Zeidlerei lässt den Völkern Zeit Schledehausenerin setzt auf wesensgemäße Bienenhaltung

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Bissendorf. Im Zuge des allgemeinen Insektensterbens beklagen auch Imker immer größere Verluste ihrer Bienenvölker. Im festen Vertrauen, dass ein Umdenken – ein Zurück zur Natur – Besserung bringen kann, hat sich die Schledehausenerin Christina Spiegel der wesensgemäßen Bienenhaltung verschrieben.

Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft, Monokultur, Klimawandel, die Dauerbehandlung mit chemischen Milbenbekämpfungsmitteln, der Einsatz gängiger Beutesysteme und das gezielte Eingreifen in die Gentechnik stellen heutige Imker vor neue Herausforderungen. Denn durch die Zucht hin zu Sanftmut und Honigertrag, zu Schwarmträgheit und Wabensitz wurde auch die Widerstandsfähigkeit der Bienen geschwächt. So war nach Expertenangaben bereits 2008 nur noch ein Zehntel der Menge an Varroamilben notwendig, um ein Bienenvolk zu töten, als noch zehn Jahre zuvor.

Wie im Mittelalter

Eine von vielen, die der Überzeugung ist, dass imkerliche Tätigkeiten aus diesen Gründen in einem neuen Licht betrachtet werden sollten, ist die Schledehausenerin Christina Spiegel. In Süddeutschland und im europäischen Ausland hält der von ihr praktizierte Trend der Zeidlerei (so wurde im Mittelalter das gewerbsmäßige Sammeln von Honig wilder oder halbwilder Bienenvölker bezeichnet) verstärkt Einzug. Und auch in Norddeutschland findet langsam aber sicher ein Umdenken statt.

„Es geht mir nicht darum mit erhobenem Zeigefinger umher zu rennen und anderen Imkern das Gefühl zu geben: Hey, Ihr macht da was falsch! Es geht vielmehr um ein Umdenken – ein Zurück zur Natur – ein stetes Beobachten und Handeln, das dem Wesen der Bienen entspricht, anstatt sich primär an den Bedürfnissen des Menschen zu orientierten“, so Spiegel.

Bienenbotschaft Karben

2017 hat Christina Spiegel aus diesem Antrieb heraus bei der Bienenbotschaft Karben das Handwerk der Zeidlerei erlernt. Zurzeit macht die 34-Jährige bei der Demeter Imkerin Barbara Leineweber einen Kurs in wesensgemäßer Bienenhaltung. Über ein vitales Netzwerk steht Christina Spiegel auch in Kontakt zu Torben Schiffer, Initiator des 2014 gegründeten, gemeinnützigen Vereins „Beenature – Save the Bees – Verein zur Rettung der Honigbienen“.

Auch der häufig befragte Bienenexperte erlernte das Handwerk des Imkern von seinem Großvater ganz konventionell: Mit Styroporbeuten, Absperrgittern und Ameisensäure-Behandlungen. Sein Biologie-Studium an der Universität Hamburg (2003–2008) ermöglichte dem Wissenschaftler jedoch relativ schnell, die etablierten und auch von ihm angewandten Handlungsweisen infrage zu stellen und über den Horizont der konventionellen Imkerei hinauszuschauen.

„Die Bienen müssen dabei in einem ganzheitlichen Fokus betrachtet werden, welcher nicht nur ihre 100 Millionen Jahre lange Evolution mit einschließt, sondern auch das Fachwissen der Evolutionstheorie (Survival of the fittest – Charles Darvin), genetische Aspekte und weitreichende ökologische Kenntnisse, sowie die Habitatforschung von Bienen und Bücherskorpionen mit berücksichtigt“, schreibt Schiffer in einer 2017 veröffentlichten Dissertation an der Universität Würzburg.

Verfechter alternativer Ansätze und Habitate sind sich sicher: Um den Bedürfnissen und Ansprüchen des gesamten Bienenvolkes als Organismus entgegenzukommen, sollte sich der Hauptgenpool der Honigbienen weiterhin in der Natur befinden. So schaffen etwa mit handgefertigten Spezialwerkzeugen aus Baumstämmen geschaffene Klotzbeuten nahezu perfekte Parameter hinsichtlich Wärmedämmung und Feuchtigkeitsverhältnissen und beugen so der Entstehung pathogener Keime (z. B. Schimmel) vor.

Gesundere Völker

Getreu dem Motto: „Frage nicht, was die Bienen für dich tun können, sondern frage dich, was du für deine Bienen tun kannst“, bringt Christina Spiegel die drei Kernaspekte wesensgemäßer Bienenhaltung auf den Punkt: „Eine Vermehrung der Völker sollte nur dann erfolgen, wenn sie schwärmen wollen. Dieser natürliche Reinigungsprozess unterbricht zwar die Brut der Königin und auch die Honigproduktion, sorgt aber für weitaus gesundere Völker. Statt mit Mittelwänden zu arbeiten sollten die Bienen zudem die Gelegenheit erhalten, eigene Waben zu errichten. Genauso wie die Möglichkeit, ihre Königin selbst zu erzeugen, statt eine künstliche, ortsfremde zuzusetzen“.

Klotzbeutenbau

Am 11. und 12. August ist die Schledehausenerin gemeinsam mit Demeter-Imkerin Sabine Bergmann („Sa bienen Imkerei“, Borchen Schloss Hamborn) an einem Stand auf der Landesgartenschau Bad Iburg im Charlottenseepark anzutreffen. „Wir stellen dort eine fertige und eine halbfertige Klotzbeute aus, die von den Kindern weiter bearbeitet werden kann und wollen über die Intention unseres Handwerks informieren“. Im März 2019 plant Sabine Bergmann darüber hinaus an der Waldorfschule in Evinghausen einen Workshop im Klotzbeutenbau mit entsprechendem Hintergrundwissen.


Die Honigbiene (Apis mellifera) kann nur im Verband existieren und überleben. Eine einzeln gehaltene Honigbiene wird trotz bester Haltung und Pflege schon nach kurzer Zeit sterben, denn sie benötigt den sozialen Kontakt mit ihren Artgenossen.

Honigbienenvölker sind in der Lage, als Volk mit rund 20000 Bienen zu überwintern. In dieser Zeit ernähren sie sich von den im Sommer angelegten Honigvorräten (oder von dem anstelle des durch den Imker entnommenen Honigs gefütterten Zuckerwasser). Die Königin bleibt in dieser so genannten Wintertraube stets in der warmen Mitte, denn die Bienen heizen mit ihrer Flugmuskulatur und bewahren das Volk vor dem Erfrieren. Im Frühjahr beginnt mit dem ersten Ausflug (ab zehn Grad Celsius) das Brutgeschäft. Die Königin legt wieder Eier, und zwar bis zu 2000 pro Tag. unentbehrlich. Zahlreiche Nutzpflanzen sind auf ihre Bestäubung angewiesen; der Honig selbst ist zwar ein leckeres, aber im Wert eigentlich unbedeutendes Beiprodukt ihrer Tätigkeit.

Quelle www.nabu.de

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