren abgebaut werden konnten. Was ursprünglich nur als
Lampenöl, Schmiermittel und für die Seifenherstellung genutzt wurde, konnte nun als Speiseöl und Speisefett (Margarine) den Markt erobern. Rapsöl rangiert in der ernährungsphysiologischen Wertigkeit gleichauf mit Olivenöl und wird auch bei der Pharma- und Kosmetikherstellung verwendet.

Schmierstoffe und Biodiesel sind Beispiele für die breite Verwendung in der Technik. Hydraulik-, Getriebe- und Sägekettenöl, Kühlschmiermittel für die Metallbearbeitung, Lacke und Farben, Tenside und Weichmacher belegen die vielseitige Verwendung der heimischen Ölfrucht. Dass der Bedarf an Pflanzenöl weltweit steigt, freut den Bissendorfer Landwirt Dirk Westrup.

Seit 15 Jahren ist er auch in der Saatgutvermehrung für Raps tätig. Dafür nimmt er bis zu 20 Hektar in Beschlag. Auf weiteren 50 Hektar findet konventioneller Rapsanbau statt. Bei einer Aussaat von 2,5 bis 4 Kilogramm fährt er nach etwa einem Jahr 4000 bis 5000 Kilogramm pro Hektar ein. Die Ernte landet in Ölmühlen in Salzgitter, Hamm und in der Teutomühle in Ibbenbüren, wo kalt gepresstes Speiseöl erzeugt wird. Das Rapsschrot, das sind die Überreste nach dem Ölpressen, verwendet Westrup als hochwertiges Eiweißfutter in seinem Milchviehbetrieb. Da es qualitativ fast gleichwertig mit Sojaschrot ist, verzichtet er auf die Importware aus Amerika. Um seinen Raps auf Fruchtbarkeitskurs zu bringen, setzt Westrup auf benachbarte Imker, die mit ihren Völkern den blühenden Rapsfeldern folgen. Dort ernten die fleißigen Insekten und sorgen mit dem Blütenstaub gleichzeitig für eine Befruchtung der Pflanzen. Beim Sammeln des Nektars bleiben Pollen im Haarkleid der Bienen haften, die beim Besuch der nächsten Blüten auf deren „Narben“ übertragen werden, zitiert der Landvolk-Pressedienst Dr. Werner von der Ohe vom Institut für Bienenkunde in Celle.

Wenn Dirk Westrup gegen die anderen Liebhaber der Rapspflanzen vorgeht, dann geschieht das immer abends und nur nach Ankündigung bei den Imkern. Die Wirkung des Spritzmittels baut sich bis zum morgendlichen Ausschwärmen ab. Auch wenn nur bienenungefährliche Mittel aufgebracht werden, soll die Belastung so gering wie möglich gehalten werden. Dazu dient auch der Einsatz der GPS-gesteuerten Traktoren, die bei der Aussaat ebenso wie beim Spritzen von Pflanzenschutzmitteln Überlappungen vermeiden In Niedersachsen werden knapp 130000 Hektar Raps angebaut. Das ist Platz fünf nach Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen.


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