Pläne im Ausschuss vorgestellt Bissendorf: Kita und Kreisel für Baugebiet Wissingen-Nord

Meine Nachrichten

Um das Thema Bissendorf Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Wissingen wächst: Der Bissendorfer Planungs- und Entwicklungsausschuss hat die Weichen für rund 140 neue Baugrundstücke gestellt. Hier, nordwestlich des Heidewegs, muss allerdings zunächst um die bestehende 220-kV-Leitung herumgebaut werden. Foto: Jörn MartensWissingen wächst: Der Bissendorfer Planungs- und Entwicklungsausschuss hat die Weichen für rund 140 neue Baugrundstücke gestellt. Hier, nordwestlich des Heidewegs, muss allerdings zunächst um die bestehende 220-kV-Leitung herumgebaut werden. Foto: Jörn Martens

Bissendorf. Das Baugebiet Wissingen-Nord nimmt Gestalt an - zumindest auf dem Papier. Im Bissendorfer Planungs- und Entwicklungsausschuss stellte die Niedersächsische Landesgesellschaft (NLG) als Projektentwicklerin nun erste sehr konkrete Entwürfe vor.

Knapp fünf Jahre, nachdem der Bissendorfer Gemeinderat das Bauleitverfahren eingeleitet hatte, bekamen die Ausschussmitglieder und -besucher damit erstmals einen Eindruck, wie das künftige Baugebiet aussehen könnte. Der Entwurf des Bebauungsplans Nr. 151 "Wissingen-Nord", den NLG-Projektplanerin Heike Rossmann an die Leinwand des Bürgersaals projizierte, zeigte alle geplanten Straßen und Grundstücke auf und lieferte detaillierte Informationen dazu, wo welche Art der Bebauung vorgesehen ist. 

Etwa 140 Baugrundstücke

Das Neubaugebiet wird sich demnach von Norden nahtlos an die bisherige Wissinger Wohnbebauung anschließen; zwischen der Bahnhofstraße im Osten und der Hochspannungsleitung im Nordwesten werden um die 140 Baugrundstücke entstehen. Als Haupterschließungsstraße - im Entwurf als "Planstraße A" verzeichnet - ist eine Querverbindung zwischen Bahnhofstraße und Turmstraße vorgesehen, von der zahlreiche Stich- und Ringstraßen abzweigen. Die Straße Heideeck, die das Gebiet in Nordsüdrichtung durchschneidet, soll künftig zu weiten Teilen nur noch als Fuß- und Radweg fungieren.

Der Spazierweg bleibt: Die Straße Heideeck ist im Bebauungsplan Wissingen-Nord größtenteils als Fuß- und Radweg vorgesehen. Foto: Jörn Martens

Kreisverkehr als Hauptzufahrt zum Baugebiet

Neu in die Planung aufgenommen wurde der Kreuzungsbereich Bahnhofstraße/Heimatweg/Krevinghauser Straße/Zum Hünengrab: Hier soll im ersten Schritt ein Kreisverkehr entstehen, von dem dann auch die neue "Planstraße A" Richtung Westen abzweigt. Die Schelenburger Straße soll in diesen ohnehin schon fünfarmigen Kreisel nicht einmünden; sie wird leicht verschwenkt und kurz hinter dem Kreisel auf die Krevinghauser Straße geführt. 

Aus der Kreuzung soll ein Kreisel werden: Hier, wo die Bahnhofstraße in die Krevinghauser Straße übergeht, soll die Hauptzufahrt zum neuen Baugebiet Wissingen-Nord entstehen. Foto: Jörn Martens

Dieser Kreisverkehr ist damit gewissermaßen die Hauptzufahrt zum neuen Wohngebiet - während der Bauphase auch für sämtliche Baufahrzeuge. Zugleich dient er Rossmann zufolge der Verbesserung der Verkehrssicherheit sowie der Geschwindigkeits- und Lärmreduzierung.

An der Bahnhofstraße/Krevinghauser Straße soll ein Kreisverkehr entstehen, von dem die Hauptzufahrt ins Wohngebiet abzweigt. Grafik: Gemeinde Wallenhorst/Ingenieurplanung Wallenhorst

Umzugshilfe für Rauchschwalben

Die seit einigen Jahren leerstehende Hofstelle, die am Heideeck inmitten des Plangebiets liegt, soll mitsamt aller Nebengebäude abgerissen werden. Die Bäume vor dem Hof hingegen genießen Bestandsschutz; sie werden in eine öffentliche Grünfläche integriert, die über die künftig zum Fuß- und Radweg herabgestufte Straße erreicht werden kann. Auch die letzten verbliebenen Bewohner der Hofstelle werden in den Planungen bedacht: Die dort lebenden Rauchschwalben sollen mittels künstlicher Nisthilfen umgesiedelt werden, unmittelbar vor dem Abriss muss zudem ein Fledermausgutachter anrücken. Laut NLG-Planerin Rossmann sind damit alle artenschutzrechtlichen Vorgaben erfüllt.

Bestandsschutz: Die Baumgruppe am Heideeck darf stehen bleiben - im Gegensatz zur leerstehenden Hofstelle, die abgerissen wird. Foto: Jörn Martens

Platz auch für Mehrfamilienhäuser

Konkrete Vorgaben macht der Bebauungsplan auch zur Wohnbebauung. Demnach ist die gesamte Fläche als "allgemeines Wohngebiet", im Plan "WA" abgekürzt, vorgesehen; allerdings gibt es drei Abstufungen. Der Streifen, der sich an die bestehende Bebauung am Heideweg anschließt, ist als WA1 ausgewiesen; die Häuser hier müssen sich an der Altbebauung orientieren und dürfen nur eingeschossig sein. Der Großteil der übrigen Fläche firmiert als "WA2"; hier darf zweigeschossig mit maximal zwei Wohneinheiten gebaut werden - dieser Bereich entspricht also dem klassischen Neubaugebiet. Während in WA1 und WA2 nur Einzel- und Doppelhäuser entstehen dürfen, liegen östlich des Heideecks vier als WA3 ausgewiesene Gebiete, in denen Mehrfamilienhäuser gebaut werden sollen. Diese müssen zweigeschossig sein und dürfen maximal acht Wohneinheiten umfassen.

Ein erster konkreter Plan: So soll das künftige Baugebiet Wissingen-Nord aussehen. Auffällig der neue Kreisverkehr im Osten und die ausgesparte Fläche entlang der 220-kV-Leitung im Norden. Grafik: Gemeinde Bissendorf/NLG

Zwei Krippengruppen mit insgesamt 30 Plätzen

In der nordöstlichen Ecke des Planungsbereichs ist zudem der Bau einer Kindertagesstätte vorgesehen, die die Nachfrage nach Betreuungsplätzen im neuen Wohngebiet decken soll. Für die Einrichtung zweier Krippengruppen mit insgesamt 30 Plätzen hat das Land Niedersachsen der Gemeinde Bissendorf bereits eine Förderung über 360.000 Euro zugesagt. Weil die Gemeinde diese Mittel ursprünglich für eine Außenstelle der Kita Schelenburg beantragt hatte, hatte das Kultusministerium kürzlich fälschlicherweise die Förderung dieser Einrichtung vermeldet - nach Auskunft der Gemeinde ist aber sichergestellt, dass das Geld in die Kita Wissingen-Nord fließt.

Wird Stromleitung eines Tages zurückgebaut?

Auffällig ist, dass das Plangebiet im Nordwesten schräg angeschnitten ist. Dies ist der bislang dort verlaufenden 220-kV-Leitung geschuldet, zu der gewisse Mindestabstände eingehalten werden müssen. Da diese aber perspektivisch durch eine neue 380-kV-Höchstspannungsleitung ersetzt werden soll, kann das Baugebiet Rossmann zufolge möglicherweise eines Tages nach Westen hin erweitert werden - der bereits genehmigte Flächennutzungsplan ist entsprechend weiter gefasst. Dass die künftige 380-kV-Leitung über das Baugebiet führt, hatte der Netzbetreiber Amprion im Frühjahr nach langen Vorbehalten ausgeschlossen. Ob stattdessen eine Erdverkabelung erfolgt oder eine Trasse mit größerem Abstand kommt, ist derzeit allerdings noch völlig offen.

Diskussion um die Entwässerung

Für Diskussionen sorgte im Ausschuss vor allem die Frage der Entwässerung. Hierfür sind zwei Regenrückhaltebecken unterhalb der Stromtrasse vorgesehen, die bei Bedarf über den Johannesbach entwässert werden sollen. Insbesondere die Grünen bezweifelten, dass dies ausreicht: Claus Kanke kritisierte vor allem, dass die zulässige Grundflächenzahl von 0,4 - also der Anteil des Grundstücks, der bebaut werden darf - um bis zu 25 Prozent überschritten werden dürfe. 

Diese erhöhte Flächenversiegelung habe zwangsläufig Auswirkungen auf die Entwässerung, warnte Kanke; zudem müsse sichergestellt sein, dass der Johannesbach gut genug gepflegt wird, um ausreichend Wasser ableiten zu können. Rückendeckung erhielt Kanke von Friedrich Ochterbeck (FDP), der ebenfalls eine enge Abstimmung mit dem Unterhaltungsverband 96 zur Pflege des Baches forderte. Nachdem Bürgermeister Guido Halfter entsprechende Gespräche zugesichert hatte, stimmte der Ausschuss schließlich einstimmig für die öffentliche Auslegung des Bebauungsplans. Bürger und Behörden haben damit erneut einen Monat Zeit, um Stellung zu beziehen, bevor der Plan endgültig in Kraft treten kann.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN