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Blaualgen und Brot-Fütterung als mögliche Ursache Vogel- und Fischsterben am Sonnensee in Bissendorf

Von Carolin Hlawatsch


Bissendorf. Zahlreiche kranke und verendete Vögel und Fische am Sonnensee in Bissendorf sorgten am Samstag für einen großen Einsatz der Wildtierhilfe Osnabrück. Was genau Auslöser des Tiersterbens ist, ist noch unklar. Als Grund vermutet wird eine Kombination aus Blaualgen und falscher Fütterung.

Ein Hinweis in der Facebook-Gruppe „Wildvogelhilfe-Notfälle“ auf ein womöglich krankes Blesshuhn und einige tote Fische führte Melissa Tomanek, Leiterin der Wildtierhilfe Osnabrück zusammen mit einem Kollegen am Samstagnachmittag, gegen 15 Uhr, zum Bissendorfer Sonnensee. „Kaum am Ufer angekommen, fanden wir schon die erste tote Nilgans und einen toten Fisch“, berichtet die Wildtierhelferin. Seit mehreren Jahren wird der Sonnensee als Brut- und Rastgebiet insbesondere von Kanada- und Nilgänsen regelrecht belagert. Der Gänsekot auf dem Seerundweg sorgte bereits für Ärger bei Anwohnern und Spaziergängern.

Wasser ist grün und trüb

Bei ihrem Rundgang um den See fanden die Wildtierhelfer zunächst zehn tote Tiere am Uferrand, sowie eine Ente, die so krank war, dass sie sich ohne zu wehren aufnehmen ließ. „Auffällig war auch, dass das Wasser sehr grün und trüb ist. Uns war klar, wir müssen handeln.“, sagt Melissa Tomanek. Mit einem Schlauchboot, das zur Ausrüstung der Wildtierhelfer gehört, setzten sie zur Insel auf dem See über. Dort zeigte sich ein noch größeres Ausmaß des Tierelends: 20 bis 30 verendete Vögel wurden dort gefunden und ein starker Verwesungsgeruch hätte in der Luft gelegen. Zwei Vögel konnten von der Insel gerettet und in Obhut genommen werden.

Tiere werden untersucht

Die zwei Tierfreunde riefen Hilfe. Die Feuerwehr, das Veterinäramt Landkreis Osnabrück, der Bauhof-Leiter, der Jagdpächter, sowie mehrere ehrenamtliche Helfer rückten an, um überlebende Tiere zu retten und tote einzusammeln. Die Wildtierhilfe und das Veterinäramt haben einige tote Tiere zur wissenschaftlichen Untersuchung an das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit nach Hannover geschickt. „Wir erwarten das Ergebnis in den nächsten Tagen“, so Melissa Tomanek, die auch auf der Facebookseite der Wildtierhilfe Osnabrück aktuell über die Entwicklungen berichten wird.

Brot verschmutzt den See

Als mögliche Ursache des Wildtiersterbens am Sonnensee vermuten die Helfer eine Entwicklung von Blaualgen, die sich aufgrund der extremen Sonneneinstrahlung in diesem Sommer im nicht all zu tiefen See bilden und giftig für die Tiere sind. Ein ähnliches Problem habe die derzeitige extreme Witterung bereits in den Rheinauen bei Bonn ausgelöst. „Hinzu kommt dann auch noch, dass viele Leute die Wasservögel mit Brot füttern. Damit tun sie den Tieren aber nichts Gutes. Im Gegenteil, das Brot im Wasser verschmutzt den See und lässt ihn umkippen. Bei den Vögeln führt es zu Botulismus, zu vergleichen mit einer Lebensmittelvergiftung beim Menschen“, so Melissa Tomanek.

Sieben Vögel konnten am Samstag zunächst gerettet werden. Drei von ihnen seien, laut Aussage der Wildtierhilfe inzwischen leider verstorben. Die anderen vier, eine Nilgans und drei Enten, werden aktuell von der Wildtierhilfe Osnabrück gepäppelt und sollen, wenn sie wieder gesund sind, ausgewildert werden.


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