Gemeinde und Anwohner im Dialog Neue Ideen für Gefahrenpunkt Schledehausener Kreuzung

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Verbesserungen in Sicht: Der Verkehrsspiegel an der Schledehausener Kreuzung ist bereits ausgetauscht worden - er ist jetzt größer und beheizbar. Vertreter der Gemeinde suchen gegenüber mit Anwohnern nach Lösungen für den gefühlten Gefahrenpunkt. Foto: Constantin BinderVerbesserungen in Sicht: Der Verkehrsspiegel an der Schledehausener Kreuzung ist bereits ausgetauscht worden - er ist jetzt größer und beheizbar. Vertreter der Gemeinde suchen gegenüber mit Anwohnern nach Lösungen für den gefühlten Gefahrenpunkt. Foto: Constantin Binder

Bissendorf. Die Kreuzung im Schledehausener Ortskern ist nach Auffassung von Anliegern ein Gefahrenpunkt. Doch weil die nackten Zahlen dies nicht belegen, will die Gemeinde nur kleine Verbesserungen vornehmen - die wiederum den Anwohnern nicht weit genug gehen. Im gemeinsamen Dialog entstanden nun neue Ideen.

Auf Drängen von Anwohnern hatte die Gemeinde Bissendorf im vergangenen Jahr eine Verkehrsuntersuchung der zentralen Kreuzung von Großer Straße, Bergstraße und Wulftener Straße in Schledehausen durchführen lassen. Die Anlieger hatten beklagt, dass trotz des Tempolimits von 30 km/h viele Autos zu schnell führen und dadurch insbesondere der Fußgängerüberweg nicht sicher sei, zudem komme es wiederholt zu Unfällen.

Gemeinde plant nur "punktuelle Maßnahmen"

Die Verkehrsuntersuchung kam jedoch zu dem Schluss, der Knotenpunkt sei allenfalls "schwach belastet", eine größere Umgestaltung wie beispielsweise der Bau eines Kreisverkehrs deshalb nicht erforderlich. Gleichwohl machte Verkehrsplaner Manfred Ramm von der Ingenieurplanung Wallenhorst (IPW) drei Gefahrenquellen aus, die allerdings durch "punktuelle Maßnahmen" behoben werden könnten, wie er im Verkehrs- und Gewässerausschuss Ende Oktober bilanzierte: Die Beschilderung des Zebrastreifens sei zugewachsen, der Verkehrsspiegel an der Kreuzung zu klein und das Tempo-30-Schild an der Wulftener Straße schlecht sichtbar. 

Der Zebrastreifen im Schledehausener Ortskern ist bereits besser einzusehen. Foto: Jörn Martens

Die beiden ersten Punkte hat die Gemeinde zwischenzeitlich abgehakt: Bäume und Gebüsch am Zebrastreifen wurden zurückgeschnitten, der Spiegel durch ein größeres, beheizbares Modell ersetzt. Doch gerade der Einsatz an der Grünfläche hat Anwohnern zufolge nicht den gewünschten Effekt: Dadurch, dass der Kreuzungsbereich nun besser einsehbar sei, würden viele Autofahrer, die aus der Großen Straße nach rechts in die Bergstraße abbiegen, neuerdings noch schneller um die Kurve schießen – und damit noch schneller auf den Zebrastreifen zu, berichtete Florian Buddeke, der an der Kreuzung wohnt. Seine Kinder hätten deshalb wie viele andere Kinder im Ort weiterhin das strikte Verbot, den Fußgängerüberweg alleine zu nutzen.

Landesstraße "eher wenig befahren"

Auf Buddekes Einladung versammelte sich nun ein großes Aufgebot an dem zentralen Knotenpunkt, um sich vor Ort ein Bild zu machen: Bürgermeister Guido Halfter, Fachbereichsleiter Bernd Stegmann, Tiefbau-Leiter Christian Schwarz, Bauhofsleiter Peter Kühn und Manfred Motzek von der Straßenverkehrsabteilung des Landkreises Osnabrück. Letzterer – nach eigenem Bekunden "regelmäßig wegen ähnlicher Problemlagen vor Ort" – zeigte zwar durchaus Verständnis für das subjektive Empfinden der Anwohner, dämpfte ansonsten aber jedwede Erwartungen: Mit 4000 bis 4500 Kraftfahrzeugen pro Tag sei die Landesstraße (Wulftener Straße/Bergstraße) "eher wenig"  befahren, relativierte Motzek und verwies exemplarisch auf Bad Iburg mit 18.000 Fahrzeugen. Auch sei aus der Polizeistatistik "erfreulicherweise keine Unfallhäufung" abzulesen; in den vergangenen Jahren sei es gerade einmal zu zwei Unfällen ohne Personenschaden gekommen. Zudem habe der Landkreis Anfang Dezember eine Woche lang verdeckt die Geschwindigkeit im Kreuzungsbereich gemessen, die Durchschnittsgeschwindigkeit lag demnach bei 41 km/h – allerdings gilt das Tempolimit von 30 km/h nur in südlicher Richtung, weil von dort der Zebrastreifen erst spät zu sehen sei.

Im Dialog (von links): Bürgermeister Guido Halfter, die Anwohner Beate Klenen und Florian Buddeke, Bauhofsleiter Peter Kühn, Fachbereichsleiter Bernd Stegmann, Manfred Motzek von der Straßenverkehrsabteilung des Landkreises und Tiefbau-Leiter Christian Schwarz. Foto: Constantin Binder

Auch Bürgermeister Halfter bekräftigte, dass ein Kreisverkehr "nicht zu begründen" sei - signalisierte aber die Bereitschaft, weiter nachzubessern. Gemeinsam mit den Anwohnern sammelten die Vertreter von Kommune und Kreis deshalb Ideen, wie der Kreuzungsbereich mit geringem Aufwand weiter entschärft werden könnte:

  1. Auf der Fahrbahnmitte vor dem Zebrastreifen könnte beidseitig eine langgezogene dreieckige Markierung aufgetragen werden, die die Fahrbahn optisch verschmälert - das funktioniere bereits hinter dem Bissendorfer Rathaus sehr gut.
  2. Die Linksabbiegerspur auf der Bergstraße könnte entfernt werden. Dadurch müssten Geradeausfahrer hinter den Abbiegern warten, der Verkehrsfluss würde verlangsamt.
  3. Die Ausfahrt der Großen Straße gegenüber der Kirche könnte verjüngt werden, damit Abbieger nicht mehr so schnell in die Bergstraße fahren können. Testweise könnten hierfür sogenannte Wasserschweine aufgestellt werden, schlug Tiefbau-Leiter Schwarz vor: rote und weiße, mit Wasser gefüllte Kunststoffbehälter, die sich zu einer Kette zusammenfügen lassen. Allerdings müsse sichergestellt werden, dass Busse und Lastwagen weiterhin abbiegen können.
  4. Die Beleuchtung am Zebrastreifen soll erneuert werden - Schwarz zufolge sind die Arbeiten bereits in Auftrag gegeben. 
  5. Gegebenenfalls könnten freiwillige Verkehrshelfer Schulkindern morgens und mittags über den Zebrastreifen helfen. Auch ein sogenannter Walking Bus, bei dem ein oder zwei Erwachsene eine Gruppe Kinder zu Fuß zur Schule bringt, könnte eine Option sein.
  6. Das Tempo-30-Schild in der Wulftener Straße könnte besser platziert werden, beispielsweise an einem Bogen über der Straße. Motzek riet allerdings davon ab, das Schild zu weit zu versetzen, weil ansonsten der Bezug zum Zebrastreifen verloren ginge.

Vor allem von den "Wasserschweinen" verspreche er sich viel, sagte Buddeke. Für Anfang Februar soll nach Auskunft der Gemeindeverwaltung eine Verkehrsschau geplant werden, an der neben der Straßenverkehrsbehörde und der Gemeinde auch die Polizei beteiligt ist. Dabei soll geklärt werden, welche Maßnahmen umgesetzt werden - und von wem.


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