Analyse bestätigt Vermutung Bissendorfer Residenz entstand um 1000

In vier Grabungsphasen haben die Archäologen die Ritter-Residenz freigelegt. Nun wird auf der Rathauswiese in Bissendorf alles wieder zugeschüttet, damit ein barrierefreier Wohnkomplex entstehen kann. Foto: Archiv/PentermannIn vier Grabungsphasen haben die Archäologen die Ritter-Residenz freigelegt. Nun wird auf der Rathauswiese in Bissendorf alles wieder zugeschüttet, damit ein barrierefreier Wohnkomplex entstehen kann. Foto: Archiv/Pentermann

Bissendorf. Nun ist es sicher: Zu Beginn des 11. Jahrhunderts lebten reiche Ritter in Bissendorf – und damit deutlich vor der ersten urkundlichen Erwähnung Bissendorfs im Jahr 1160. Diese zeitliche Einordnung eines Archäologen-Teams um Grabungsleiter Daniel Lau haben Wissenschaftler in London bestätigt. Das teilte Lau in seinem Internet-Tagebuch mit. Doch schon nach maximal 100 Jahren wurde das Haus durch einen Brand vernichtet.

Monatelang hatten Lau und sein Team die Wiese vor dem Bissendorfer Rathaus untersucht und dabei das steinerne Fundament eines repräsentativen Baus ausgegraben. Um 1100 ist das Gebäude abgebrannt – soviel stand dank eines Münzfundes bereits fest. Doch wann war das Haus gebaut worden? Um das festzustellen, haben die Archäologen zwei Holzproben zwecks Datierung an ein Labor in London geschickt.

Jetzt liegt das Ergebnis vor, und tatsächlich: Wie die Archäologen angenommen hatten, waren die Holzbalken im Fußboden frühestens um 980 gefällt worden. Das Haus dürfte also maximal 100 bis 120 Jahre lang genutzt worden sein, schreibt Lau. „Geht man jedoch davon aus, dass die Balken eventuell erst nach einer längeren Zeit der Lagerung oder sogar in zweiter Verwendung verbaut worden sind, schrumpft die Nutzungsphase durchaus auf 50 bis 70 Jahre zusammen.“ Für die Bewohner dieses „wirklich wertvollen Hauses“ sei es „sicherlich ein großes Unglück gewesen“, dass ihre Residenz nur maximal ein knappes Jahrhundert Bestand hatte, sagte Lau auf Nachfrage. „Im Vergleich zu den aus Holz errichteten Gebäuden bedeutete es aber schon eine erhebliche Verbesserung, denn diese Pfostengebäude waren meist nach einer Generation schon wieder baufällig und mussten ständig saniert werden.“

Durch die Datierung nach der sogenannten C-14-Methode in London ist nun sicher, dass die Ritter derer zu Bissendorf zur Salierzeit, also im 11. Jahrhundert, im Ort gelebt hatten. Die Bewohner des Hauses waren – da ist sich Daniel Lau sicher – sehr wohlhabend. Darauf deutete nicht nur das steinerne Fundament hin. Die Archäologen fanden beispielsweise auch einen Reitersporn mit goldenen Spitzen – zusammen mit Hufeisen und Wildtierknochen ein deutliches Indiz dafür, dass die Herrschaften sehr mächtig waren, denn Reiten und Jagen war ein Privileg des Adels.

Über alle Infos und Funde aus Bissendorf hat Lau in seinem Internet-Tagebuch berichtet, nachzulesen unter ausgrabungbissendorf.wordpress.com.


Bevor das Stephanswerk auf der Wiese hinter dem Bissendorfer Rathaus seniorengerechte Wohnungen bauen kann und die Gemeindeverwaltung in einen Neubau zieht, haben die Wissenschaftler der Osnabrücker Stadt- und Kreisarchäologie das Areal gründlich untersucht. Bissendorf ist 1160 erstmals urkundlich erwähnt worden, die Funde der vier Grabungsphasen haben aber schon Spuren aus der Jungsteinzeit zutage gefördert. Zuletzt untersuchten die Archäologen die steinerne Ruine der ehemaligen Residenz derer zu Bissendorf aus der Zeit um 1100.

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