Frühstück zum Weltfrauentag Lebhafte Diskussion mit der „fremden Deutschen“ in Bissendorf

Islamtheologin Du’A Zeitun freute sich über ein süßes Präsent von Angelika Rothe (rechts). Foto: Gudrun SchmiesingIslamtheologin Du’A Zeitun freute sich über ein süßes Präsent von Angelika Rothe (rechts). Foto: Gudrun Schmiesing

Bissendorf. „Wir sollten jeden Tag Weltfrauentag haben“. Mit diesen Worten eröffnete Angelika Rothe, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Bissendorf, das Frauenfrühstück zum Internationalen Frauentag. Dazu hatte Rothe gemeinsam mit den Bissendorfer Landfrauen nach Schledehausen in „Hünerbein’s Posthotel“ eingeladen. Als Gastrednerin sorgte Islamtheologin Du’A Zeitun mit ihrem Vortrag zur Gleichstellung der Frau im Islam für eine lebhafte Diskussion.

Trotz großer Fortschritte in Sachen Gleichberechtigung sieht Rothe auch hierzulande noch enorme Defizite, wie beispielsweise die geringere Entlohnung von Frauen in vielen Berufen. Auch seien noch zu wenige Frauen in der Politik tätig. Doch besondere Herausforderungen ergeben sich vor allem für junge Geflüchtete und Frauen mit Migrationshintergrund. Denn mit ihrer Integrationsbereitschaft stehen sie häufig in Konflikt mit ihren traditionsbewussten Familien, berichtete Du’A Zeitun in ihrem Vortrag. Hinzu kämen Vorurteile aus der westlichen Gesellschaft.

Tägliche Begegnung mit Vorurteilen

In Aachen als Tochter syrischer Einwanderer geboren, begegnet Zeitun täglich Vorurteilen. Es gehe immer los mit ihrer Herkunft, sagt sie und verweist auf ihr Kopftuch: „Die Leute reagieren stets irritiert, wenn ich sage, ich komme aus Aachen“, schmunzelt die resolute Frau. Doch Syrien ist ihr fremd, dort sei sie „die Deutsche“, in Deutschland „die Fremde“. Als Heimat betrachtet sie Bad Rothenfelde, denn dort wuchs sie auf.

Bildung besonders wichtig

Das Finden der eigenen Identität sowie Bildung sind nach Ansicht Zeituns für junge Frauen mit Migrationshintergrund besonders wichtig – nicht nur für ihre Integration in unsere Gesellschaft, sondern auch, um ihre Rechte gegenüber konservativen Familien zu behaupten. „Je gebildeter Frauen sind, desto weniger lassen sie sich unterdrücken“, ist sie überzeugt. So laufen sie weniger Gefahr, sich zur Heirat nötigen zu lassen.

Unterschied Koran und Kultur

Dass der Islam die Zwangsheirat von Frauen vorschreibt, sei übrigens ein Vorurteil in der westlichen Gesellschaft. Hier sei es, so Zeitun, wichtig, zwischen dem Koran und in der muslimischen Kultur verankerten Traditionen zu unterscheiden. Doch sie weiß, dass viele Frauen sich seitens ihrer Familien starkem Druck ausgesetzt fühlen.

Vermittlerin bei Konflikten

Neben ihrem Beruf als pädagogische Mitarbeiterin an der Landvolk-Hochschule Oesede begleitet Zeitun ehrenamtlich junge geflüchtete Frauen, aber auch Männer. Sie hilft ihnen beim Ankommen in der deutschen Gesellschaft und vermittelt bei Konflikten mit ihren traditionsbewussten Familien.

So gelang es ihr zum Beispiel, eine Familie zu überzeugen, die Scheidung ihrer unglücklich verheirateten Tochter zu akzeptieren. „Heute ist sie in zweiter Ehe glücklich verheiratet und hat zwei Kinder. Ihre Eltern sind stolz als Opa und Oma“, freut sich Zeitun über die Aussöhnung .


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