Ausschuss nimmt Planung wieder auf Bissendorf bereitet Weg für Gewerbegebiet Natberger Feld

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Östlich der Lüstringer Straße (oben im Bild) soll das Gewerbegebiet Natberger Feld entstehen. Im ersten Schritt wird nur der Teil nördlich der Natberger Straße (rechts im Bild) entwickelt. Unser Bild stammt aus dem Jahr 2011, als der Flächennutzungsplan erstmals entsprechend geändert wurde. Foto: Archiv/Gert WestdörpÖstlich der Lüstringer Straße (oben im Bild) soll das Gewerbegebiet Natberger Feld entstehen. Im ersten Schritt wird nur der Teil nördlich der Natberger Straße (rechts im Bild) entwickelt. Unser Bild stammt aus dem Jahr 2011, als der Flächennutzungsplan erstmals entsprechend geändert wurde. Foto: Archiv/Gert Westdörp

Bissendorf. Das mutmaßlich sensibelste Bissendorfer Thema ist zurück auf der politischen Agenda: Nach mehr als fünfjähriger Pause greift die Gemeinde die Planungen für das Gewerbegebiet Natberger Feld wieder auf.

Die Brisanz der Planungen für das Natberger Feld zeigte sich nicht nur darin, dass die Gemeindeverwaltung gleich sechs Stuhlreihen im Bürgersaal hatte aufstellen lassen - sondern auch darin, dass tatsächlich gut drei Dutzend Zuschauer zur Sitzung des Planungs- und Entwicklungsausschusses am Dienstagabend kamen. Im Vorfeld hatte die Bürgerinitiative "Schönes Natbergen", die seit mehr als zehn Jahren versucht, die Ansiedlung des Gewerbegebiets zu verhindern, ihre Mitstreiter ermutigt, zur Sitzung zu kommen.

Zunächst nur nördlich der Natberger Straße

Konkret hatte die Verwaltung eine Änderung des Flächennutzungsplans und eine Anpassung des Bebauungsplans Nr. 150 "Natberger Feld" ausgearbeitet, über die zunächst der Ausschuss abstimmen sollte, bevor am 13. Dezember der Rat entscheidet. Beide Schritte sollen perspektivisch die Ansiedlung des Gewerbegebiets ermöglichen - fürs Erste allerdings nur nördlich der Natberger Straße. Der Bereich südlich der Straße, der im Flächennutzungsplan ebenfalls dem Gewerbegebiet zugeschrieben wird, steht nach Auskunft der Verwaltung "absehbar nicht zur Verfügung", weil ein Grunderwerb hier "erst in einigen Jahren" realisierbar sein werde.

Fläche um drei Hektar vergrößert

Für den nördlichen Bereich habe hingegen im Mai ein Kaufvertrag mit dem Grundstückseigentümer  geschlossen werden können, verkündete die Verwaltung in ihrer Beschlussvorlage. Der Vertrag umfasse jedoch eine 130 Meter breite, in Summe etwa drei Hektar große Fläche, die ursprünglich nicht als gewerbliche Baufläche ausgewiesen wurde, auf Anraten der Verwaltung nun aber mit ins künftige Gewerbegebiet aufgenommen werden sollte. Vorgesehen sind dabei ein Ausbau der Einmündung der Natberger Straße in die Lüstringer Straße sowie der Bau eines Wendehammers an der Natberger Straße am Ende des Gewerbegebiets. Noch zu klären wären laut Verwaltung Lage und Größe eines Regenrückhaltebeckens, die randliche Eingrünung, die verkehrliche Einschließung und die Wasserwirtschaft; hierzu bestünden "derzeit noch verschiedene Planungsvarianten".

Rechnet sich das Gewerbegebiet?

Im Ausschuss kritisierte Claus Kanke (Grüne), dass es aktuell "keinen planerischen Anlass", also keine konkreten Anfragen von Unternehmen, gebe. Unter Verweis auf das Gewerbegebiet Eistruper Feld, das ein Defizit von mehr als einer Million Euro aufweise, stellte er insbesondere die Wirtschaftlichkeit des geplanten  Gewerbegebiet infrage. 

Gut besucht war die Sitzung des Planungs- und Entwicklungsausschusses in Bissendorf. Foto: Constantin Binder


Dem entgegnete Bürgermeister Guido Halfter (parteilos), das Eistruper Feld habe der Gemeinde allein in den letzten acht Jahren Steuereinnahmen von 1,5 Millionen Euro eingebracht, habe sich also trotz des Defizits gelohnt. In Bezug auf das Natberger Feld betonte Halfter, "dieser Rat" habe einen städtebaulichen Vertrag mit der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG) geschlossen, die Fläche zu entwickeln. "Das ist natürlich ein Eingriff in die Natur", räumte er ein. Angesichts der Nachfrage von "sehr interessanten mittelständischen Betrieben" sei er aber überzeugt, die Gemeinde müsse das Natberger Feld nutzen.

Emotional aufgeladene Fragestunde

Dem folgte schließlich auch die Mehrheit der Ausschussmitglieder; lediglich Kanke und sein UWB-Gruppen-Kollege Thomas Goertz stimmten gegen den Vorstoß. Es folgte eine teilweise emotional aufgeladene Einwohnerfragestunde, in der sich auch direkt betroffene Anlieger gegen das Vorhaben wandten und vor der ihres Erachtens "existenzvernichtenden Planung" und einem "Flächenfraß" warnten. 

Fünfjährige Planungspause

Die Planungen für ein Gewerbegebiet im Natberger Feld wurden 2008 angestoßen, als die Spedition Koch nach einem neuen Standort suchte. Die hat inzwischen ebenso eine andere Fläche gefunden wie die Firma Solarlux, die später einmal im Gespräch war und dann nach Melle zog. 2011 wies der Bissendorfer Gemeinderat das Areal im Zuge der 29. Änderung des Flächennutzungsplans als gewerbliche Baufläche aus, 2013 verabschiedete der Rat den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan. Nach der öffentlichen Auslegung der Unterlagen im August 2013 wurde es dann ruhig um das Projekt - bis jetzt.



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