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Autofahrer verwirrt Stadt Osnabrück schaltet nachts viele Ampeln ab, der Landkreis nicht

Von Matthias Stoffregen

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<em>An vielen Stellen in Osnabrück </em>werden die Ampeln nachts abgestellt. Foto: ArchivAn vielen Stellen in Osnabrück werden die Ampeln nachts abgestellt. Foto: Archiv

Bissendorf. So mancher Autofahrer wundert sich: Im Stadtgebiet von Osnabrück sind viele Ampeln nachts abgeschaltet. Sobald er jedoch das Stadtgebiet etwa auf der Mindener Straße Richtung Jeggen verlässt, kann es ihm passieren, an roten Ampeln halten zu müssen. Dort regeln sie nämlich auch nachts den Verkehr, obwohl kaum jemand unterwegs ist.

Über die Frage, warum das so ist, rätseln viele. Ein paar von ihnen haben sich bei Bissendorfs Bürgermeister Guido Halfter gemeldet. „Ich habe den Anrufern dann erklärt, dass wir als Gemeinde aber für Ampelschaltungen nicht zuständig sind, das macht der Landkreis“, sagt Halfter. Viele der Anrufer hätten dafür plädiert, wenig frequentierte Ampeln doch künftig abzuschalten, um Energie zu sparen und Lärm zu vermeiden.

Dass die Ampelschaltung zwischen Stadt und Landkreis unterschiedlich gehandhabt wird, erklärt Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff damit, dass der Landkreis über keine „intelligente Ampelschaltung“ verfügt. „Solche Systeme eignen sich in der Regel nur für Großstädte.“ Im Landkreis gebe es relativ wenige Ampeln, und aus Sicherheitsgründen würden sie nicht abgeschaltet.

Sicherheitsbedenken

Bedenken gegenüber abgeschalteten Ampeln in der Nacht hegen auch Forscher des Instituts für Verkehrsplanung und Straßenverkehr der Technischen Universität Dresden. Sie wollen in einer Studie für die Unfallforschung der Versicherer (UDV) herausgefunden haben, dass „die weitverbreitete Praxis der Städte, Lichtsignalanlagen nachts abzuschalten, aus Sicherheitsgründen nicht vertretbar ist“. An Knotenpunkten mit abgeschalteten Ampeln verdoppelten sich die Vorfahrtunfälle, die Unfallschwere nehme drastisch zu. Argumente für eine Abschaltung von Ampeln seien nicht überzeugend. Den Forschern zufolge sei die Reduzierung von Kraftstoffverbrauch, Lärmbelästigung und Schadstoffbelastung marginal.

Jürgen Schmidt, Fachdienstleiter Verkehr bei der Stadt Osnabrück, hat solche Studien „im Blick“. „Die Stadt entscheidet Abschaltungen von Ampeln nicht auf eigene Faust, sondern spricht sich mit Polizei und Verkehrsbehörde ab“, erklärt er. Gut die Hälfte aller Ampeln seien in Osnabrück nachts abgeschaltet. Bei ihnen handele es sich jedoch lediglich um Querungshilfen für Fußgänger oder um Ampeln, die an wenig frequentierten Straßen mit einer Fahrspur pro Richtung stehen. An mehrspurigen Straßen blieben die Ampeln hingegen auch nachts angeschaltet.

„Wir beobachten außerdem, ob sich bei abgeschalteten Ampeln Unfälle häufen. Dort, wo das passiert, schalten wir die Ampeln auch nachts wieder an“, betont Schmidt. Eine solche Flexibilität könnte sich auch Halfter für seine Bissendorfer Gemeinde vorstellen: „Aber das kann ich nicht entscheiden.“


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