Gerichtsstätte im Freien Heimat und Wanderverein Bissendorf weiht „Höltingsbänken“ ein

Von Johanna Kollorz

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Peter Spach, Uwe Bullerdiek, Manfred Staub, Jessica Niemann, Guido Halfter und Rainer Schnieders bei der Enthüllung der Infotafel mit einer Skizze des Osnabrücker Künstlers Reinhard Klink zur Zusammenkunft des Holzgerichts am Kurrel. Foto: Johanna KollorzPeter Spach, Uwe Bullerdiek, Manfred Staub, Jessica Niemann, Guido Halfter und Rainer Schnieders bei der Enthüllung der Infotafel mit einer Skizze des Osnabrücker Künstlers Reinhard Klink zur Zusammenkunft des Holzgerichts am Kurrel. Foto: Johanna Kollorz

Bissendorf. Samstagmorgen, Sonnenschein, eine kleine, erwartungsvolle Schar macht sich auf den Weg zu einer versteckt liegenden, waldumsäumten Anhöhe am Kurrel. Am Tag Michaelis lud der Heimat- und Wanderverein Bissendorf zur offiziellen Einweihung der „Höltingsbänken" – einer jetzt aufgearbeiteten mittelalterlichen Gerichtsstätte unter freiem Himmel.

Eingeladen zur kleinen Feierstunde in Nemden waren alle Unterstützer, Nachbarn und Interessierte lokaler Ortsgeschichte. Insgesamt 37 folgten dem Aufruf der Initiatoren – versammelten sich auf dem frisch mit Mutterboden, Split und zwei massiven Holzbänken hergerichteten Areal.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Peter Spach, 1. Vorsitzender des Heimat- und Wandervereins, übernahm Uwe Bullerdiek das Wort. Nicht ohne Stolz verwies der Schriftführer auf den Tag Michaelis – exakt den Tag, an dem hier im Mittelalter das Holzgericht der Holter Mark zusammenkam.

Uwe Bullerdiek zeichnete die Entwicklung des Projektes Aufarbeitung der Höltingsbänken nach - von der ersten E-Mail im Jahre 2008 bis zur aktuellen kleinen Feierstunde. Foto: Johanna Kollorz

Kultstätte am Kurrel aus Dornröschenschlaf erweckt

Um zu verdeutlichen, dass die Kultstätte am Kurrel vor ihrer Aufwertung beinah unauffindbar war, zitierte Bullerdiek die Nemdenerin Lisa Möller: „Da musste ich erst 90 Jahre alt werden um die Höltingsbänken kennen zu lernen“. Bullerdiek schilderte, wie 2012 auf einer Vorstandssitzung die Idee geboren wurde, den zwei Jahrhunderte dauernden Dornröschenschlaf der Gerichtsstätte unter freiem Himmel zu beenden.

„Man könnte etwas daraus machen“, hatte Vereinsurgestein Wilhelm Bruns bereits in einer ersten, Anfang 2008 verfassten Mail geschrieben. „Insgesamt 277 Posteingänge zum Projekt verzeichnet mein Ordner heute“, betonte Bullerdiek, der sich im Namen des gesamten Vorstands folglich bei einer ganzen Reihe von Projektbeteiligten bedankte.

Viele engagierte Projektbeteiligte

Allen voran bei Ingeborg und Wolfgang Giesker als Eigentümer und bei der Gemeinde Bissendorf. Auch Bernhard Henkelmann, Kaufmännischer Leiter der Firma Diekmann Bauen + Umwelt, welche die Aufbereitung mit Muskelkraft und Maschinen maßgeblich unterstützt hatte, sprach ein paar Worte.

Neben Materialspenden der Firma Sundermeyer und Mathias Ruhswinkel, wurden Ulrich Wienke, Geschäftsführer des Heimatbundes Osnabrücker Land, sowie Jürgen Krämer vom Verein Osnabrücker-Land Kultur, als Unterstützer genannt.

Dank galt auch der Büroagentur Ruthemann für das Design einer Infotafel, die vom Druckstübchen umgesetzt wurde. Im Zentrum der Schautafel, welche zum Ende der Feierstunde durch die Nemdenerin Jessica Niemann enthüllt wurde, steht eine comic-hafte Skizze des Osnabrücker Künstlers Reinhard Klink zu den damaligen Begebenheiten.

Eines von zwei neu installierten Hinweisschildern zum Auffinden der zuvor unauffindlichen mittelalterlichen Gerichtsstätte am Kurrel in Nemden.

Ausführliche geschichtliche Hintergründe zur Einweihung 

Manfred Staub und Rainer Schnieders lieferten den Anwesenden ausführliche geschichtliche Hintergründe zu der vermutlich im gesamten Osnabrücker Land so einmaligen Gerichtsstätte und ihren Teilnehmern. Ihre Ausführungen machten deutlich, dass der Name Holzgericht eigentlich zu kurz gegriffen ist, da neben der Nutzung von Bau- und Brennholz zum Beispiel auch Beanstandungen in der Viehhaltung und andere Frevel verhandelt wurden.

Da im Anschluss an dieses „Management des freien Raumes“ im Mittelalter zum Missfallen der Obrigkeit das örtlich gebraute Höltingsbier getrunken wurde, durften auch bei der aktuellen Zusammenkunft ein paar Kaltgetränke nicht fehlen.

Bürgermeister Guido Halfter lobte das große Engagement der Ehrenamtlichen. Er regte an, die „Höltingsbänken“ in Zukunft als Ort der Besinnung zu nutzen, eventuell sogar einen neuen Treffpunkt zum offenen, fairen Bürgeraustausch zu installieren. Mit Günter Buck hat sich bereits ein erster Anwohner bereiterklärt, ein paar Pflegemaßnahmen zu übernehmen.


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