„Nacht der offenen Tore“ 500 Besucher beim Feuerwehrhaus Schledehausen

Von Stefanie Preuin

Meine Nachrichten

Um das Thema Bissendorf Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

<em>Zum Glück nur eine Übung:</em> Zwei Verletzte werden während der Nacht der offenen Tore im Schledehausener Feuerwehrhaus aus einem demolierten Auto befreit. Foto: Stefanie PreuinZum Glück nur eine Übung: Zwei Verletzte werden während der Nacht der offenen Tore im Schledehausener Feuerwehrhaus aus einem demolierten Auto befreit. Foto: Stefanie Preuin

Bissendorf. Das Adrenalin steigt – schweres Gerät wird zum Unfallwagen geschleppt, eine große Rettungsdecke vorsichtig über den verletzten Beifahrer gedeckt. Die Feuerwehr-Kameraden setzen eine große Schere an. Es quietscht, das Blech ächzt, und Plastik platzt. Der Unfallwagen ist ein Wrack. Aber halt – ein Kamerad lächelt. Es ist zum Glück nur eine Übung der Feuerwehr Schledehausen bei der „Nacht der offenen Tore“ am vergangenen Wochenende.

Putzmunter steht der Beifahrer neben dem demolierten und nun auch aufgeschnittenen Wagen. Die Nachtübung ist erfolgreich abgeschlossen. Sie bildete den letzten Punkt im bunten Programm der Feuerwehrleute in Schledehausen. Gemütlich lässt man den Abend bei Bier und Bratwurst ausklingen, denn die Übungen und Vorbereitungen haben allen Mitgliedern großen Einsatz abverlangt.

Die Schledehausener starteten vor gut einem halben Jahr die Feinplanung – Nacht statt Tag, ein Versuch. „Das Abendkonzept ist von den Familien mit Kindern bis zu den Erwachsenen sehr gut angenommen worden“, sagt Ortsbrandmeister Michael Piel begeistert. „Wir sind positiv überrascht.“

Ohne Teamwork war das jedoch nicht zu schaffen. 70 Helfer schwirrten über den Platz und halfen beim Flammenersticken mit dem Feuerlöscher, mit der puren Kraft am Schlauch und auch bei der Dekoration des Feuerwehrhauses. Es wurde vor 30 Jahren eingeweiht und nun mit einem bunten Lichtspiel in Szene gesetzt.

Auf der anderen Seite des Festplatzes dreht sich ein Auto um die eigene Achse, ein Überschlagsimulator. Immer noch wackelig auf den Beinen eiert ein junger Mann die Rampe herunter. Anette Fangmeyer von der Polizei Melle gibt Tipps: „Im Fahrzeug spürt man die Hilflosigkeit bei einem Überschlag, man spürt die Kräfte, aber der Gurt hält. Das richtige Aussteigen ‚über Kopf‘ ohne panisch zu werden ist wichtig.“

Neben dem Feuerwehrhaus steigt ein Maler auf die Leiter, will dem Haus einen neuen Anstrich geben. Eine Unachtsamkeit, er stürzt, bewegungslos bleibt er auf dem Balkon liegen. Panisch läuft Bewohnerin Monika Kienker auf dem Balkon: „Hilfe, Hilfe, wo bleibt nur die Feuerwehr?“, ruft sie , mehrmals lautstark. Nach langen Minuten des Wartens rauschen die Wagen mit Blaulicht heran. Der Verletzte wird untersucht, muss über die Drehleiter geborgen werden. Aus luftiger Höhe geht es für den Verletzten zurück auf den Boden. Die Gäste des Feuerwehrfestes beugen sich über ihn. Die Übung „Drehleiter“ hat bestens funktioniert.

Ganz unterschiedlich gehen die Kameraden an die Übungen heran. Melanie Fege blendet die Zuschauer aus, bleibt ruhig, konzentriert sich auf ihre Aufgaben im Angriffstrupp. Die 35-Jährige macht mit einem Spreizer den Zugang zum Verletzten für das DRK frei. Anders bei Jessica Rethschulte, sie hat ihre Premiere als Gruppenführer auf der Drehleiter, bei ihr steigt der Adrenalinspiegel. Sie möchte nichts falsch machen und entspannt sich erst, als die richtige Position gefunden und das Licht justiert ist.

Ein fröhlicher Marsch wabert durch die Dämmerung, die Schledehausener werden nachtaktiv. Die Blechbläser des Musikzuges geben Traditionelles und Modernes zum Besten. In der Nacht folgt noch ein spontaner Einsatz für Jessica Rethschulte: Ein Brautpaar wird im Rettungskorb der Drehleiter in schwindelerregende Höhe befördert. Der Adrenalinspiegel steigt wieder – diesmal aber nur bei der Braut.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN