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Erfolgsgeschichte begann 2006 Ein ausverkauftes Haus: Im Technologie Centrum Bissendorf arbeiten mehr als 400 Menschen

Von Christoph Granieczny


Bissendorf. Sechs Unternehmen stehen auf der Warteliste des Technologie Centrums Bissendorf (TCB). „Sie würden einspringen, wenn Betriebe uns verlassen würden“, sagt Wiebke Hansen. Die Gebäudemanagerin denkt bei der Formulierung des nächsten Satzes etwas länger nach: „Für die Firmen sieht es aber schlecht aus.“ Vor sechs Jahren war die Situation eine völlig andere.

Der Erfolg der lukrativen Immobilie im Bissendorfer Gewerbepark an der Autobahn 30 ist mit dem Namen Waldemar Rokossa verbunden. Der Unternehmer spricht von einer „Vision, die ab 2006 Gestalt annahm“, von einer „tollen Unternehmensgeschichte“. Rokossa ist ein Mann, der brennt. Das mag etwas mit seiner Berufung zu tun haben. Er ist Geschäftsführer und Gesellschafter von Camina Feuerungssysteme, ein Betrieb, der Kamine verkauft – von Naturstein- bis zu Bioethanolkaminen. Zu seinem Unternehmensverbund gehören die Firmen Olsberg und Schmid, die Feuerungstechnik und Öfen produzieren. Als Rokossa sich vor sechs Jahren mit seinem Unternehmen im Gewerbepark niederließ, warb er auf einem großen Plakat mit dem Slogan „Das Feuer kommt nach Bissendorf“. Es hat einen Flächenbrand ausgelöst.

„Das ist aber ein ziemlich mutiger Schritt“, waren noch nett gemeinte Äußerungen, die Rokossa 2006 hörte, als er das frühere Matzner-Gebäude übernahm. Andere fragten kurzum: „Seid Ihr wahnsinnig?“ Denn der Unternehmer suchte eigentlich nur einen neuen Standort für die Technik, die Verwaltung und den Vertrieb seiner Unternehmensgruppe. Voraussetzung war eine gute logistische Lage mit Autobahnanschluss, vorzugsweise im Osnabrücker Land.

In den großzügigen Hallen, die zum Glaspalast gehören, hatte er eine Niederlassung gefunden, die seinen Kriterien entsprach. Das Problem, „der damalige Verkäufer wollte die Immobilie nicht filetieren“, erinnert sich Rokossa: „Dann haben wir einfach gesagt: Wir kaufen alles und gründen ein Technologie Centrum.“ Treibende Kraft sei Bürgermeister Guido Halfter gewesen. Er habe sich wie ein Hitzkopf gefühlt, sagt der heute: „Ich konnte ja viel erzählen, einen mutigen Unternehmer brauchte das Projekt.“

Grundfläche 40000 Quadratmeter, Bürofläche im TCB 6000 Quadratmeter, Ausstellungsflächen 2000 Quadratmeter, Kellerfläche 2000 Quadratmeter, 400 Parkplätze – die Zahlen können einen schon einschüchtern. Zumal, als Rokossa das Haus übernahm, hatte das Technologie Centrum gerade mal drei Mieter, einer von ihnen ist wenig später in die Insolvenz gegangen. „Wir standen vor vielen leeren und großen Räumen“, erinnert sich der Unternehmer. 46 Mieter hat das Haus heute, sie beschäftigen mehr als 400 Mitarbeiter. In dem riesigen Gebäude verlieren sie sich vielen Menschen dennoch. Unter den Betrieben sind viele Konstruktionsbüros, Software-Unternehmen, Architekten, Rechtsanwälte, der mobile Kaffee-Service „Coffee-Bike“ und viele mehr.

Was macht den Erfolg des TCB aus? Die Lage unweit der Autobahn, die kostenlose Nutzung von kleinen Konferenzräumen, das futuristische Gebäude, das zwar vor zehn Jahren errichtet wurde, dessen Technik aber immer noch auf dem neuesten Stand ist und die Nebenkosten niedrig hält – Erdwärme-Beheizung, Glasfaser-Verkabelung sowie Fußboden- und Deckenheizung. Aber es ist auch das Konzept, das Rokossa und sein Team seit sechs Jahren beharrlich verfolgen: Konkurrenzsituationen werden vermieden, der Gemeinschaftssinn gefördert.

Dieselbe Entwicklung wie das TCB hat auch die Firmengruppe Camina/ Schmid genommen. Als Rokossa nach Bissendorf kam, brachte er nicht nur das Feuer mit, sondern auch etwa 30 Angestellte, inzwischen sind es 120. Der Umsatz ist auf 25 Millionen Euro gestiegen.