Einschnitte in Landschaft beleuchtet Laternenumzug der Bürgerinitiative gegen die 380-kV-Freileitung in Bissendorf

Mit selbst gebastelten Laternen gegen Eingriffe in die Natur: Auch (von links) Jakob, Benne und Marlene waren beim stimmungsvollen Demonstrationszug der Bürgerinitiative gegen die 380-kV-Freileitung dabei. Foto: Swaantje HehmannMit selbst gebastelten Laternen gegen Eingriffe in die Natur: Auch (von links) Jakob, Benne und Marlene waren beim stimmungsvollen Demonstrationszug der Bürgerinitiative gegen die 380-kV-Freileitung dabei. Foto: Swaantje Hehmann

Bissendorf. Mehr als 100 Teilnehmer demonstrierten am frühen Samstagabend mit einem Laternenumzug von der Schelenburg in Bissendorf-Schledehausen aus gegen die geplante 380-kV-Freileitung und für eine Erdverkabelung - genau dort, wo ein Teilstück der Trasse verlaufen soll.

Als an diesem späten Samstagnachmittag mitten im November die knallrote Herbstsonne am Horizont versunken war, durchkreuzte plötzlich grelles Scheinwerferlicht die ruhige Landschaft nördlich der Schelenburg in Schledehausen. Genau dort, wo die sogenannte Vorzugsvariante der 380-kV-Freileitung geplant ist, hatten sich ein halbes Dutzend örtlicher Landwirte mit ihren Traktoren platziert, um jenen buchstäblichen Einschnitt in die Natur, den dies mit sich bringen würde, sichtbar zu machen. Nicht nur sie wären davon hautnah betroffen, sondern auch etliche andere Anwohner und Familien, die einem Aufruf der erst im Mai gegründeten Bürgerinitiative pro Erdverkabelung gefolgt sind, mit einem so stillen wie bunten Laternenumzug gegen die Trasse zu demonstrieren. 

Trassenverlauf markiert

Mehr als einhundert Menschen mit vielen Kinderwagen und noch mehr Laternen, die an Aktionstagen im September und Oktober selbst gebastelt wurden, zogen in der Dämmerung von der Schelenburg aus in Richtung einer Anhöhe, von der aus die den Leitungsverlauf markierenden Lichter gut zu sehen waren. Auf halber Strecke stießen an einer Gabelung Mitläufer dazu, die sich vom Haus Ossenbrock aus auf den Weg gemacht hatten. Dies und der daran angrenzende Osnabrücker Golfclub würden ebenso nachhaltig von der Trasse tangiert wie das mehr als 900 Jahre alte Kulturdenkmal. Die Masten der Freileitung wären zweieinhalbmal so hoch wie der mittelalterliche Wehrturm der Wasserburg. 

Pläne durchkreuzen möchte die Bürgerinitiative pro Erdverkabelung. Foto: Swaantje Hehmann

Schöne Spannung

Am Ziel angekommen, war ein Bläserquartett am Waldesrand, welches das Martinslied anstimmte, nicht die einzige Überraschung. Glücklicherweise lediglich unter körperlicher Höchstspannung warteten die Kinder auf den leibhaftigen St. Martin, der dann auch tatsächlich vorbeigeritten kam und Stutenkerle oder, wie es andernorts heißt, Weckmänner verteilte. Über einen stimmungsvoll beleuchteten Weg zurück an der Schelenburg, deren pittoresker Innenhof allein für die Aktion der Bürgerinitiative ausnahmsweise mal wieder seine Pforten geöffnet hatte, ließ es sich dann bei Glühwein, Kinderpunsch und Bratwurst aufwärmen.

Weitere Aktionen geplant

„Wir haben schon genug geredet und wollen nun einfach zeigen, was wir nicht wollen“, sagte Nadine Handt von der jungen Bürgerinitiative „Keine 380-kV-Freileitung Darum-Lüstringen“, die seit ihrer Gründung mit zahlreichen Informationsveranstaltungen und Aktionen auf die negativen Auswirkungen einer solchen überirdischen Stromtrasse auf Natur und Mensch aufmerksam gemacht hat. Als nächstes ist eine Bastelaktion mit Vogelkästchen geplant, um sich für den ungestörten „Freiflug“ von Vögeln stark zu machen.

Bei einem Aktionstag im September wurde ein Teil der rund 80 Laternen gebastelt. Foto: David Ebener

Energiewende mitgestalten

Man müsse die „konfliktärmste“ Lösung finden, befand der Bissendorfer Bürgermeister Guido Halfter, der ebenso unter den zahlreichen Teilnehmern des Laternenumzugs war wie der Sprecher der Gesamtinitiative Frank Vornholt und der Osnabrücker Landtagsabgeordnete Frank Henning, der bemerkte, dass Stadt und Landkreis in dieser Frage „an einem Strang“ ziehen würden. Für die Bürgerinitiative steht hingegen längst fest, dass eine vollständige Erdverkabelung „am konfliktärmsten“ wäre - und man sich nicht politisch über den entsprechenden Willen der Bevölkerung, die ein Recht darauf habe, die Energiewende mitzugestalten, hinwegsetzen könne. Warum, hat sie mit ihrer jüngsten, buchstäblich erhellenden Aktion auch ganz ohne Worte deutlich gemacht.


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