zuletzt aktualisiert vor

Wie ein Stahlturm in den Himmel wächst Windrad Bissendorf-Ellerbeck geht bald ans Netz

Meine Nachrichten

Um das Thema Bissendorf Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Bissendorf. Jörg Hecker hat sein „jüngstes Kind“ geschaukelt. Sein Baby ist tonnenschwer, nichts wirft seine fünf Zentimeter dicke Stahlhaut aus der Bahn und insgesamt ragt das Ganze über 100 Meter in den Himmel. Die Rede ist von der ersten und einzigen Windenergieanlage in Bissendorf.

Am Montag werden der Bauleiter und seine zehn Mitarbeiter ihr Projekt wieder verlassen. „Alles ist perfekt gelaufen, die Bedingung in Ellerbeck waren hervorragend und das Wetter konnte nicht besser sein“, so Hecker.

Die Vorbereitungen für den Bau des ersten großen Projektes der Bissendorfer Energiegenossenschaft (BiEneG) waren abgeschlossen und alle warteten gespannt auf den Startschuss. Den musste die Firma Nordex Windkraftanlagenbau geben. Denn alle Teile der Anlage werden im Werk Rostock gebaut. Der Weg bis ins Ellerbecker Hasetal musste entsprechend gut geplant sein, denn nicht alle Tage und Nächte fährt man diese gewaltigen Ausmaße über die Straßen. Die Zufahrtstraßen über den Pastorenweg waren zum Teil verbreitert und insgesamt geschottert, eine Bachüberquerung gesichert und drei Wendebereiche ausgebaut worden. Das Fundament war bereits im Herbst 2013 mit 680 Tonnen Beton gelegt.

Schon einmal war der Aufbau der neuen Windmühle durch die Firma DFA, Industriemontage in Meerane bei Zwickau, verschoben worden, weil zu viel Wind vorhergesagt war. Schließlich darf sich bei der Montage in 100 Meter Höhe kein Rotorblatt unkontrolliert in Bewegung setzen.

120 Meter hoher Kran

Dann ging plötzlich alles ganz schnell. Freitag erreichte der erste Transport Ellerbeck. Jörg Hecker war mit seinen Männern vor Ort. Montag, Dienstag und Mittwoch wuchs durch die Arbeit der Stahlbaumonteure die Windkraftanlage in den Himmel. Ein 120 Meter hoher Schwerlastenkran hob Teil für Teil in die Höhe. Jörg Hecker zählt stolz die Maße seines Riesenbabys auf: fünf Teile gehören zum Stahlrohrturm, das schwerste Stück wiegt 70 Tonnen, das leichteste 35 Tonnen. 53 Tonnen wiegt das Maschinenhaus, das Getriebe wird extern montiert und aufgezogen, es wiegt 45 Tonnen, die Nabe hat 28,5 Tonnen und einer der drei Rotorflügel, jeweils 49 Meter lang, 10,5 Tonnen. Hinzu kommt die Verschraubung der Elemente.

Am Donnerstag ging es an die Feinarbeiten im Stahlkoloss, das Nachjustieren der Stahlverschraubung und den Innenausbau. Kilometer lange Kabel und Lüftungskanäle füllen jetzt das Innere der Stahlröhre. Parallel dazu werden bereits die Wendebereiche an den Straßen zurückgebaut. Montag ist Bauabnahme, erklärt Jörg Hecker. Dann wird Windkraftanlagenbauer die technische Einarbeitung, Einstellung der Flügel und Testläufe übernehmen.

Ende nächster Woche ist dann der Zeitpunkt gekommen, wenn Stefan Heckmann, Vorsitzender der BiEneG, den „roten Knopf“ drücken und die Anlage in Betrieb nehmen könnte. Dann wird erstmals Bissendorfer Wind in Strom umgesetzt.

Die Anlage hat eine Nennleistung von 2.500 Kiliowatt. Ab drei Meter Windgeschwindigkeit pro Sekunden drehen sich die Flügel. Durch das Erneuerbare Energiengesetz (EEG) wird Strom durch Windkraft abnahme- und preissicher in das RWE-Netz gespeist. Das Projekt kostet soviel wie ein Rathaus in Bissendorf, nämlich 3,5 Millionen Euro. Beteiligt sind zu 40 Prozent die BiEneG, zu 40 Prozent die Stadtwerke Osnabrück und zu 20 Prozent die Initiatorengesellschaft EEG Energie Expertise.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN