„Erst klebt noch die Zunge“ Bissendorfer Arbeitskreis spricht einmal im Monat „Bistruper Platt“

Meine Nachrichten

Um das Thema Bissendorf Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Jeden 1. Mittwoch im Monat wird im Landhaus Stumpe unter der Leitung des Heimat- und Wandervereins „Bistruper Platt“ gekürt. Foto: Uwe BullerdiekJeden 1. Mittwoch im Monat wird im Landhaus Stumpe unter der Leitung des Heimat- und Wandervereins „Bistruper Platt“ gekürt. Foto: Uwe Bullerdiek

Bissendorf. Naturschutz, Radfahren, Technik-Museum, Strickkreis und vieles mehr: Der Heimat- und Wanderverein Bissendorf (HWVB) ist breit aufgestellt. Vor mehr als zwei Jahren formierte sich in der Gemeinschaft ein neuer Arbeitskreis, der den bezeichnenden Namen „Bistruper Platt“ trägt.

Die Namensgebung „Bistruper Platt“ lag nahe, trägt doch die seit rund 20 Jahren halbjährlich erscheinende Mitgliederzeitung des HWVB bereits den plattdeutschen Titel „De Bistruper“. Der plattdeutsche Arbeitskreis trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat um 19.30 Uhr im Landhaus Stumpe in Bissendorf. Eine zweitägige Präsentation auf der Landesgartenschau in Bad Iburg und eine plattdeutsche Kutschfahrt mit anschließendem Grillen gehören zu den Sonderaktionen im vergangenen Jahr. 

Einladungen auf Plattdeutsch

Die Einladungen zu den Treffen erfolgen natürlich auf Plattdeutsch. Wer keinen E-Mail-Zugang besitzt, bekommt alle nötigen Infos per Post. So kommen laut Schriftführer Uwe Bullerdiek Monat für Monat circa 20 Personen zusammen, die viel Freude daran haben, „platt to küern“.

Texte aus der Region

Zum festen Kern gehören zum Beispiel Elke Voltz, Karl-Heinz Schröder und Manfred Staub. Heinz Föbker und Rainer Aringsmann übersetzen manchmal plattdeutsche Texte aus der Region in Bistruper Platt. Denn was dem Emsländer zum Beispiel seine „Näggemaschin“ (Nähmaschine) ist, kennt der Bissendorfer als „Naimaschin“. Als erfahrene Experten, die Platt von der Pike auf gelernt haben, greifen auch Erwin Siefker und Herbert Jesse immer wieder korrigierend ein.

Für üblich trägt Uwe Bullerdiek zu Beginn „up platt“ vor, was sich in den letzten Wochen zugetragen hat und was es organisatorisch zu bedenken gibt. Anschließend nehmen sich die Teilnehmer plattdeutsche Texte aus der Region vor, die sie gemeinsam lesen. „Beim ersten Versuch klebt die Zunge noch häufig, danach wird es kontinuierlich besser“, berichtet ein treuer Teilnehmer der Runde.  

Plattdeutsche Dönkes

Zur Aufheiterung habe hin und wieder jemand irgendwelche plattdeutschen Dönkes dabei. Manchmal seien diese Einwürfe alleine schon deshalb zum Schießen, weil sie auf platt eine besondere Würze haben. Zu Beginn und zum Ausklang greift HWVB-Urgestein Manfred Staub oft zu seiner Gitarre und rundet das Zusammensein musikalisch ab.

„Lüe, de Lussen häwwet, Plattdüütsk in de Region – orre bierter seggt in Bistrup – to verquicken, de schürlt dat naichste Driärpen an‘n Middewiärken, 6. März, bi Stumpen Mia in iähre Kalenners upschrieven“, empfiehlt Bullerdiek.

Einführung eines "Plattdachs"

Darüber hinaus hat der Schriftführer weitere Ideen, um die plattdeutsche Sprache lebendig zu halten: „Im Sinne von Karl-Heinz-Schröder, der immer wieder dazu drängt, das Sprechen stärker zu trainieren, sollte man darüber nachdenken, in Bissendorf vielleicht einen ´Plattdach´ einzuführen. Eine ähnliche Initiative gibt es im Emsland unter dem Namen ´Freeidach is Plattdach´. So könnte man auch bei uns aus Spaß an der Freud möglichst viele Menschen dazu animieren, freitags bei der Arbeit, beim Einkaufen, beim Frisör oder beim Arzt platt zu sprechen. Ja, ich weiß – das klingt erst Mal ganz schön durchgeknallt“, sagt Bullerdiek.

Plattdeutsch-Poetry-Slam im Mai

Ganz konkret sind dagegen bereits diese beiden Aktionen: Am Freitag, 24. Mai, lädt der HWVB gemeinsam mit dem Kulturverein Bissendorf, kurz Kubiss, zum zweiten Plattdeutsch-Poetry-Slam in den Bürgersaal im Rathaus Bissendorf. Ab 20 Uhr können plattdeutsch sprechende Protagonisten nach vorheriger Anmeldung zu einem unterhaltsamen Dichterwettstreit antreten und mit möglichst eigenen Texten um die Gunst des Publikums performen.

Am Mittwoch, 7. August, initiiert der Arbeitskreis „Bistruper Platt“ außerdem eine plattdeutsche Besichtigung der im vergangenen Jahr aufbereiteten mittelalterlichen Versammlungsstätte „Höltingsbänken“ in Nemden. Treffpunkt für diese gesellige Aktion „up platt“ ist um 18.30 Uhr unter dem Funkmast am Kurrel. Weitere Infos und Kontakt unter plattdeutsch@hwvb.de. der Leitung des Heimat- und Wandervereins „Bistruper Platt“ gekürt. Foto: Uwe Bullerdiek 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN