Gleiche Arbeit gleich bewerten Bissendorfer Landfrauen starten Aktion zum "Equal Pay Day"

"Wie viel Prozent verdienen Frauen weniger als Männer?" Mit dieser Schätzfrage machen Almut Detert, Angelika Rothe und Irmtraud Niemeyer auf den "Equal Pay Day" aufmerksam. Foto: Monika Vollmer"Wie viel Prozent verdienen Frauen weniger als Männer?" Mit dieser Schätzfrage machen Almut Detert, Angelika Rothe und Irmtraud Niemeyer auf den "Equal Pay Day" aufmerksam. Foto: Monika Vollmer

Bissendorf. Frauen verdienen immer noch weniger Geld als Männer in gleichen Positionen. In den Top- Etagen deutscher Konzerne sind sie selten zu finden. Das Problem ist bekannt, ändern tut sich nur wenig. Jetzt machten erstmalig die Landfrauen und die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Bissendorf, Angelika Rothe, auf den "Equal Pay Day" aufmerksam.

„Wie viel Prozent verdienen Frauen durchschnittlich weniger als Männer?“ Mit dieser Schätzfrage luden die beiden Landfrauen Almut Detert und Irmtraud Niemeyer zusammen mit Angelika Rothe die Passanten in einem Wissinger Verbrauchermarkt zu einem Schätzspiel ein. Die Meisten wollten nur schnell ihre Einkäufe erledigen und eilten weiter. Einige ließen sich in ein Gespräch verwickeln, schätzten eine von drei vorgegebenen Prozentzahlen und warfen anschließend einen kleinen Plastikball in die entsprechende, transparente Säule.

Der „Equal Pay Day“ soll symbolisch auf die Diskrepanz hinweisen, dass Frauen ein Fünftel weniger Lohn erhalten als Männer. Jedes Jahr wird dieser Tag auf Grundlage des Lohnabstandes zwischen den Geschlechtern (GPG) neu festgelegt. In diesem Jahr fällt er auf den 18. März, denn 21 Prozent von 365 Tagen ergibt 77 Tage. Frauen arbeiten in Deutschland also – zumindest rechnerisch betrachtet – im Schnitt 77 Tage umsonst.

„Mann und Frau sind gleich zu stellen; bei gleicher Arbeit sollen sie auch die gleiche Bezahlung erhalten“, forderte Detert. Rothe ergänzte: „wir müssen einfach bessere Voraussetzungen für Frauen schaffen, die oft noch Familie im Schlepptau haben. Für Veränderungen bedarf es Anreize wie Homeoffice oder Erneuerungen im Steuersystem.“ Die drei Frauen gaben zu verstehen, dass geringere Bezahlung auch weniger Rente im Alter bedeute. Sie verteilten rote Baumwollbeutel und Luftballons, ermutigten, dass Frauen mehr auf die Einkommens Situation achten sollen. “Wenn der ein oder andere darüber diskutiert, haben wir schon etwas erreicht“, so die Gleichstellungsbeauftragte.

Und was sagen die Männer? Ulf Maringer ist selbstständig und gab offen zu, dass bei ihnen zu Hause die Frau mehr verdient. Tochter Mirja (15) gab an, später Lehramt studieren zu wollen, da sei ihrer Meinung nach der Verdienst ziemlich ausgeglichen zwischen Männern und Frauen.

Der Equal Pay Day soll auf den Einkommensunterschied aufmerksam machen und zeigt -rein rechnerisch- die 77 Tage, die Frauen "umsonst" arbeiten. Foto: Monika Vollmer


Betrachtet man die geschlechtsbezogene Verdienstlücke die das Statistische Bundesamt jährlich erstellt, so stagniert diese in den letzten Jahren. Deutschland liegt mit einem GPG von 21 Prozent immer noch weit über dem Durchschnittswert und hinkt bei der Gleichstellung im internationalen Vergleich von 28 EU-Staaten hinterher. Allerdings beschreibt dieser GPG lediglich den prozentualen Unterschied der durchschnittlich errechneten Bruttostundenlöhnen von Männern und Frauen und berücksichtigt nicht alle Faktoren.

So wird beispielsweise die regionale Wirtschaftsstruktur außer Acht gelassen wie auch die Tatsache, dass Frauen durchaus Berufe wählen, die weniger Gehalt einbringen als traditionelle Männerberufe. Auch, dass sie längere Auszeiten vom Job nehmen, seltener in Führungspositionen befördert werden, oder in Teilzeit arbeiten, ließe einen Teil der Lohnungleichheit erklären.

Vergleicht man in etwa die Gehälter von Männern und Frauen, deren Lebensumstände sich ähneln, spricht man von einem „bereinigten“ GPG. Alle vier Jahre wird dieser vom Statistischen Bundesamt neu berechnet. Zuletzt lag die Lohndifferenz hier bei 6 Prozent. Immer noch 6 Prozent, die Männer hierzulande mehr verdienen, nur weil sie Männer sind.


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