Anmeldungen zum Dichterwettstreit noch möglich Zweiter Plattdeutscher Poetry Slam startet in Bissendorf

Aileen Jaschinski und Erwin Siefker bereiten sich schon auf ihren Auftritt beim plattdeutschen Poetry Slam in Bissendorf vor. Foto: Claudia SarrazinAileen Jaschinski und Erwin Siefker bereiten sich schon auf ihren Auftritt beim plattdeutschen Poetry Slam in Bissendorf vor. Foto: Claudia Sarrazin

Bissendorf. Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr organisieren der Heimat- und Wanderverein Bissendorf sowie der Kunst- und Kulturverein Bissendorf (Kubiss) am Freitag, 24. Mai, um 19 Uhr einen Plattdeutschen Poetry Slam im Bürgersaal des Rathauses in Bissendorf.

„Leewe Fründe van däi plattdütsken Sprauke“ können beim „Twedde Plattdütske Poetry-Slam in Bistrup“ mitmachen. In der Einladung der beiden Vereine heißt es weiter: „Et gäiht wä dorümme, wecke am besten sümmes makede Votellsels vodriärgen kann. Betahlen mö gi nix.“ Sprich: Es geht darum, wer am besten eigene Geschichten auf Plattdeutsch vortragen kann. Der Eintritt ist kostenlos, das Publikum fungiert als Jury, und für Musik sorgen Peter Batholomäus und Johannes Eidt. 

Jüngere fürs Plattdeutsche begeistern

Auf die Idee mit dem Dichterwettstreit waren die Bissendorfer gekommen, als sie nach Formaten suchten, die auch Jüngere ansprechen. „Poetry Slams scheinen den Nerv der Jugend zu treffen“, stellte unter anderem Uwe Schwindt fest, der extra ein paar Mal zu Recherche-Zwecken Poetry Slams in der Osnabrücker Lagerhalle besuchte. Sein Fazit: „Das wäre auch mal was für Platt-Künstler.“

Platteutscher Arbeitskreis

„We küürt Platt“, lautet das Motto jeden ersten Mittwoch im Monat, wenn sich der plattdeutsche Arbeitskreis des Heimat- und Wandervereins Bissendorf um 19.30 Uhr im Landgasthaus Stumpe in Bissendorf trifft. 
Nachdem die Gruppenmitglieder anfangs zunächst viel (vor-) gelesen haben, versuchen sie nun mehr Sprachroutine zu entwickeln und sich auf Plattdeutsch zu unterhalten. So musste beim vergangenen Treffen beispielsweise jeder eine Karte mit einem Begriff ziehen und dann ein, zwei Sätze mit diesem Wort bilden.
„Wir versuchen, Platt zu leben“, erklärte Uwe Bullerdiek vom plattdeutschen Arbeitskreis. Daher plane die Gruppe beispielsweise Anfang August eine Besichtigung der Höltingsbänken, des Holzgerichtes am Kurrel in Nemden, mit plattdeutscher Führung.

Gesagt getan. Bei der Premiere im vergangenen Jahr waren die Richtlinien streng. Damit diesmal möglichst noch mehr Leute mitmachen, haben die Bissendorfer die Hürden ein bisschen niedriger angesetzt, wie sie beim Treffen des Plattdeutschen Arbeitskreises „we küürt Platt“ erzählten: „Die Texte müssen nicht unbedingt selbst geschrieben und nicht unbedingt in Gedichtform verfasst sein“, berichtete Uwe Bullerdiek. Es sei auch schon so nicht einfach, die Pointen richtig zu setzen. 

Platt sprechen und schreiben sowie Geselligkeit, darum geht es bei den Treffen des Plattdeutschen Arbeitskreises. Foto: Claudia Sarrazin

Vom Arbeitskreis wollten eigentlich alle beim Poetry Slam mitmachen. Erwin Siefker wusste auch schon, worüber er berichten möchte: Seine Schulzeit, und wie das in der Nachkriegszeit war, als die Schüler im Tornister Holz in die Schule mitbringen mussten. Denn sonst wäre der Klassenraum unbeheizt geblieben. Für Siefker ist es noch normal, Plattdeutsch zu sprechen, und auch Vorträge hat er schon oft auf Platt gehalten.

Plattdeutsch lernen mit Oma, Opa und Großtante

Ganz anderes ergeht es Aileen Jaschinski, die Studentin ist das Küken der Runde. Sie lernt immer mal wieder zwischendurch und insgesamt seit rund fünf Jahren mit ihren Großeltern und der Schwester ihrer Oma Plattdeutsch. Vor gut zwei Jahren fragten die drei, ob sich nicht auch bei der Plattdeutsch-Runde des Heimatvereins mitmachen wolle. „Die sind hier alle total lieb, und ich bin sehr gut in die Runde aufgenommen worden“, so Jaschinski, die so oft es ihr Studium erlaubt, an den Plattdeutschen Abenden teilnimmt und dies definitiv empfehlen kann. „Ich mag, dass diese Abende die mehrere Generationen ansprechen. Aus den Geschichten von früher kann man immer noch was lernen, und es macht einfach total Spaß“, fasste Jaschinski zusammen, was ihr an ihrem ungewöhnliches Hobby gefällt.

Es bleibt in der Familie

Beim Poetry Slam 2018 war die Studentin ebenfalls mit von der Partie. „Diesmal bin ich noch nicht ganz sicher, ob ich es noch mit Omas und Opas Hilfe schaffe, etwas eigenes zu schreiben“, so Jaschinski. Falls dies nicht mehr klappen sollte, würde sie jedoch auf alle Fälle einen Text ihrer Großeltern oder ihrer Großtante nehmen.

Schreiben ist schwerer als sprechen

Weil Plattdeutsch früher eine gesprochene Alltagssprache, und nicht vornehmlich eine Schriftsprache war, sei das Schreiben plattdeutscher Texte nicht ganz einfach, sind sich Siefker und Jaschinski einig. Daher sei die richtige Schreibweise einzelner Begriffe öfter Thema bei den Treffen des Plattdeutsch-Arbeitskreises, so die beiden Platt-Sprecher. 

Foto: Claudia Sarrazin

„Ich muss mich außerdem jedes Mal einlesen und aufpassen, dass ich nicht ins Hochdeutsche zurück verfalle“, erklärte Jaschinski lächelnd, während Siefker fand: „Platt wird langsamer und ruhiger gesprochen als Hochdeutsch, nicht so hektisch.“

Poetry-Slam – wat is dat?

Ein Poetry Slam ist ein Dichterwettstreit , bei dem jeder Poet hat sechs Minuten zum „Performen“ seiner Texte hat. Es heißt „Performen“, weil die Art und Weise des Vortrags vom Künstler frei gewählt werden kann und sich auf unterschiedlichste Formen ausdrückt. Das Publikum entscheidet als Jury, wer den Wettstreit gewonnen hat. Die Texte sollten möglichst selbst verfasst sein. Nicht erlaubt sind Hilfsmittel wie Kostüme. 

Anmeldungen für den Plattdeutschen Poetry Slam in Bissendorf sind bis Samstag, 18. Mai, bei Uwe Schwindt unter Telefon 05402 6243 oder per E-Mail an vorstand@hwvb.de sowie bei Angelika Rothe unter Telefon 05402 3327 möglich. 



Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN