Aufräum-Expertin zu Gast in Schledehausen Landfrauen lernen, was Krempel ist und warum entrümpeln befreit

Christiane Heeren (links) hielt auf Einladung der Landfrauen Schlederhausen und Almut Detert (rechts) einen Vortrag zum Thema Aufräumen und Ausmisten. Foto: Claudia SarrazinChristiane Heeren (links) hielt auf Einladung der Landfrauen Schlederhausen und Almut Detert (rechts) einen Vortrag zum Thema Aufräumen und Ausmisten. Foto: Claudia Sarrazin

Bissendorf. Um unaufgeräumte Schubladen, Regale voller Krimskrams und Krempel, den man eigentlich nicht mehr braucht, ging es jetzt beim Treffen der Landfrauen in Schledehausen. Dort stellte Christiane Heeren von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bezirksstelle Oldenburg, fest: „Alles muss raus – Entrümpeln befreit“.

Rund 50 Frauen waren in Hünerbein’s Posthotel in Schledehausen gekommen und nickten bestätigend als Almut Detert, die Vorsitzende ihres Landfrauenvereins, erklärte: „Ich habe selbst so eine Ecke im Keller, wo alles hinkommt, von dem man sich nicht trennen kann.“ Wer kennt sie nicht, diese Bereiche im Keller und/oder auf dem Dachboden sowie die Krimskrams-Schublade, die dringend mal wieder ausgemistet werden müssten?  

Foto: Claudia Sarrazin

Woran sich Gerümpel erkennen lässt

Heeren kam nicht nur auf diese Problemzonen zu sprechen. Sie erstaunte zunächst die Landfrauen mit folgender Feststellung: „Jeder Mensch besitzt 20.000 bis 30.000 Dinge, sagen Statistiken.“ Die Frage war nun, was davon ist Gerümpel? Heeren hatte eine ganz einfache Definition, was behalten werden kann und was nicht: „Sie brauchen nur Dinge, die ihnen das Leben erleichtern und/oder das Leben schöner machen.“ Alles andere brauche man nicht. Das Leben schöner machen, könne jedoch eine Kastanie in der Hosentasche, über die man sich jedes Mal freue, wenn man sie anfasst. Die dürfe bleiben. Grundsätzlich nützliche Dinge, die man jedoch nicht gebrauchen würde, die könnten weg.

Zeit, Geld und Energie verschwenden

Wie leicht oder schwer einem das Entrümpeln falle, hinge jedoch auch vom Menschentyp ab, wusste Heeren, die zwischen Sammlern, Hortern, Messis und Wegwerfern unterschied und wusste: „Gerümpel erhöht den Organisationsaufwand im Haushalt, kostet Geld und Zeit und raubt Energie, sprich belastet einen.“ Dennoch falle es vielen Menschen schwer, sich zu trennen: „Wir gegeben ungerne zu, dass etwas ein Fehlkauf war“, so Heeren, die als weitere Gründe unter anderem Angst vor Reue oder ein schlechtes Gewissen aufzählte. Letztes könne aufkommen, wenn ein Ding ursprünglich teuer oder ein Geschenk gewesen wäre.

Drei Stapel als Lösungsansatz

Mit gingen die Landfrauen bei Heerens Vorschlag, schrittweise vorzugehen und jeweils drei Stapel zu bilden: „Wunderbar, bleibt“, „gefällt mir nicht oder ist kaputt“ sowie „Zum Wegwerfen zu schade, brauche ich nicht, erleichtert nicht mein Leben, macht mich nicht glücklich“. Dinge dieser Kategorie sollten mit einem Datum versehen in einen Karton gepackt werden: „Entweder nehmen sie das Datum von heute oder eines in einem halben Jahr. Und dann bringen sie den Karton ungeöffnet weg.“ Als Empfänger böten sich die Caritas, die Diakonie oder andere Organisationen an, die gebrauchte Dinge annehmen würden. Außerdem ließe sich der Inhalt natürlich noch auf dem Flohmarkt verkaufen.

Ungelesenes muss raus

Als nächstes nahm sich Heeren die verschiedenen Räume einer Wohnung vor. Sie schlug vor, ungelesene Bücher, Zeitungen und Magazine ebenso auszusortieren wie überzählige Handtücher, ungenutzte Kosmetik oder abgelaufene Medikamente.

Problemzone Kleiderschrank

Für Lacher sorgte ein Foto einer verzweifelten Frau, die vor einem „Kleiderschrank voll nix anzuziehen“ saß. Sprich der Schrank war übervoll mit ungetragener, ungeliebter oder unpassender Kleidung. Als Heeren die Landfrauen dazu aufrief, beim Ausmisten ihres Schrankes nicht nur alle Kleidungsstücke auszuräumen, sondern auch anzuprobieren, erntete sie Lacher und ungläubiges Staunen. „Oh, nee“, rief eine Landfrau. Gleichzeitig war klar: Nur wer alles einmal anprobiert, kann nicht schummeln, was beispielsweise die Passform der Kleider angeht. In den Schrank zurück dürften nur folgend Kleidungsstücke, so Heeren: „In denen ich mich mag, ich mich gut bewegen kann, und die ich auch wirklich anziehe.“ Ziel sei ein Schrank voller „Lieblingsteile“, und sie wies darauf hin: „Manchen Leuten reichen 37 Teile völlig aus, wenn sie alles miteinander kombinieren können.“

Die eigentliche Herausforderung

Dann kam Heeren auf die eigentliche Herausforderung zu sprechen: „Gerümpel-arm bleiben.“ Der Trick sei ein bewusstes Kaufen.“ „Alles, was ich in mein Haus lasse, muss ich brauchen oder macht mein Leben schöner“, so Heeren, außerdem müsse für jedes Ding einen festen Platz geben. Gebe es den nicht, bliebe das Teil im Laden oder ein anderes müsse zuhause gehen.

Heeren endete mit einem chinesischen Sprichwort, dass Sammlern und Hortern Hoffnung machte:

Wo Chaos ist, besteht Hoffnung. Denn Chaos ist der natürlicher Vorläufer von Ordnung.


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