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Beneidenswertes Kleinod Bissendorf: Die Holter Kirche und das umliegende Ensemble zieht nicht nur Ausflügler in seinen Bann

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Original und Nachbildung eines wahren Schatzes im Osnabrücker Land: Pastorin Wiebke Köhler an ihrer Wirkungsstätte vor der Holter Kirche mit einem Tonhausensemble. Foto: Michael HehmannOriginal und Nachbildung eines wahren Schatzes im Osnabrücker Land: Pastorin Wiebke Köhler an ihrer Wirkungsstätte vor der Holter Kirche mit einem Tonhausensemble. Foto: Michael Hehmann

Bissendorf. Es wirkt wie die ideale Kulisse für einen Märchenfilm: Das anheimelnd in den Berg geschmiegte Ensemble um die Holter Kirche zieht mit dem dahinter gelegenen Waldstück viele Sonntagsausflügler an. Als besonders erhaltenswerte Kirchensiedlung mit Pastorat, Küsterei und altem Schulhaus steht es zudem unter Denkmalschutz. Dr. Wiebke Köhler, Pastorin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Holte, weiß um die Bedeutung und die Anziehungskraft des Kleinods im bergigen Bissendorfer Umland, sieht jedoch den eigentlichen Schatz in den Menschen aus Holte, die sich im besonderen Maße mit ihrem Dorf verbunden fühlen.

„Das ist unsere Kirche, das ist unser Holte“, beschreibt die Pastorin des Kirchdorfes die Einstellung der rund 350 Holter, die unmittelbar rund um die Kirche, im historischen Ortskern sowie einer Bebauung aus den 70er-Jahren wohnen. „Sie sind sich der wunderbaren Landschaft und des historischen Ambientes bewusst, wollen es jedoch nicht für sich behalten, sondern auch andere hierhin einladen.“

Eine Offenheit, die sich auch die Pastorin zu eigen gemacht hat: So ist der 3000 Quadratmeter große Garten rund um das Pfarrhaus für Besucher zugänglich.

Eine 300 Jahre alte Eibe und eine Skulptur, die von Nachkommen einer früheren Holter Pfarramtsfamilie gestiftet wurden, können auf Kieswegen zwischen Buchsbaumhecken besichtigt werden. Das war nicht immer so:

Als Wiebke Köhler vor rund acht Jahren als Pastorin nach Holte kam, sah der Garten noch anders aus. „Alles war zugewuchert“, erinnert sich Köhler, und sie habe sich gefragt, was sie mit dem riesigen Garten machen solle.

Ein Zeitungsartikel über eine „Pastorin im Dornröschenschloss“ rief dann ein Projekt der Arbeiterwohlfahrt ins Leben, in dem Gartenbauingenieure Hartz-IV-Empfänger zu Landschaftsgärtnern qualifiziert haben. Der Garten wurde von Büschen und Ranken befreit und neu strukturiert, sodass nun auf weitläufig angelegten Terrassen Konzerte stattfinden können. Die Mittel dafür stammen nur zu geringem Anteil aus kirchlichem Kapital, sondern sind größtenteils über Stiftungen akquiriert worden.

Wie es sich für Holte gehört, findet sich nach Abschluss des Awo-Projektes eine „Pfarrgartengruppe“, bestehend aus vier Frauen aus der Gemeinde, einmal wöchentlich zur Gartenpflege ein, erzählt Köhler. Solcher Einsatz lässt sich auch an anderer Stelle finden: Im Gemeindehaus gibt es eine „500-Torten-Küche“.

Bund fürs Leben

Um das Veranstaltungsgebäude mit einer neuen modernen Küche auszustatten, backten Frauen aus Holte in fünf aufeinanderfolgenden Jahren für den Weihnachtsmarkt rund um die Holter Kirche jeweils 100 Torten für die Cafeteria.

„Für mich ist ein solches Ergebnis immer wie ein Wunder“, beschreibt die Pastorin ihr begeistertes Erstaunen über solche Einsatzbereitschaft. Auf dem Weihnachtsmarkt komplettieren viele Holter jedes Jahr ihre Sammlung von Nachbildungen der historischen Gebäude rund um die Holter Kirche, die eine Firma aus Lettland aus Ton herstellt.

„Viele haben das ganze Ensemble“, erzählt Wiebke Köhler, die selbst von den Häusern, die durchaus zwischen 80 und 100 Euro kosten, die Kirche, das Pfarrhaus und die Küsterei besitzt.

Auch einen Franz-Hecker-Kalender mit Holter Ansichten habe fast jeder zu Hause an der Wand hängen, erzählt sie lächelnd.

So wie den Holtern geht es auch den Menschen, die, von auswärts kommend, in der Holter Kirche den christlichen Bund fürs Leben geschlossen haben. „Das ist jetzt unsere Kirche, sagen viele und identifizieren sich damit“, beschreibt die Pastorin die Verbundenheit der Ehepaare durch die Trauung in Holte. „Darüber wird das Christliche erlebt und das Bild von der christlichen Gemeinschaft lebendig gehalten.“


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