Storchenidyll an der Hase Viermal Nachwuchs im Storchennest – Haller feiern Storchenfest

Das Storchennest Ende Juni: Bald sind die vier Jungstörche flügge. Foto: Anke Herbers-GehrsDas Storchennest Ende Juni: Bald sind die vier Jungstörche flügge. Foto: Anke Herbers-Gehrs

Bissendorf. Den Menschen der kleinen Bauernschaft Halle in der Gemeinde Bissendorf ist es zu verdanken, dass dort Störche seit 2017 eine Nistmöglichkeit haben. In diesem Jahr ist besonders viel Nachwuchs zu verzeichnen: vier Küken schlüpften Anfang Mai. Das feierten die Nachbarn wie jedes Jahr mit einem Storchenfest, bei dem auch die Namen für die Jungstörche festgelegt wurden: Daisy, Dexter, Dietmar und Dörthe.

Groß und Klein traf sich am Hof der Familie Dependahl, jüngster Gast war die kleine Maira, mit ihren drei Wochen gerade so alt wie die jungen Störche. Der Hof liegt als einziger der Ortschaft nördlich der Hase, die 150 Meter  hinterm Haus fließt. In Sichtweite, aber einige 100 Meter weiter in den Wiesen, ist das Storchennest angelegt. „Man kann's sehen, und die haben ihre Ruhe“, so Benjamin Dependahl. Seine Frau Natalia hat es sogar geschafft, dank Teleobjektiv und Stativ so gute Fotos zu machen, dass sie den Ring eines Altstorches ablesen konnte. Nach einem Telefonat mit der Vogelwarte Helgoland, deren Sitz in Wilhelmshaven ist, erfuhren die Dependahls, dass „ihr“ Storch 2007 in Hille bei Minden als Jungstorch beringt wurde. Weitere Daten zum Lebenslauf wird die Vogelwarte noch schicken, dann weiß man auch, ob es sich um das weibliche oder das männliche Tier handelt.

Nachbarschaft wird großgeschrieben

Nur knapp 60 Einwohner hat die kleine Bauernschaft, aber die Nachbarschaft wird großgeschrieben. Irgendwann kam die Idee auf, den Störchen, die schon immer auf den Feuchtwiesen im Überschwemmungsgebiet der Hase auf Futtersuche waren, einen Nistplatz zu bieten. Die Anwohner informierten sich im Internet, sprachen mit Volker Herkt, dem Leiter der Storchenstation in Osnabrück und setzten dann im Frühjahr 2017 auf einen ehemaligen Telefonmast ein kunstfertig zusammengestecktes Nest aus Bambus und Reisig, dekoriert mit einigen weißen Farbklecksen, damit es genutzt aussieht. „Drei Tage später war der erste Storch drauf“, erinnerte sich Benjamin Dependahl. 

Das erste Paar zog Jungstorch „Bodo“ auf, 2018 schlüpften bereits zwei Küken, und in diesem Jahr sind es vier Jungstörche. Ob jedes Mal das gleiche Storchenpaar brütet, ist allerdings ungewiss. „Wir haben auch schon gesehen, dass mehrere Störche im Frühjahr um das Nest kämpfen“, berichtete Natalia Dependahl. Schon im Februar war in diesem Jahr der erste Storch zu sehen, der Nachwuchs kam im Mai zur Welt. Jetzt, Ende Juni, hat einer der Jungstörche bereits erste Flugversuche gemacht. 

Auf in den Süden

Bereits Ende August werden alle Jungtiere soweit sein, dass sie zur großen Reise in den Süden aufbrechen können. Dabei fliegen sie ein, zwei Wochen vor den Alttieren los, so Nachbar Martin Dependahl. Als Jäger ist er auch der Experte bei der Frage nach möglichen Gefahren für die Störche. „Stromleitungen“, sagte er sofort. Knapp hinter dem Nest verläuft die Bahnlinie, an der entlang eine Überlandleitung führt. 

Die beiden großen Windräder in der Nähe wären für die Störche harmlos, meinte Martin Dependahl, die würden sie meiden. Die einzigen Feinde aus der Natur, die den Küken schaden könnten, wären Rotmilane. Die großen Greifvögel sind hier häufig zu sehen. „Normalerweise ist allerdings immer ein Altvogel am Nest, um solche Angriffe abzuwehren. Hier müssen sie ja nicht weit fliegen, um Futter zu finden“, sagte Natalia Dependahl. Ruhe, wenig Häuser, wenig Leute - der ideale Platz für Störche. 


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