Ein „reizendes Quartett“ Skatclub aus Bissendorf feiert jahrzehntelange Freundschaft

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Durch knapp 40 Jahre Kartenspiel fest zusammengeschweißt: die Skatbrüder Thorsten Bücker, Jörg Hagemes, Michael Korth und Ludger Lorenz. Foto: Johanna KollorzDurch knapp 40 Jahre Kartenspiel fest zusammengeschweißt: die Skatbrüder Thorsten Bücker, Jörg Hagemes, Michael Korth und Ludger Lorenz. Foto: Johanna Kollorz

Bissendorf. Der Besuch der Realschule Bissendorf und die gemeinsame Leidenschaft für Fußball, Partys und Rockmusik brachte Michael Korth („Fischer“), Ludger Lorenz, Jörg Hagemes („Haggy“) und Thorsten Bücker Anfang der achtziger Jahre zusammen. Von ihren Vätern früh in die Regeln des Skatspiels eingeweiht, gründeten die Freunde eine Skatrunde, die sich bis heute regelmäßig trifft.

Begonnen wurde das gemeinsame Skatspiel 1981 im zarten Alter von 14/15 Jahren. Mit „Auf´m Tisch gehn se kaputt“ war schnell ein gemeinsamer Clubname gefunden. Gespielt wurde erst nachmittags, dann in den Abendstunden: Anfangs bei belegten Brötchen, Conti oder 5-Liter-Fässchen – später wurden Bierkisten und ein kleiner Imbiss eingeführt.

Dicker Ordner enthält vierseitige Satzung 

Festgehalten ist die vorgeschriebene Verpflegung in einem dicken Ordner. Neben der ersten Computergeschriebenen Satzung vom 8. Dezember 1995 enthält die Sammlung auch erste handschriftliche Notizen. Unter Punkt 5.a steht dort: Getränke umschmeißen kostet den Verursacher fünf Euro.

Desweiteren gilt: Stehen bis spätestens 22 Uhr keine Knabbereien auf dem Spieltisch ist für den Gastgeber ebenfalls eine Strafgebühr fällig. Ab 20 Uhr herrscht zudem striktes Handyverbot – insbesondere beim Ramsch ist volle Aufmerksamkeit gefordert.

Neben der Nichteinhaltung einer strengen Kleiderordnung (Clubshirt, Sweat-Jacke und Cappi sind bei jedem Treffen Pflicht) belasten auch Absagen, Verspätungen oder das Nichtmitbringen des Club-Pokals das Portemonnaie.

Inzwischen ist das selbst auferlegte Regelwerk bei Version 31 angelangt – verteilt auf vier volle DIN-A-4-Seiten. „Man denkt immer, da steht doch jetzt nun wirklich alles drin. Und zack, kommt wieder etwas Neues, noch nicht Dagewesenes dazu“, schildert das „reizende Quartett“.

„Hochleistungssport mit viel Wasseraufnahme bis zum frühen Morgen“

„Wenn Außenstehende fragen, was wir einmal im Monat machen, beschreibe ich das Ganze immer als Hochleistungssport mit viel Wasseraufnahme bis zum frühen Morgen“, sagt Thorsten Bücker schmunzelnd. Die Wichtigkeit der Spielgemeinschaft verdeutlicht er so: „Als vor Jahren mal ein Hauskauf in Lengerich zur Diskussion stand, schied die Immobilie schnell aus. Einfach zu weite Wege für unsere Runde!“

Heute erstrecken sich die Distanzen des Skatclubs auf Bissendorf, Jeggen, Gretesch und Darum – gute Voraussetzungen also um in Kontakt zu bleiben. Lediglich zu Zeiten von Ausbildung und Studium gab es einmal eine etwas längere Unterbrechung.

Wie sich die Zeiten seit der Gründung gewandelt haben, verrät auch ein Vierteljahrhundert altes Foto im einst gängigen 9-x-13-Format. Neben dem ersten Outfit (schwarze Mützen und weiße Shirts mit Aufdruck der Spielstätten: „Ludger´s Hall, Fischer Stadion, Capitol Haggy und Thorstens Field“ und Auszügen aus einem Werner-Comic) tragen alle Skatbrüder einen Oberlippenbart.

Leidenschaft für aufwendige Reisen und rauchigen Whisky

Quarzten sich die Freunde früher gnadenlos die Wohnstube zu, macht heute von Zeit zu Zeit lediglich ein Gläschen rauchiger Single Malt Whisky die Runde. Auf den Geschmack kam die eingespielte Runde bei alle paar Jahre geplanten, aufwendigen Fahrten. Aus der Gemeinschaftskasse finanziert, pilgerten sie schon mehrfach in Schottland und Nord-Irland von Pub zu Pub oder von Destille zu Destille.

In besonderer Erinnerung blieb dabei ein lediglich auf eine Bierlänge geplanter Besuch der urigen Wohnzimmerbar von Joe Brandie am Fiddich, Craigellachie, der dann doch etwas ausuferte. „Unser nächstes Ziel zum 40-jährigen Bestehen könnte noch einmal der 370 Kilometer lange Shannon werden. 2004 sind wir ihn flussaufwärts geschippert – warum nicht einmal andersherum?“, betont Michael Korth.

Kurz darauf hebt das reizende Quartett die ersten fünf Karten auf. Angestoßen mit dem gälischen Trinkspruch „Slàinte mhath!“ (gute Gesundheit) beginnt ein weiterer, geselliger Skatabend mit Kistenbier, Knabbereien, klaren Ansagen, aufgestütztem Kinn und nervösem Fußgetrippel.


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