Ergebnisse vorgestellt Ausgrabung: Brand zerstörte frühe Bissendorfer Residenz

Stadt- und Kreisarchäologie Os., Ergebnisse der Grabung Bissendorf 2013Stadt- und Kreisarchäologie Os., Ergebnisse der Grabung Bissendorf 2013

Bissendorf. Vor gut drei Jahren feierte Bissendorf ein rauschendes Jubiläum. 850 Jahre Ortsgeschichte nämlich, denn so lang liegt die erste urkundliche Erwähnung zurück. Daniel Lau und mit ihm alle archäologisch Interessierten sehen das jetzt anders. Schon 200 bis 300 Jahre vor dem Jahr 1160 hat es hier das Zentrum einer Besiedlung gegeben, sogar die Residenz bedeutender Menschen. Umfangreiche Ausgrabungen machten diese Erkenntnis möglich. Nach dem Abschluss der archäologischen Untersuchungen berichteten Grabungsleiter Daniel Lau und Kreisarchäologe Bodo Zehm.

Heute erinnert ein kahles Rechteck in der Rathauswiese daran, dass Archäologen hier der Geschichte Bissendorfs auf den Grund gegangen sind. Alles ist witterungssicher zugeschüttet, es gibt Zeichnungen und Fotos, Fundstücke sind digitalisiert, dokumentiert und alles in ebenso geschützten Archiven aufgehoben. Vielleicht werden einige Funde einmal zu sehen sein, vorzugsweise in einer repräsentativen Vitrine im neuen Rathaus. Jedenfalls brennen viele Bissendorfer darauf, die Relikte ihrer Vorfahren zu sehen. „Eine kleine Scherbe für das Dorfmuseum würde uns schon reichen“, meinte Peter Spach, Vorsitzender des Heimat- und Wandervereins, beim archäologischen Vorstellungsabend.

Die Ergebnisse: Vor dem heutigen Rathaus vermutete man eine mittelalterliche Wohnanlage, denn in unmittelbarer Nähe stehen das Haus Bissendorf und vormals das Werpup’sche Haus als Zeichen alter Stammsitze. Der Sache vor der Ortskernsanierung auf den Grund zu gehen, war verständlicherweise das Anliegen der Kreisarchäologie. Mit Bodensonden ging das Grabungsteam um Daniel Lau also 2011 ans Werk. Stückchen für Stückchen und Schicht um Schicht wurde unter die Lupe genommen und ausgewertet. Mit erstaunlichem und nicht vermutetem Ergebnis: Die ältesten Gegenstände konnten der Steinzeit zugeordnet werden. Das Bedeutendste für die Wissenschaftler waren aber die Grundmauern einer bedeutenden frühmittelalterlichen Residenz. Es handelte sich um ein Muschelkalkbruchstein-Mauerwerk, das in einer Tiefe von 70 bis 90 Zentimetern freigelegt wurde.

Die Ausmaße und der Holzboden sprechen für eine enorme Bauleistung und äußerst privilegierte Bewohner, so Lau. Die Untersuchungen der Holzbalken ergaben, dass das Haus nach 980 gebaut worden sein muss. 40 bis 50 Jahre lebten die Herrscher von Bissendorf in ihrer Residenz, dann zerstörte ein Brand das Gebäude, wie Münzfunde belegen.

Dass es sich hier um einen bedeutenden Wohnsitz gehandelt haben muss, beweisen auch die Funde von Schmuck, Waffen und Gebrauchsgegenständen. Ein Bernsteinring zum Beispiel, den Lau als westlichsten Fund des Baltischen Bernsteins bezeichnete, einen Reitersporn aus Eisen mit Silberverzierungen, Keramiken und Scherben von Kugeltöpfen.

Die 250000 Euro, die die Gemeinde für die Ausgrabungen investierte, sind gut angelegt, denn sie führten weit über die bekannte Geschichte Bissendorfs hinaus. „Die Ergebnisse haben große Bedeutung für die frühmittelalterliche Geschichte des Osnabrücker Landes“, versicherten Zehm und Lau. Wenn mehr Zeit und Geld zur Verfügung gestanden hätte, würden die Archäologen noch heute an der Geschichte kratzen und Neues zutage bringen.

Sicher ist, dass hier seit über 1000 Jahren Gebäude stehen, in denen weitreichende Entscheidungen gefällt werden. Genau der richtige Fleck für ein neues Rathaus also.


Eine Skizze der Grundmauern einer bedeutenden frühmittelalterlichen Residenz, die Archäologen in Bissendorf verorten. Foto: Hermann Pentermann

0 Kommentare