Circus Colani in Bissendorf Das Leben als Zirkusfamilie: Von Artisten und Überlebenskünstlern

Von Donnerstag bis Sonntag zeigen auch die 15-jährige Alicia und die 12-jährige Samantha ihr Können in Bissendorf. Foto: Franziska SpeckerVon Donnerstag bis Sonntag zeigen auch die 15-jährige Alicia und die 12-jährige Samantha ihr Können in Bissendorf. Foto: Franziska Specker

Bissendorf. Von Donnerstag bis Sonntag ist der Circus Colani am Sonnensee in Bissendorf zu sehen. Ein Einblick in das Leben und den Alltag des Wander- und Familienzirkus.

Zum Gespräch lädt die Artistin Michelle in einen ihrer Wohnwagen ein. Drei Stück hat sie. Einer sei zum Kochen und für Kaffeeklatsch, ein anderer dient als Schlafzimmer und Rückzugsort und der letzte sei das Badezimmer. Der Küchenwohnwagen ist recht eng, aber liebevoll eingerichtet und es fehlt an nichts. "Es ist wie in einem Haus, nur in klein", erzählt Michelle. Sie selbst ist in die Zirkusfamilie Colani, die mit bürgerlichen Namen Köllner heißt, durch ihren Mann Nick eingeheiratet, kommt ursprünglich aber aus einer anderen Zirkusfamilie. Kennengelernt haben sie sich bei einer gemeinsamen Vorstellung. "Bei uns Zirkusleuten ist das so, dass die Frau dann zum Mann geht", erklärt sie. Allerdings komme es auch vor, "dass Menschen aus dem Privatleben durch Liebe zum Zirkus kommen. Bei meiner Mutter war das so". Privatleben meint hier das Leben außerhalb des Zirkus mit einem festen Wohnsitz. 

Jeder springt für jeden ein

Ihre neue Zirkusfamilie gibt es seit sieben Generationen und zeigt sich in Bissendorf mit fünf Erwachsenen und vier Kindern und Jugendlichen. "Alle machen mit, sogar der Kleinste", erzählt Michelle. Der Kleinste ist neun Jahre alt, wird von der Familie Leeland genannt und belustigt die Zuschauer als Clown. Seine 15-jährige Schwester Alicia hingegen begeistert als Schlangenmädchen und Luftakrobatin an Tüchern und am Ringtrapez. Die jüngere Schwester Samantha macht eine Hula-Hoop-Schau, balanciert und zeigt Kunststücke auf einem Drahtseil, das durch die komplette Manege gespannt ist. Michelles Mann Nick verblüffe durch Feuerspucken und weitere Balance-Akte, genau wie der Zirkusdirektor und Familienvater Kevin. Er balanciert allerhand auf einem Kinn, von einer Leiter bis hin zu vier Stühlen. Zudem mache er Handstände auf Stühlen bis ganz hoch zur Kuppel. Sie selbst nehme sich momentan etwas zurück, da sie schwanger ist. Das mache aber nichts: "Jeder ist für alles zuständig beim Familienzirkus. Da springt jeder für jeden ein".

Alltag im Zirkus

Der Zusammenhalt und das ständige Reisen sei es auch, was das Leben im Zirkus so besonders mache. Wenn der Circus Colani für die Wintermonate nicht in Bramsche für seinen anhaltenden Winterzirkus einkehrt, ist er jede Woche in einem neuen Ort. Dann heißt es: losfahren, montags das Zirkuszelt und den Wohnbereich aufbauen, sich um Reklame bemühen, von Donnerstag bis Sonntag auftreten und noch am Sonntag alles wieder abbauen und weiterziehen. Und das jede Woche neu.

Vieles sei dadurch schwieriger. Als Michelle noch zur Schule ging, musste sie jede Woche die Schule wechseln. Heute sei es aber leichter. Jede Woche kommt eine Zirkusschule zum jeweiligen Platz mit derselben Lehrerin. Dadurch müssen die Zirkuskinder nicht jede Woche neu beginnen, sondern haben feste Strukturen und einen langfristigen Lehrplan. Und auch das Freunde finden, sei zwar schwieriger, aber nicht unmöglich. Freunde sehe man nicht so häufig, aber es gebe immer Möglichkeiten. "Entweder durch Briefkontakt, oder heutzutage durch Instagram oder Facebook", erzählt Michelle.

Wachsende Schwierigkeiten

Doch gerade das Digitale in der heutigen Zeit mache es dem Zirkus auch schwer. "Die jungen Leute sind nicht mehr für Freizeitangebote wie Zirkus oder für Aktivitäten draußen", stellt Michelle fest. Das merkt man an den Besucherzahlen. "Wir sind froh, wenn pro Vorstellung 50 Leute kommen." Manche Vorstellungen seien auch schon mangels Zuschauer ausgefallen. Doch Michelle erzählt: "Wir geben uns als Artisten Mühe, egal wie viele da sind. Aber wenn nun mal mehr da sind, ist die Stimmung auch ganz anders". Zirkusfamilien werden immer weniger, dem Umstand ist sich der Circus Colani bewusst, doch stellt klar: "Wir würden immer weitermachen, egal was passiert. Irgendwie schlägt man sich schon durch."

Der Circus Colani ist von Donnerstag bis Samstag um jeweils 17 Uhr in Bissendorf zu sehen. Die letzte Vorstellung am Sonntag beginnt um 14 Uhr.


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