Pferdeauktion in der Aula Bissendorfer Oberschule am Sonnensee stellt Zukunftsfragen

Rasant sprangen die Steckenpferde über die Hindernisse auf der Bühne. Foto: Andreas WenkRasant sprangen die Steckenpferde über die Hindernisse auf der Bühne. Foto: Andreas Wenk

Bissendorf. Schüler der Oberschule am Sonnensee in Bissendorf haben sich in einer Projektwoche der Frage gestellt, "wie wollen wir leben?" Die Ergebnisse haben sie zusammengefasst. Es entstanden zahlreiche Denkanstöße und ein Liveprogramm für ein unterhaltsames Schulfest.

Fridays for Future einmal anders: auch, aber nicht nur auf das Klima bezogen haben die Schüler in einer Projektwoche viele Zukunftsaspekte untersucht und die Ergebnisse auf einem Schulfest vorgestellt. Höhepunkt war die rund einstündige Liveshow mit vielen musikalischen Einlagen wie Body-Percussion-Performance, Musik aus Müll oder Klangwelten. Dabei bewiesen die Schüler außer musikalischem Talent auch handwerkliches Geschick, weil sie viele der Instrumente selbst gebaut hatten. Der durchgehend tosende Applaus für die Bühnenkünstler von Mitschülern, Eltern und Freunden zeugte von Respekt und Anerkennung für die ebenso sehens- wie hörenswerten Leistungen.

Musik aus Müll. Die Trompeten aus Gartenschlauch und Trichter waren nur ein Beispiel dafür, wie vermeintlicher Abfall wiederbelebt werden kann.

„Das Glück der Erde, liegt auf dem Rücken der Pferde“ demonstrierte die Hobby-Horsing-Gruppe, die samt selbstgebauten Steckenpferden über Turnierhindernisse sprang, bevor sie durch die vorderen Reihen des Publikums hüpfte.

Pferde waren insgesamt ein großes Thema, auch bei der anschließenden Auktion. Die Schüler hatten dafür nicht nur eigene Kunstwerke auf Staffeleien zur Verfügung gestellt. Besondere Aufmerksamkeit hatten schon zuvor lebensgroße Pferdeskulpturen aus Zweigen und Ästen erzielt. Das Material hatte die Kunstgruppe im Wald gesammelt. Die Kunstobjekte standen zunächst am Rande und rückten zur Versteigerung an den Bühnenrand neben die eher bunten Bilder. 

Ob Pferd, Pony oder Fohlen, die Figuren waren realistisch getroffen und wirkten durch ihre Transparenz zugleich künstlerisch, filigran und vergänglich. Das Pferd als Teil der bedrohten Natur, die es zu schützen gilt. Vivien Joly Bücker, die an dem Kunstprojekt mitgearbeitet hatte, bot selbst mit und erhielt schließlich bei 70 Euro den Zuschlag für das Pony. Das Pferd kam für rund das Doppelte Euro unter den Hammer, die Gebote für die Bilder landeten in kleinen Kartons und müssen noch ausgewertet werden.

Kunstauktion in der Aula: Schüler hatten nicht nur eigene Kunstwerke zur Verfügung gestellt, sondern auch die aus selbst zusammengesuchten Ästen und Zweigen geschaffen Pferdeskulpturen.

Weitere Einnahmen konnten die Schüler durch den Verkauf von Speisen und Getränken erzielen, doch das schien eher ein willkommener Nebenaspekt zu sein. An etlichen Ständen in der Schule waren die Besucher aufgefordert, sich sehr ernsthaft mit Zukunftsfragen zu beschäftigen. Dabei ging es um fairen Handel, eine Welt ohne Nazis, um die Auswirkungen des Handels eines jeden Einzelnen auf das Klima oder die Frage, ob das beständige Streben nach dem neuesten Handy noch vertretbar ist, wenn Kinderarbeit einige der enthaltenen Rohstoffe erst so billig machen, dass die Geräte am Ende für jedermann bezahlbar sind. Mit selbst genähten stylischen Stoffbeuteln oder Kuscheltieren aus wiederverwendeten Stoffresten setzten sie zudem ein Zeichen gegen Plastikmüll und die ungebremste Wegwerfmentalität.

„Unsere Handys, ihre Hölle“ - Der Titel dieser Stellwand erinnerte daran, dass die Taschencomputer zum Teil Rohstoffe enthalten, die durch Kinderarbeit gewonnen werden.

Nicht ohne Stolz hatte Schulleiterin Gisela Kascha gleich zum Auftakt ihren Schülern für ihr Engagement gedankt, ohne das dieses Schulfest so nicht hätte stattfinden können. Mehr als eine artige Floskel, denn die Oberschule am Sonnensee präsentierte sich als weltoffener und kritischer Lernort und die Schülerschaft bot neben gelungener Unterhaltung viele Anregungen zum Nachdenken. 


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