Aktionswoche „Kein Alkohol am Arbeitsplatz“. Ex-Drogensüchtiger berichtet in Bissendorf von seiner Abhängigkeit

Dominik Forster, Ex-Drogensüchtiger, spricht an der Oberschule Bissendorf über seine Erfahrungen mit Drogenmissbrauch. Foto: Katja SteinkampDominik Forster, Ex-Drogensüchtiger, spricht an der Oberschule Bissendorf über seine Erfahrungen mit Drogenmissbrauch. Foto: Katja Steinkamp

Bissendorf. In der Gemeinde Bissendorf läuft die Aktionswoche „Kein Alkohol am Arbeitsplatz“. Deshalb besuchte der ehemalige Drogenabhängige Dominik Forster aus Nürnberg die Oberschule Bissendorf.

Die Schüler der Oberschule versammelten sich in der Aula und warteten gespannt auf Dominik Forster. „Ich bin Ex-Junkie, Ex-Dealer und Ex-Knacki", sagte Forster zu den Schülern, als er auf die Bühne trat. Es wurde ruhig im Saal und alle lauschten seinen Worten. "Niemand, der anfängt Drogen zu nehmen, hat vor süchtig zu werden. Niemand plant seinen Absturz." 

 Aktionswoche "Kein Alkohol am Arbeitsplatz"

Insgesamt knapp zwei Stunden lang erzählte Forster den achten und neunten Klassen der Schule, wie sein Leben mit dem Alkohol- und Drogenkonsum in die Brüche ging. "Wir werden heute zusammen erarbeiten, wie es so weit kommen konnte", versprach Forster. Kein Zufall, denn die Gemeinde Bissendorf setzt die bundesweite Aktionswoche Alkohol zum Thema „Kein Alkohol am Arbeitsplatz“ um. „Der Präventionsrat der Gemeinde Bissendorf hat deshalb überlegt, wie das Thema an den Schulen umgesetzt werden kann und kam auf Dominik Forster“, erklärte Alexandra Neumann-Hillebrand von der Jugendpflege Bissendorf. Die Aktionswoche Alkohol findet alle zwei Jahre in der Gemeinde statt. In der Aula verteilte Neumann-Hillebrand mit Schülern außerdem alkoholfreie Cocktails, die alle Schüler in der Pause probieren durften. "Wir erhoffen uns durch Dominik Forster, dass er die Auswirkung von Alkohol und Drogen den Jugendlichen näher bringt" so die Sozialarbeiterin. 

Verstörende Kindheit

Kokain, Crystal Meth sowie Speed standen für Forster täglich auf dem Plan. So wollte er seine verstörende Kindheit hinter sich lassen. Ein Vater als Alkoholiker, der sich "behindert gesoffen hat". Eine Mutter, die nervenkrank und tablettensüchtig wurde.  "Ich habe meinen Vater, meine Mutter und zuletzt meinen Bruder an einer Sucht verloren", sagte Forster.  Sucht sei eine Entwicklung, ein schleichender Prozess und es könne jeden zu jeder Zeit treffen. 

Falsche Freunde

Der Nürnberger hasste damals die Schule. "Ich wurde gemobbt, geschlagen, angespuckt." Er sei schon immer ein Außenseiter gewesen. Auf der verzweifelten Suche nach Freunden, geriet der damals 16-Jährige an die Falschen. "Wir waren eine Gruppe aus 15 Leuten. Um der Coolste zu sein, musstest du am meisten saufen, am meisten kotzen und am meisten Drogen nehmen." Also fing er an Alkohol zu trinken, immer mehr. "Ich habe danach drei Tage lang in meinem Suff gelegen. Mir geschworen, ich trinke nie wieder was." Eines Tages nahm der "Coolste" aus seiner Clique ihn mit auf eine dreckige Toilette in einem Club und sagte zu ihm: "Wenn du das nimmst, hast du den besten Tag deines Lebens." Forster nahm das erste Mal Speed.

"Es interessiert niemanden, wenn man stirbt."

Es wurden immer mehr Drogen, die er konsumierte und auch verkaufte. Forster begann Paranoia zu bekommen. Schnitt sich die eingebildeten Käfer unter seiner Haut raus. "Mein Körper fing an zu rebellieren. Ich habe die ganze Zeit nur gekotzt, konnte nicht mehr schlafen." Dann wurde er mit 1,5 Kilogramm Speed von der Polizei erwischt. "Ich saß jahrelang im Hochsicherheits-Jugendgefängnis", sagte Forster. Die Jugendhaft sei schrecklich gewesen. "Da gibt es nur Täter oder Opfer", so der heute 30-Jährige. Nach seinem jahrelangen Gefängnisaufenthalt wurde er obdachlos, hatte keinen festen Schlafplatz bis er in eine betreute Wohngemeinschaft kam. Hier wurde er wieder rückfällig. "Ein paar Leute haben Ecstasy in die Wohnung geschmuggelt." Er habe sich erst gewährt, aber dann doch etwas genommen. Dies war eine Überdosis. "Ich lag auf dem Boden und habe weißen Schaum gekotzt. Ich wäre fast gestorben", so Forster. Zwei Mitbewohner hätten ihm aber nicht geholfen. "Sie haben auf mich eingetreten und Handyvideos gemacht." Das sei ein Schlüsselmoment für Forster gewesen. "Zum ersten Mal habe ich begriffen, Drogen können mich umbringen, und es interessiert niemanden, wenn man stirbt."

Heute hat Forster zwei Bücher geschrieben und unterrichtet Schulklassen in ganz Deutschland über sein Schicksal. "Ich wäre fast gestorben. Doch heute bin ich seit neun Jahren clean, seit sechs Jahren trocken und habe die Liebe meines Lebens geheiratet", sagte er. 


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