Kultusministerin zu Besuch Bissendorf bangt weiter um Sprachförderklassen

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Besuchten die Sprachförderklasse 1d: (von links) Landtagsabgeordnete Filiz Polat (Grüne), Bürgermeister Halfter und Kultusministerin Heiligenstadt (SPD). Foto: Elvira PartonBesuchten die Sprachförderklasse 1d: (von links) Landtagsabgeordnete Filiz Polat (Grüne), Bürgermeister Halfter und Kultusministerin Heiligenstadt (SPD). Foto: Elvira Parton

Bissendorf. Die Grundschule und Gemeinde Bissendorf müssen weiter um den Erhalt ihrer Sprachförderklassen bangen. Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) kündigte nach einem zweistündigen Besuch der Schule am Mittwoch an, dass ihre Eindrücke aber in die Entscheidungsfindung einfließen sollen.

Die enge Zusammenarbeit zwischen der Grundschule Bissendorf und dem Sprachheilzentrum Werscherberg ist einzigartig in Niedersachsen – doch künftig fallen die Sprachförderklassen beim Weg des Landes zur inklusiven Schule durchs Raster.

Inklusion hat zum Ziel, Kinder mit Handicaps nicht länger in Förder-, sondern in Regelschulen zu unterrichten; die Förderschulen mit den Schwerpunkten Lernen und Sprache sollen sukzessive aufgelöst werden. Für Kinder mit Beeinträchtigungen soll dies ein Stück mehr Normalität bedeuten. 2009 ratifizierte Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention und hat sich damit verpflichtet, deren Ziele gesetzlich umzusetzen. Der Start der inklusiven Schule in Niedersachsen war im August 2013.

Grundschule und Gemeinde Bissendorf sowie das Sprachheilzentrum am Werscherberg befürworten die Inklusion – aber eben nicht auf Kosten der Sprachförderklassen. „Unser sehnlichster Wunsch ist: Machen Sie eine Ausnahme von der Regel“, appellierte der therapeutische Leiter des Sprachheilzentrums, Johannes Faust, an die Ministerin.

Am Werscherberg werden bis zu 40 Kinder und Jugendliche mit komplexen Sprachstörungen aus ganz Niedersachsen für bis zu anderthalb Jahre stationär behandelt. Für sie ist das meist die letzte Chance auf ein normales Leben. „Alle sind schon vorbehandelt“, erläuterte Faust, „entweder ambulant oder teilstationär.“ „Es ballen sich hier in Bissendorf Kinder mit so schweren Sprachstörungen, wie Sie es sonst nirgendwo haben.“ An der Grundschule Bissendorf werden sie und andere Kinder mit Sprachstörungen aus der näheren Umgebung in den kleinen Sprachheilklassen intensiv gefördert, erläuterte Schulleiterin Heike Oberkötter. Von ihren 226 Schülern seien 26 Kinder mit Sprachschwierigkeiten, 16 davon vom Werscherberg. Würden die Förderklassen aufgelöst, müssten sie auf alle anderen Schulen verteilt werden.

Die Zusammenarbeit zwischen Sprachheilzentrum und Grundschule sei „seit vielen Jahren schon gelebte Inklusion“, betonte Bürgermeister Guido Halfter. Oberkötter erläuterte, dass die Sprachheil-Kinder nicht nur auf dem Pausenhof von den Regelkindern nicht zu unterscheiden seien, sondern dass sie im Schülerrat ebenso selbstverständlich vertreten seien wie in AGs und beim Krippenspiel. Mehr als 1000 Unterschriften hatten Eltern, Rat und Verwaltung im Juni 2013 für den Erhalt der Förderklassen gesammelt.

Heiligenstadt zeigte sich beeindruckt – nicht nur vom Unterricht, sondern auch von der Präsenz der Landes- und Kommunalpolitiker sowie Lehrer und Eltern bei ihrem für Bissendorf so wichtigen Besuch. Ihr sei bewusst geworden, dass die Situation in Bissendorf durch das Sprachheilzentrum eine besondere sei. Die Landesregierung erarbeite derzeit einen Gesetzesentwurf und sammele Informationen. „Dazu gehört auch der Besuch hier“, so Heiligenstadt. „Sie haben heute ganz entscheidenden Einfluss auf die Entscheidungsfindung genommen.“


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