Amt prüft Alternativen 380-kV-Leitung: Trasse durch Voxtrup bleibt "vorzugswürdig"

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Der Netzausbau naht: Die 220-kV-Stromleitung zwischen Wehrendorf und Gütersloh soll durch eine 380-kV-Höchstspannungsleitung ersetzt werden. Hier der nördliche Abschnitt im Bereich des Bissendorfer Ortsteils Natbergen.  Foto: Archiv/Jörn MartensDer Netzausbau naht: Die 220-kV-Stromleitung zwischen Wehrendorf und Gütersloh soll durch eine 380-kV-Höchstspannungsleitung ersetzt werden. Hier der nördliche Abschnitt im Bereich des Bissendorfer Ortsteils Natbergen. Foto: Archiv/Jörn Martens

Osnabrück/Bissendorf. Nachdem Netzbetreiber Amprion für die von Lüstringen nach Gütersloh geplante 380-kV-Leitung zwei alternative Korridore durch Bissendorf ins Spiel gebracht hat, hat das Amt für regionale Landesentwicklung ein erneutes Beteiligungsverfahren eingeleitet. Erste Erkenntnis: Die ursprüngliche Trasse bleibt "vorzugswürdig".

Wie das Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems (ArL) als zuständige Behörde mitteilte, würden die Verfahrensunterlagen "in Kürze" bei den berührten Kommunen Osnabrück, Georgsmarienhütte und Bissendorf zur Einsicht ausgelegt. Dort und im Internet könne dann jeder Bürger zu dem Vorhaben Stellung nehmen. 

Dabei geht dieses Mal nicht um die geplante 380-kV-Leitung als solche, die im Zuge des Netzausbaus von Bad Essen-Wehrendorf über das Umspannwerk Osnabrück-Lüstringen und die Landesgrenze bei Melle bis nach Gütersloh gebaut werden soll. Im Fokus stehen nun vielmehr zwei mögliche Alternativtrassen, die die Amprion als Vorhabenträgerin im vergangenen Herbst ins Spiel gebracht hatte - und damit die erneute Öffentlichkeitsbeteiligung erforderlich machte. Eine der beiden "neuen" Trassen könnte nach Auffassung Amprions erforderlich werden, falls sich die ursprüngliche Trasse nicht realisieren ließe.


Grafik: Matthias Michael/Sascha Nabrotzky - Quelle: Amprion


Diese ursprüngliche Trasse, auch Korridor 1 genannt, würde auf Osnabrücker Stadtgebiet an Voxtrup entlang über den Sandforter Berg führen und dann grob dem Verlauf der jetzigen 220-kV-Leitung folgen, die sie perspektivisch ersetzen soll. Korridor 1 ist zudem der bislang einzige Abschnitt zwischen Lüstringen und Gütersloh, für den Amprion eine Erdverkabelung vorsieht - als der Netzbetreiber die Korridore 2 und 3 in die Planungen einbrachte, mutmaßte die Bürgerinitiative "Keine 380-kV-Freileitung am Teuto" deshalb umgehend, die Amprion wolle sich ganz vor der aufwendigeren Erdverkabelung drücken. 

Wasserschutzgebiet als Hindernis?

Unternehmenssprecher Michael Weber beteuerte indes im September auf Nachfrage unserer Redaktion, Korridor 1 sei nach wie vor der "Vorzugskorridor" der Amprion. Die etwa vier Kilometer lange Strecke stelle den "direkten und möglichst geradlinigen" Weg dar, führe allerdings durch das Wasserschutzgebiet Voxtrup. Für den Fall, dass dieses "ein nicht zu überwindendes Genehmigungshindernis darstellen sollte", wolle die Amprion frühzeitig Alternativen prüfen, sagte Weber. 

Alternative Korridore deutlich länger

Tatsächlich kommt nun auch das Bremer Planungsbüro Sweco, das die "Ergänzenden Unterlagen für das Raumordnungsverfahren" im Auftrag der Amprion für das ArL zusammengestellt hat, zu diesem Schluss: Gegen Ende des 142 Seiten starken Dokuments heißt es dort, Korridor 1 stelle sich "weiterhin als vorzugswürdig dar". Dabei sei die Umgehung des Wasserschutzgebietes Voxtrup der größte Vorteil der Korridore 2 und 3; demgegenüber stünden allerdings "zahlreiche Nachteile, die insbesondere in den längeren Trassenstrecken begründet liegen". Korridor 2 ist demnach etwa sechs Kilometer lang, Korridor 3 sogar acht Kilometer.

Aus der Untersuchung ergibt sich zudem, dass auch auf den Korridoren 2 und 3 eine Teilerdverkabelung erforderlich wäre, weil sonst die Mindestabstände zur Wohnbebauung nicht eingehalten werden könnten. Auf Korridor 2, der zwischen Sandforter und Eistruper Berg verlaufen würde, hielten sich der Freileitungs- und der Erdverkabelungsanteil dabei mit jeweils circa drei Kilometern in etwa die Waage. Er sei deshalb gegenüber Korridor 3 "klar zu bevorzugen", der zwischen Eistruper und Stockumer Berg verliefe und mehr als fünf Kilometer Erdverkabelung erfordere - dies sei "nach derzeitigem Kenntnissstand die unverträglichste Alternative".

Erdkabel in Natbergen?

Sollte es auf Korridor 1 tatsächlich zu Hindernissen kommen, dürfte also wohl am ehesten Korridor 2 zum Zuge kommen. In diesem Fall würde die 380-kV-Leitung die A30 etwa in Höhe der Anschlussstelle Natbergen queren, wobei südlich der A30 nach Einschätzung der Sweco eine Freileitung möglich wäre. Beim Bereich der Ortschaft Natbergen zwischen Sandforter und Eistruper Berg handele es sich hingegen um einen "vorzugswürdigen Teilerdverkabelungsabschnitt", da eine Freileitung hier entweder den sogenannten Wohnumfeldschutz oder die Gewährleistung von natur-, landschafts- und artenschutzrechtlichen Belangen nicht erfüllen könnte. Nördlich des Sandforter Berges sei dann wieder eine Freileitung zulässig; das letzte Stück zum Umspannwerk Lüstringen, das deckungsgleich mit Korridor 1 ist, müsse dann allerdings erdverkabelt werden.

Welcher Korridor am Ende gewählt wird, ist damit freilich nicht gesagt: Im ersten Schritt handelt es sich zunächst einmal um eine Öffentlichkeitsbeteiligung. Kommunen, Behörden, Verbände und Bürger können sich nun zu den Planungsunterlagen äußern und etwaige Einwände und Bedenken vortragen.


Hier gibt es die Planungsunterlagen

Das Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems stellt alle Planungsunterlagen zum Raumordnungsverfahren auf seiner Internetseite zur Verfügung. Neben der 142-seitigen Langfassung gibt es auch eine 13-seitige Zusammenfassung, außerdem stehen zahlreiche Karten zur Verfügung, aus denen insbesondere die sogenannten Engpässe der jeweiligen Korridore hervorgehen.

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