Gutachter rät von Kreisel ab "Punktuelle Maßnahmen" sollen Schledehausener Kreuzung entschärfen

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Nach Anwohnerbeschwerden soll die Kreuzung Bergstraße/Große Straße sicherer werden. Unser Bild zeigt den Fußgängerüberweg, der schlecht zu sehen ist, weil Schilder und Laterne zum Teil von Bäumen und Büschen verdeckt sind. Foto: Jörn MartensNach Anwohnerbeschwerden soll die Kreuzung Bergstraße/Große Straße sicherer werden. Unser Bild zeigt den Fußgängerüberweg, der schlecht zu sehen ist, weil Schilder und Laterne zum Teil von Bäumen und Büschen verdeckt sind. Foto: Jörn Martens

Bissendorf. Anlieger empfinden die Kreuzung im Schledehausener Ortskern als Gefahrenpunkt - doch eine Verkehrsuntersuchung kommt jetzt zu dem Schluss, der Knotenpunkt sei allenfalls "schwach belastet". Zur Verbesserung der Sicherheit genügen demnach "punktuelle Maßnahmen". Geschätzter Kostenpunkt: 30.000 Euro.

Als Reaktion auf Beschwerden von Anliegern hatte die Gemeinde Bissendorf eine Verkehrsuntersuchung der zentralen Kreuzung von Großer Straße, Bergstraße und Wulftener Straße in Schledehausen in Auftrag gegeben. Im Verkehrs- und Gewässerausschuss präsentierte Manfred Ramm von der Ingenieurplanung Wallenhorst (IPW) seine Erkenntnisse und Empfehlungen.

Die Kreuzung Bergstraße/Große Straße soll sicherer werden - hier der Verkehrsspiegel an der Einmündung der Großen Straße. Foto: Jörn Martens


Drei Gefahrenquellen

Der Verkehrsplaner machte dabei drei Gefahrenquellen aus: 

  • Der Fußgängerüberweg südlich der Kreuzung sei schlecht zu erkennen, weil Beschilderung und Beleuchtung zum Teil von Bäumen oder Büschen verdeckt seien. "Wer nicht besonders aufmerksam fährt, kann kaum erkennen, dass dort ein Zebrastreifen ist", sagte er; darin liege ein "großes Gefahrenpotenzial". Die verblasste Markierung, die ebenfalls kritisiert worden war, sei zwischenzeitlich allerdings erneuert worden. 
  • Der Verkehrsspiegel an der Ecke Bergstraße/Große Straße sei zu klein und kaum erkennbar . Der Spiegel soll Fahrern, die von Westen in die Kreuzung einfahren, helfen, die von Norden aus der schwer einsehbaren Wulftener Straße kommenden vorfahrtsberechtigten Fahrzeuge frühzeitig zu erkennen – gerade bei Regen oder Frost sei dies nahezu unmöglich.
  • Die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h werde nicht deutlich genug ausgewiesen. Als Beispiel führte Ramm das entsprechende Verkehrsschild an der Wulftener Straße an, das viel zu klein und unauffällig platziert sei.Zu schnell fahren viele Autos über die Kreuzung. Ein größeres Tempo-30-Schild könnte laut Gutachter Abhilfe schaffen. Foto: Jörn Martens


Während Ramm damit einige Punkte aufgriff, die auch die Anlieger bemängelt hatten, kam er in Bezug auf Verkehrssicherheit zu einer anderen Einschätzung. Denn trotz der genannten Mängel seien an der Kreuzung in den vergangenen drei Jahren lediglich zwei Unfälle mit jeweils einem Leichtverletzten registriert worden – insgesamt sei deshalb "keine Auffälligkeit" zu beobachten. Anwohner hingegen hatten berichtet, es komme an der Kreuzung immer wieder zu „Beinah-Geschichten“ und folgenschweren Unfällen.

Zebrastreifen nur schwach genutzt

Eine Verkehrszählung habe zudem ergeben, dass es sich angesichts von durchschnittlich 6950 Kraftfahrzeugen pro Tag um einen "insgesamt schwach belasteten Knotenpunkt" handle. Auch diagnostizierte Ramm ein "relativ geringes Fußgänger- und Radverkehrsaufkommen"; insbesondere der Zebrastreifen werde wenig genutzt: Innerhalb von neun Stunden hätten diesen gerade einmal 62 Radfahrer und Fußgänger genutzt, davon alleine elf in der morgendlichen Spitzenstunde. In der Leistungsfähigkeit der Kreuzung sehe er deshalb "keine Defizite", auch gebe es "keine nachgewiesenen Sicherheitsdefizite".

Kein Kreisel, keine Ampel?

Auf dieser Grundlage spielte Ramm verschiedene Varianten zur Verbesserung der Verkehrssicherheit durch, darunter Kreisverkehre in mehreren Größen und eine Lichtsignalanlage, die er aufgrund der Weitläufigkeit der Kreuzung allerdings "eindeutig" ablehnte. Unter Kosten- und Sicherheitsgesichtspunkten empfahl der Verkehrsplaner letztlich die sogenannte "Variante 0+", die lediglich "punktuelle Maßnahmen" vorsieht:

  • Auf der Westseite des Zebrastreifens solle demnach der Busch- und Baumbewuchs deutlich reduziert werden, außerdem müsse die Beleuchtung an dieser Stelle DIN-gerecht installiert werden.
  • Der Verkehrsspiegel solle durch ein größeres, idealerweise beheizbares Modell ersetzt werden, das auch bei schlechten Witterungsbedingungen eine Einsicht in die Wulftener Straße ermögliche.
  • An der Wulftener Straße solle größeres, eventuell beleuchtetes Tempo-30-Schild aufgestellt werden, zudem könne ein Display mit einer Geschwindigkeitsanzeige die Autofahrer deutlicher auf das Tempolimit hinweisen.
Zu klein ist der Verkehrsspiegel an der Kreuzung Bergstraße/Große Straße. Verkehrsplaner Manfred Ramm empfiehlt ein größeres, beheizbares Modell. Foto: Jörn Martens

Mit geschätzten Gesamtkosten von rund 30.000 Euro wäre Variante 0+ überdies die preiswerteste Lösung, argumentierte Ramm. 

Anwohner auf der Kreuzung

Vor gut einem Jahr hatten sich knapp 20 Anlieger und ein gutes Dutzend Kinder an der Kreuzung versammelt, um auf die Gefahren hinzuweisen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Bürgermeister Guido Halfter das Anliegen bereits im Verkehrs- und Gewässerausschuss platziert; im Frühjahr gab die Verwaltung schließlich die Verkehrsuntersuchung in Auftrag. Im nächsten Schritt dürfte die Verwaltung jetzt eine Beschlussvorlage erarbeiten, auf deren Grundlage die Umgestaltungen in Schledehausen dann politisch auf den Weg gebracht werden können.


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