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Welche Geschichte steckt dahinter? Gebisse und andere Kuriositäten: Ein Blick in die Fundbüros im Landkreis Osnabrück

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Bissendorf. „Guten Tag, ich habe ein Gebiss gefunden.“ Mit diesen Worten hat sich im November ein Herr im Fundbüro der Gemeinde Bissendorf gemeldet. Für Sachbearbeiterin Anja Schmidt nichts Außergewöhnliches. „Wir haben ungefähr jedes Jahr ein Gebiss“, sagt sie.

Auch wenn Zahnersatz regelmäßig abgegeben wird, die Fundstück-Klassiker im Landkreis sind andere: Kleidung, Schlüssel, Schmuck, Brillen, Handys – und massenweise Fahrräder, die in den Kellern etlicher Rathäuser darauf warten, abgeholt zu werden.

Ein eigenes Fundbüro hat kaum eine Kommune. In der Regel werden die Fundstücke in einer Schublade oder einem Schrank im Bürgerbüro oder Meldeamt gesammelt – so auch in Bissendorf. Ungewöhnlich ist, dass die November-Zahnbrücke nun fast schon drei Monate in Anja Schmidts Schublade liegt. In der Regel ist es nämlich umgekehrt: Bürger, die ihre Zähne verloren haben, suchen die Fundbüros der Region systematisch ab – und nicht immer können die Mitarbeiter dann das passende Fundstück liefern.

„Das letzte Gebiss lag sechs Wochen bei uns“, erzählt Schmidt. Sie und ihr Kollege Henning Niemann warten in solch einem Fall immer gespannt darauf, wer die Zähne abholt und welche Geschichte er zu erzählen hat. Beim letzten Zahnlosen waren sie fast schon enttäuscht. „Er sagte, er hätte das Gebiss einfach so verloren“, sagt Schmidt.

„Ein Gebiss hatten wir hier auch schon“, sagt Anja Wolf, Sachbearbeiterin im Meldeamt Bad Rothenfelde. Und sogar ortstypische Fundstücke gibt es. So seien in dem Kurort eine Zeit lang besonders viele Sitzkissen abgegeben worden, sagt Wolf.

Suchmaske im Internet

Alle Gegenstände werden übrigens erfasst und über ein gemeinsames Formular ins Internet gestellt (zu finden über die Homepages der Kommunen). Was da zusammenkommt, ist beachtlich: In einem Umkreis von 50 Kilometern rund um Bissendorf sind seit dem 1. Januar 15 Handys, 10 Brillen und rund 59 Fahrräder als gefunden gemeldet worden. Viele Einträge stammen dabei von der Nordwestbahn. Und die Bissendorfer Zahnbrücke findet man in der Rubrik „sonstiger medizinischer Gegenstand“.

Oft komme es vor, dass ein Handy aus dem Fundschrank klingele und sich der Besitzer so melde, erzählt Bettina Meyer von der GMHütter Stadtverwaltung. Erleichtert nehme er dann die Mitteilung entgegen, dass sein Handy gefunden wurde und zu Abholung bereitliegt.

In Anja Schmidts Schublade in Bissendorf liegt neben der Zahnbrücke auch ein Ehering – und das schon seit zweieinhalb Jahren. 2010 wurde er nach dem Dorffest im Schledehauser Kurgarten gefunden und bei der Gemeinde abgegeben. Er trägt die Inschrift „H. Sch. 26.11.60“. Schmidt und ihr Kollege haben bereits die Standesamtsdateien durchforstet – ohne Erfolg. Frisch dazu gekommen ist ein Ring mit der Inschrift „Mein Matze 30.4.2009“.

Verloren oder wütend weggeworfen? Tragisches Ende einer Ehe oder schmerzhafter Verlust eines symbolträchtigen Gegenstandes? Solche Fragen beschäftigen die Sachbearbeiter immer wieder.

Eigentlich müssen sie die Gegenstände nur sechs Monate lang aufbewahren. Danach wird der Finder gefragt, ob er das Fundstück an sich nehmen möchte. Erst, wenn er seinen Verzicht erklärt, geht der Gegenstand in die Versteigerung – oder als Spende an eine gemeinnützige Einrichtung. Die Stadt Georgsmarienhütte weist dabei auf etwas hin, das vielen Bürgern nicht bewusst sei: Bei Abholung – egal durch wen – fällt in jedem Fall eine Verwahrgebühr an, die sich prozentual nach dem Wert des Gegenstandes richtet.

Bei dem Ehering, der 2010 gefunden wurde, macht Anja Schmidt eine Ausnahme bei der Sechs-Monate-Frist. „Wir können den doch nicht einfach weggeben“, sagt sie und hofft, dass sich die Geschichte hinter den Ringen noch aufklärt.


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