Gesellschaftspolitische Herausforderung Bissendorfer CDU initiiert Gesprächsrunde zum Thema Pflege

Im Bürgersaal der Gemeinde Bissendorf kamen rund 30 Teilnehmer auf Einladung der CDU zum regionalen Meinungsaustausch zum Thema „Altern in Bissendorf“ zusammen. Foto: Johanna KollorzIm Bürgersaal der Gemeinde Bissendorf kamen rund 30 Teilnehmer auf Einladung der CDU zum regionalen Meinungsaustausch zum Thema „Altern in Bissendorf“ zusammen. Foto: Johanna Kollorz

Bissendorf Die Themen „Pflege und Betreuung von Senioren“ sind eine der zentralen gesellschaftspolitischen Herausforderungen der Zukunft – insbesondere im ländlichen Raum. Die CDU Bissendorf nahm sie jetzt zum Anlass für einen Austausch im Bürgersaal der Gemeinde Bissendorf, an dem sich 30 im Themenfeld agierende Akteure beteiligten.

Volker Buch, Vorsitzender der Bissendorfer CDU-Fraktion und Organisatorin Karin-Ruthemann-Bendel zeigten sich zufrieden mit Resonanz und Verlauf der Abendveranstaltung. Aus den eigenen Parteireihen beteiligten sich fünf weitere Ratsmitglieder, als Vertreter der Gemeinde Bissendorf nahm Bernd Stegmann, Fachdienstleiter Ordnung und Soziales, teil.

Selbstständige Lebensführung

Gemeinsam mit Vertretern der ambulanten und stationären Pflegedienste, der kirchlichen Seniorenkreise Achelriede, Schledehausen, des Arbeitskreises Goldener Oktober im Präventionsrat der Gemeinde, Apothekern und Vorstandsmitgliedern des DRK Bissendorf wurden aktuelle Begebenheiten und Wünsche abgefragt.

Gleich zu Beginn des Austauschs, der unter dem Motto „Altern in Bissendorf – was kann besser werden, was fehlt?“ stand, präsentierte Ruthemann-Bendel ein paar alarmierende Zahlen zur Altersstruktur vor Ort: Ausgehend von aktuell 15.147 Einwohnern, von denen 3102 älter sind als 65 Jahre, wären in 20 Jahren 1100 Einwohner vor Ort auf mobile Pflege für eine möglichst lange gewährleistete selbstständige Lebensführung angewiesen.

163 stationäre Pflegeplätze gibt es zurzeit in Bissendorf – aufgeteilt auf das Haus am Bredberg in Schledehausen und das Haus am Lechtenbrink in Jeggen. Als anerkannter Altenpflege-Experte und langjähriger Pflegedienstleiter nannte Michael Thomsen drei große Themenfelder, in denen dringend nachgebessert werden muss: Das Fehlen stationärer Plätze für die steigende Anzahl von Menschen mit schwerer Demenz, die momentane Gesetzeslage, die den Mitarbeitern der ambulanten Pflege die Hände bindet, Hilfen zur Alltagsbewältigung zu leisten und eine nicht weit genug gehende Vernetzung, zum Beispiel durch Aufklärung in örtlichen Betrieben und Schulen.

Gelungene Basisinfrastruktur

Für einen fachlichen Blick über den „kommunalen Tellerrand“ hatten sich Susanne Klesse und Petra Herder vom Senioren- und Pflegestützpunkt des Landkreis Osnabrück auf den Weg nach Bissendorf gemacht. Die Beraterinnen berichteten von Gemeinden, in denen freiwilliges Engagement erfolgreich durch hauptamtliche Seniorenbüros, Seniorenbeiräte, Ehrenamtslotsen oder Freiwilligenbüros zentral vernetzt wird. „Das Thema „Älter werden“ ist in der kommunalen Arbeit aktuell eine reine ´Nice-to-have-Aufgabe´“, betonte Klesse und nannte als Beispiele für eine gelungene Basisinfrastruktur die Gemeinden Wallenhorst und Hagen sowie die Samtgemeinden Neuenkirchen und Bersenbrück.

Seniorenfrühstücke und Spielenachmittage

Um die Aktivierung der nächsten Generation Ehrenamtlicher machte sich die Diskussionsrunde dagegen größere Sorgen. „Auch bei unseren Seniorenfrühstücken und Spielenachmittagen im neuen Dorfgemeinschaftshaus in Jeggen ist aktuell die Generation aktiv, die eigentlich in den Genuss solcher Angebote kommen sollte“, betonte Svenja Klein, zweite Vorsitzende des DRK Bissendorf.

Regionaler Meinungsaustausch

Volker Buch plädierte im Laufe des regionalen Meinungsaustauschs gegen ein Ortsteildenken und schlug als konkrete kommunalpolitische Maßnahme das Einplanen kleinerer Wohneinheiten in neuen Baugebieten vor. Michael Thomsen sprach sich abschließend dafür aus, den potenziellen Nachwuchs Ehrenamtlicher nicht bloß zu schelten, sondern durch das, was Ehrenamt zurückgibt, zu begeistern und entflammen.

Kreatives Querdenken

Vielfach wurden im Lauf des Abends Forderungen laut, die Menschen vor Ort durch niedrigschwellige Angebote und kreatives Querdenken mitzunehmen. Teilhabe wird beispielsweise möglich in Form von Fahr- und Einkaufsdiensten, Nachbarschaftshilfe, Orten der Begegnung, Einbindung von Neubürgern oder regelmäßige Runde Tische.

„Vernetzung und Information sind die Basis für alle weiteren Aktivitäten…“, unterstrich Volker Buch zum Ende der Diskussion, während der deutlich wurde, das niemand diese komplexe Aufgabe „mal eben nebenbei“ befriedigend erledigen kann und künftig verstärkt das ehrenamtliche Engagement der so genannten Babyboomer-Generation von Nöten ist.


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