Lebensmittel beeinflussen Wohlbefinden Osnabrücker Ökotrophologin hat zwölf Tipps für ein besseres Bauchgefühl

Wer beim Essen ein paar Dinge beachtet, kann seinem Magen etwas Gutes tun. Symbolfoto: Colourbox.deWer beim Essen ein paar Dinge beachtet, kann seinem Magen etwas Gutes tun. Symbolfoto: Colourbox.de

Bissendorf . Wie beeinflussen Lebensmittel unser Wohlbefinden? Und warum ist auch ein gutes Gefühl im Bauch so wichtig für dieses? Die Osnabrücker Ökotrophologin hat das in einem Vortrag zum Thema "Endlich Ruhe im Bauch" vor 75 Landfrauen in Schledehausen erklärt und Tipps für ein besseres Wohlbefinden gegeben.

Das Thema traf offenbar einen Nerv: Eng wurde es am Mittwoch, als Insa Raabe-Jost in Hühnerbein’s Posthotel erklärte, warum ein gutes Bauchgefühl wichtig ist, und wie man dies erreicht: „Wenn wir ein gutes Bauchgefühl haben, geht es uns gut. Tumult im Bauch hingegen führt häufig dazu, dass wir uns nicht wohlfühlen“, so Raabe-Jost.  

Tipp 1: Langsam Essen

„Bitte lassen Sie sich Zeit beim Essen, es ist wichtig gut zu kauen. Denn der Magen hat keine Zähne“, so die Fachfrau. Umgekehrt sei „Essen zwischen Tür und Angel“ oftmals ein Auslöser für Magendrücken. Raabe-Joost verglich den Magen mit dem Aufbau eines Domino-Days: „Er ist eine koordinierte Abfolge von Einzelaktionen. Schnelles Essen funktioniert wie ein Stopper zwischen den Steinen oder ein fehlender Stein."

Tipp 2: Darmbakterien sind gute Freunde

Die Vielfalt der Darmbakterien verglich Raabe-Jost mit „guten Freunden“, um die man sich gut kümmern müsste. Denn die Bakterien seien für die Infektionsabwehr, Verdauung sowie die Produktion von Vitaminen und Botenstoffen zuständig und würden Energien bereitstellen. Damit die vielfältigen Darmbakterien gut arbeiten könnten, müssten sie gut „gefüttert“ werden. 

Tipp 3: Ohne Luft im Magen geht es nicht

Zwar ist Verdauung ohne Luft im Magen unmöglich. Dennoch hatte die Fachfrau Tipps für unliebsame Folgen von "zu viel Luft im Bauch": „Passendes Essen, Bewegung, Entspannung und Wärme sorgen für ein gutes Bauchgefühl“, so Raabe-Joost. Enge Kleidung, eine sitzende Tätigkeit, Schichtarbeit und unter Umständen auch die Kollegen im Büro wirkten sich negativ aus. Da Schreibtisch-Arbeiter jedoch nicht einfach so den Job wechseln können, zeigte Raabe-Joost unter dem Motto „Sich regen, bringt Segen“ einige Streckübungen. 

Foto: Claudia Sarrazin

Auch ein Osteopathe oder ein Physiotherapeut könne manchmal helfen. Denn zwischen Beschwerden im Hals- und Brustwirbel-Bereich sowie im Lendenwirbelbereich und dem Magen bestünde ein Zusammenhang.  

Tipp 4: Intervallfasten ist nicht immer hilfreich

„Wer mit drei Essensphasen am Tag bisher gut gefahren ist, muss nichts ändern, nur weil Intervallfasten jetzt in ist“, erklärte Raabe-Jost und fügte hinzu: „Magensäure wird weiterproduziert, ob wir essen oder nicht. Und sie muss etwas zu tun haben.“ Daher würden viele Menschen Schaden nehmen, wenn sie über lange Zeit Intervallfasten machten.

Tipp 5: Viel Gemüse essen

Zudem lobte die Ökotrophologin die Rezepte der Landfrauen in ihren Büchern: „Da ist immer schön viel Gemüse drin und darin sitzen die Ballaststoffe.“ In vielen Rezepten namhafter Köche hingegen sei ihrer Meinung nach der Gemüseanteil für eine gute, ausgewogene Ernährung zu gering.

Tipp 6: Smoothies mit Gemüse und Öl

Die Tatsache, dass Smoothies wieder etwas aus der Mode gekommen sind, kam Raabe-Joost entgegen. Ein Smoothie enthalte zwar locker drei Portionen Obst, gehe aber aufgrund seiner Konsistenz innerhalb von einer halben Stunde buchstäblich durch den Magen. Die Fachfrau empfahl, das Obst lieber ganz altmodisch zu essen oder die Verweildauer im Magen zu verlängern: Dies gelänge mit einem Smoothie aus einem Stück Gemüse, einem Stück Obst, schnittfestem Joghurt und einem Löffel Öl oder Nussmuss.

Foto: Claudia Sarrazin

Tipp 7: Fett muss sein

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Regeln zur gesunden Ernährung vor einiger Zeit geändert: „Wer nicht genug Fette bekommt, bekommt ein Problem“, gab Raabe-Joost eine der Regeln in ihren Worten wieder. Sie empfahl den Verzehr von 20 Gramm Nüssen oder Kernen pro Tag. „Wenn ich eine Nuss nicht vertrage, gibt es eine große Vielfalt im Angebot“, so die Fachfrau, die selbst gerne zu Sonnenblumen- oder Kürbiskernen greift.

Tipp 8: Joghurt, aber nicht der cremige

Zu den empfohlenen zwei Portionen Obst pro Tag – was 100 bis 150 Gramm entspricht – schlug Raabe-Joost Quark oder Joghurt als Begleiter vor. Allerdings plädierte sie für den stichfesten, ungesüßten Sauermilchjoghurt und nicht den cremigen, da letzterer mehr Kohlenhydrate enthalte.

Tipp 9: Kräutertees mit Wirkstoff gezielt einsetzen

Viele Kräutertees enthalten Wirkstoffe, die gezielt eingesetzt werden können: Pfefferminze beispielsweise wirkt wie ein Aperitif und hilft bei der Verdauung. Allerdings sollten Kräutertees auch nur gezielt eingesetzt und nicht ständig getrunken werden. „Wenn sie acht Wochen lang Kamillentee trinken, reizt das den Magen“, wusste Rabbe-Joost. Von Tees mit künstlichen Aromen riet sie ab, weil diese den Magen reizten.

Tipp 10: Richtig trinken

Abgesehen von ungesüßten Tees ohne Wirkstoff oder künstliches Aroma, kam Wasser auf Raabe-Joosts Liste der zu empfehlenden Getränke. Aber auch hier gab es eine Einschränkung: Zu kalte Getränke können Durchfall auslösen. Und kohlensäurearmes Wasser sei besser verträglich als sprudelndes. Wer auf ein „Hallo Wach“ in Form von Kaffee oder grünem Tee nicht verzichten könne, aber an Reizdarm leide, sollte maximal einen halben Liter der Wachmacher über den Tag verteilt trinken.

Tipp 11: Haferflocken in allen Varianten

„Die guten alten Haferflocken sind etwas Schönes, wenn es dem Magen nicht so gut geht“, sagte die Ökotrophologin, bevor sie mit den Landfrauen ein kleines Fachgespräch über die Flocken führte: fein oder grob, kochen oder nicht? Ihr Fazit: Die groben Haferflocken enthalten meist auch die gesunden Keimlinge. Allerdings halten sie deshalb nicht so lange wie die feinen Flocken. Wer es verträgt, kann Haferflocken kalt mit Joghurt oder Milch essen, magenschonender sind sie gekocht.

Tipp 12: Veganer und die Darmbakterien

Bereits am Anfang hatte Raabe-Joost darauf hingewiesen, wie wichtig es sei, seine Darmbakterien „gut zu füttern“. Bei der Frage, ob vegane Ernährung empfehlenswert sei, kam sie darauf zurück: „Wenn es gut lief, haben wir unsere Darmbakterien von unserer Mutter mitbekommen“, so die Ökotrophologin. Daher seien diese Bakterien an die Lebensmittel gewöhnt, die unsere Mütter gerne gegessen hätten. Natürlich gäbe es in Asien  Menschen, die sich vegan ernähren und dies vertragen würden und einen besseren Co2-Fußabdruck hätten. „Die sind aber auch mit dieser Ernährung groß geworden und vertragen sie besser“, war Raabe-Joost überzeugt. Was ihr jedoch am Vegetarismus gefiele, sei, dass diese Bewegung wachrüttle: „Wir haben nur eine Welt und müssen nachhaltig damit umgehen. Deshalb ist eine vernünftige Haushaltsführung, bei der nichts weggeworfen wird, so wichtig“, stellte Raabe-Joost fest.


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