"50 Veganer könnten hier satt werden" "Spaßbauer" Gottfried Stollwerk sucht Nachfolger

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Spaßbauer Gottfried Stollwerk sucht Nachfolger für seinen Bauernhof in Bissendorf. Foto: Jana HenschenSpaßbauer Gottfried Stollwerk sucht Nachfolger für seinen Bauernhof in Bissendorf. Foto: Jana Henschen

Bissendorf. Der selbsterklärte "Spaßbauer" Gottfried Stollwerk sucht Nachfolger für seinen Hof und fünf Hektar Land im Bissendorfer Ortsteil Hiddinghausen. Am liebsten wünscht er sich eine Familie, die wie er biologische Landwirtschaft vor allem zur Selbstversorgung betreibt. Er selbst lässt seit einem Jahr den Acker verwildern und möchte lieber Fahrrad fahren.

Idyllisch liegt Gottfried Stollwerks Hof in Hiddinghausen - einem kleinen Ort in der Nähe von Schledehausen. Das Tor im Holzzaun steht offen, dahinter schlägelt sich ein schmaler Weg zum Hof. Am Wegesrand und im Garten ist das Gras noch kurz geschnitten. Neben dem Haus und hinten auf dem Acker reicht es schon bis zur Hüfte. Seit einem Jahr mag der Spaßbauer nicht mehr. "Ich möchte lieber Fahrrad fahren", sagt Stollwerk. Vor 25 Jahren kaufte der Bauernsohn aus Gronau nahe der niederländischen Grenze von seinem Erbe das fünf Hektar große Anwesen in dem kleinen Bissendorfer Ortsteil. Später kamen noch einmal fünf Hektar Wald hinzu.

Der Eingang zum Hof in Hiddinghausen. Vor einem Jahr war auch das Gras an der Seite mit der Sense kurz geschnitten. Foto: Jörn Martens

Landwirt ohne Maschinen

Er beackerte alles per Hand und ohne Maschinen, mähte das Gras mit der Sense, melkte Kühe mit der Hand und baute Gemüse an. "Der Hof ist eine Quelle für Nahrung, nicht für Geld", erklärt der 64-Jährige. In diesem Jahr hat er nur auf einem kleinen Acker von rund 25 Quadratmetern Kartoffeln und Bohnen ausgesät. "Die Kartoffeln reichen für mich ein ganzes Jahr", so der Spaßbauer. Entsprechend gebe es aktuell fast jeden Tag Eintopf mit Kartoffeln und Bohnen. "Manchmal auch zum Frühstück", lacht er. Weil er nicht mehr so viel anbaue, kaufe er ab und zu im Supermarkt ein. "Das ist wirklich praktisch und ich habe Respekt vor den Bauern, die konventionelle Landwirtschaft betreiben", sagt Stollwerk.

Trotzdem, er selbst könne sich nach wie vor nicht vorstellen, konventionell zu arbeiten. Die handarbeitende Landwirtschaft, die er jahrelang betrieben hat, sei ihm heute aber nicht mehr so wichtig. In anderen Aspekten ist Stollwerk konsequenter: Der Bissendorfer Kleinbauer verzichtet auf fließendes Wasser und eine Toilette. Das Wasser holt er stattdessen aus dem eigenen Brunnen. Seine Kleidung wasche er per Hand und trage daher hauptsächlich Sachen aus Hanf, weil die seltener gewaschen werden müssen. Ihm selbst ist bewusst, dass er ein auffälliger Typ ist. "Ich schrecke andere damit manchmal ab", resümiert er.

Nur noch ein kleines Feld von 25 Quadratmetern beackert er noch. Mit Händen gräbt er die Kartoffeln aus. Foto: Jörn Martens

Doch auf dem Bauernhof leben nicht alle so spartanisch wie Stollwerk. Kyra Sell wohnt mit ihrem Mann und ihrer sechs Monate alten Tochter in einer Wohnung auf dem Bauernhof. Anders als Stollwerk hat sie Internet und fließendes Wasser. Gleich trifft sie sich mit einer Yoga-Gruppe aus Osnabrück: Fünf Frauen mit Babys kommen vorbei. Sell möchte auf dem Hof bleiben und wünscht sich noch mehr Familien und mehr Kinder.

Der Weg vom Feld führt an einem Wohnwagen und der Scheune vorbei zum Haupthaus. Foto: Jörn Martens

Doch was kann sich der Hausherr vorstellen? "Ich wünsche mir Nachfolger, gerne eine Familie, die auf meinem Hof fünf Hektar Land fünf Hornkühe hält, mit Hand melkt, die Kühe streicheln will und Käse selbst macht", schwärmt er. Zusätzlich könnten Programme für Kinder veranstaltet werden, die die Natur kennen lernen wollen und sich fragen: Wo kommen die Nahrungsmittel her? Oder wie riecht eine Kuh? Die Arbeit auf dem Hof können sich seine drei Söhne aktuell nicht vorstellen, die alle einem Beruf nachgehen und in anderen Orten wohnen.

Auf dem Hof leben heute nur noch wenige Tiere: Ein Hahn, drei Hühner und eine Katze. Foto: Jörn Martens

Auch Kyra Sell will den Hof nicht übernehmen, aber sie findet eine andere Idee Stollwerks spannend. Der Spaßbauer könnte sich auch vorstellen, dass eine motivierte Gruppe Gemüseanbau betreibt. Die Menschen könnten in der Stadt wohnen und sich die Arbeit auf dem fünf Hektar großen Feld aufteilen. Den Aufwand schätzt er bei sich bei rund drei Stunden pro Tag ein. Mit Maschinen ginge es natürlich schneller. "50 Veganer könnten hier satt werden", meint Stollwerk.

Der Spaßbauer gräbt die Kartoffeln mit den Händen aus. Mit Maschinen ginge die Arbeit schneller, aber das möchte er nicht. Foto: Jörn Martens

Viele Ideen für den Hof

Neben diesen beiden Wünschen sind für ihn auch andere Möglichkeiten denkbar. Vor allem sucht er ambitionierte Nachfolger, die ein Konzept für den Hof und das Land haben und am besten biologischen Anbau betreiben. Auf der hügeligen Wiese könne auch Wein angebaut werden. Das Bauernhaus könne zu einem Mehrgenerationenhaus umgebaut werden oder in der Scheune ein Theatersaal entstehen. Stollwerk kann sich auch vorstellen, das Land brach liegen zu lassen. Denn seit vergangenem Herbst lässt er das ehemalige Ackerland verwildern. "Hier wachsen Eschen, Rosen, Erlen und Schwarzdorn", sagt er und zeigt auf das Feld. In zehn Jahren sei das ein Wald. Ideen hat Stollwerk viele, aber umsetzen sollen sie andere.

An der Scheune wachsen ein paar Weintrauben. Foto: Jörn Martens

Bekommt er Rente? "Als Spaßbauer bekomme ich natürlich keine Rente", sagt Stollwerk. Er besitzt ein Haus in Bad Essen, in dem sechs Parteien wohnen. Die Wohnungen müssen in Stand gehalten werden. Freude bringe ihm das Fahrradfahren. Dabei könne er gut abschalten.

Eine Entscheidung über die Zukunft des Hofes will Gottfried Stollwerk spätestens am 8. Februar treffen. Foto: Jörn Martens

Eine Entscheidung, was mit dem Hof und dem Land passieren soll, will er spätestens am 8. Februar treffen. An diesem Tag habe er immer überlegt, was er im Jahr einsäen und ernten will.


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