zuletzt aktualisiert vor

Den Alltag meistern Auswege aus der Krise: Kinderhaus Wittlager Land startet „Pilotprojekt“ Familientraining in Schledehausen

Meine Nachrichten

Um das Thema Bissendorf Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

<em>Ein ehrgeiziges Projekt</em> für Familien in Konflikten steht in Schledehausen vor dem Start, darauf freuen sich Tim Ellmer, Geschäftsführer Kinderhaus Wittlager Land, und Einrichtungsleiterin Ulrike Wilken. Foto: Bärbel Recker-PreuinEin ehrgeiziges Projekt für Familien in Konflikten steht in Schledehausen vor dem Start, darauf freuen sich Tim Ellmer, Geschäftsführer Kinderhaus Wittlager Land, und Einrichtungsleiterin Ulrike Wilken. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Bissendorf. Bei Familie Meyer (die Namen wurden geändert) geht alles drunter und drüber. Die Kinder kommen ungepflegt und ohne Frühstück zur Schule. Die Beziehung zwischen Natascha und ihre Mutter hat seit der Trennung von ihrem Vater einen tiefen Riss, und Björn reibt sich im Streit mit seinem Vater auf, obwohl die beiden sich einmal gut verstanden haben. Für diese Menschen und andere in ähnlichen Konfliktsituationen gibt es jetzt eine Anlaufstelle: eine Projektwohnung in Schledehausen.

„Unser Ziel ist die Zukunftsfähigkeit der Familie“, sagte Tim Ellmer. Er ist Geschäftsführer im Kinderhaus Wittlager Land, einem Trägerverein, der sich in mehreren Einrichtungen und Projekten der Jugendpflege widmet. Die Therapeuten und Pädagogen leisten „aufsuchende Hilfe“, das heißt: Sie gehen in die Familien und beraten dort ambulant. „Wir stellen des Öfteren fest, dass wir dabei an die Grenzen des ambulant Machbaren stoßen“, so Ellmer. Auf der anderen Seite bedeutet die stationäre Unterbringung von Kindern und Jugendlichen häufig die endgültige Trennung von ihren Familien. „Je früher die Hilfe für die gesamte Familie einsetzt, desto besser“, sagte Ellmer. Mit dem Ziel, die Familien zu erhalten, entwickelte das Kinderhaus die Projekte „Familientrainingswohnung“ und „Wohngruppe für Kinder mit sozialen Bezügen“. Erstmals im Landkreis Osnabrück wird dieses Pilotprojekt in Schledehausen umgesetzt.

Die Familientrainingswohnung: In der Schledehauser Trainingswohnung werden demnächst Familien in unterschiedlichen Situationen aufgenommen. Sie bleiben hier je nach Bedarf und Trainingserfolg gut drei Monate mit allen Familienangehörigen wohnen. Während dieser Zeit lernen sie, ihren Alltag und ihr Familienleben neu zu ordnen. „Fachkräfte stehen rund um die Uhr an ihrer Seite, zunächst sehr intensiv, dann immer freier, damit sie ihren Alltag später wieder allein bewältigen“, sagt Einrichtungsleiterin Ulrike Wilken. Das Alltagstraining beginnt mit dem pünktlichen Aufstehen und der Zubereitung des gesunden Frühstücks, außerdem Hausaufgabenhilfe, Freizeitgestaltung allein oder mit der Familie und die Haushaltsführung. Die sozialen Kontakte in Kindergarten, Schule, Verein oder Arbeitsstelle bleiben erhalten. Die betreuten Familien leben im Obergeschoss des Schledehauser Wohnhauses an der Bad Essener Straße. Wenn das stationäre Familientraining beendet ist, zieht die Familie wieder in ihre eigene Wohnung zurück, dann wieder ambulant durch die Sozialpädagogen des Kinderhauses betreut. „In jedem Falle steht der Erhalt der Familie im Mittelpunkt“, sagte Ellmer.

Die Wohngruppe: Im Erdgeschoss gibt es genug Platz zum Wohlfühlen, Wohnen, Kochen und Spielen, rings herum lädt das 1000 Quadratmeter große Grundstück ein. Wahrscheinlich werden diese Räume noch vor Weihnachten bezogen. Das Kinderhaus richtet hier sechs Plätze für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 14 Jahren ein. Aufgenommen werden Kinder, die in festen Familienkontakten stehen und die gute Chancen haben, nach dieser Orientierungsphase wieder in die Familien zurückkehren zu können. Der Familienerhalt ist auch in der Wohngruppe wichtigster Aspekt. „Manchmal reicht es aus, die Familie vorübergehend zu entlasten“, weiß Tim Ellmer. Die Kinder und Jugendlichen werden ebenfalls 24 Stunden pro Tag begleitet und gefördert, sie bleiben in ihren Schulen, halten Kontakt zu ihren Familien, lernen neue soziale Kontakte aufzubauen. Zwei bis drei Jahre werden die Kinder und Jugendlichen in der Wohngruppe leben und dann wieder zu ihren Familien zurückgehen.

„Mit der Familientrainingswohnung und der Wohngruppe stehen wir am Anfang eines flexiblen Prozesses“, sagt Tim Ellmer, mit anderen Worten: Bei jedem Bewohner wird individuell der Alltag neu geübt. Mit dem Haus in Schledehausen ergaben sich ideale Voraussetzungen, um dieses Pilotprojekt umzusetzen. „Wir wollen ein offenes Haus sein und freuen uns über jeden Besucher“, ergänzt Ulrike Wilken.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN