Projekttag an der Oberschule Bissendorfer Fünftklässler lernen Judentum kennen

Von Johanna Kollorz

„Judentum begreifen“ lautete das Motto eines breitgefächerten Präventionsprojektes, das abermals unter Mitwirkung der Jüdisch-Christlichen Gesellschaft Osnabrück und unterstützt vom Förderverein an der Oberschule am Sonnensee stattfand. Foto: Johanna Kollorz„Judentum begreifen“ lautete das Motto eines breitgefächerten Präventionsprojektes, das abermals unter Mitwirkung der Jüdisch-Christlichen Gesellschaft Osnabrück und unterstützt vom Förderverein an der Oberschule am Sonnensee stattfand. Foto: Johanna Kollorz

Bissendorf Der fünfte Jahrgang der Oberschule am Sonnensee in Bissendorf kam diese Woche in den Genuss des Projekttages „Judentum begreifen“. Um Vorurteilen möglichst früh vorzubeugen, wurde den Schülern das Judentum einen Vormittag lang mit mehreren Modulen und allen Sinnen ein Stück weit nahegebracht.

Wie sich jüdisches Leben im Alltag ausdrückt, erlebten die drei fünften Klassen zu Beginn des Projekttags in einem Filmbeitrag im Active-Board-Raum. Anschließend besuchten die Schüler reihum verschiedene Workshops, die von Mitgliedern der Jüdisch-Christlichen Gesellschaft Osnabrück geleitet wurden.

Hebräische Schrift, jüdische Feste und koschere Leckereien

Alexander Ginsburg führte die Mädchen und Jungen an die 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets heran. Mithilfe von Schablonen versuchten sie ihre eigenen Namen zu schreiben, die später einlaminiert wurden. Für sie ungewohnt arbeiteten sie sich von rechts nach links vor, so wurde zum Beispiel aus Anton (10) plötzlich „Notna“.

Alexander Ginsburg führte die Mädchen und Jungen an die 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets heran. Mithilfe von Schablonen versuchten sie, ihre eigenen Namen zu schreiben, die später einlaminiert wurden. Für sie ungewohnt arbeiteten sie sich von rechts nach links vor, so wurde zum Beispiel aus Anton (10) „Notna“.

Im nächsten Klassenraum bastelten die Schüler Masken aus Tortentellern mit Stock. Passend zum Brauch, der in der jüdischen Gemeinde jedes Jahr im März das couragierte Handeln der Persischen Königin Ester lebendig hält, las Aloys Lögering die Purim-Geschichte vor.

Helena Brox berichtete den Fünftklässlern von einem weiteren, wichtigen jüdischen Fest: dem Lichterfest Chanukka, von der überlieferten Suche nach reinem, koscheren Öl zur Tempelweihe im Monat „Kislev“ und von bis heute beliebten fettreichen Speisen wie Kartoffelpuffern und Krapfen.

„Im Islam haben wir auch einen anderen Kalender“, entfuhr es einer Schülerin spontan. Anschließend drehte die Gruppe den Dreidel – einen kleinen, hölzernen Kreisel, mit dessen Hilfe jüdische Kinder früher das für sie verbotene hebräische Alphabet erlernten.

Aus der Schulküche waberte derweil ein verführerischer süßer Duft. Gemeinsam mit Inessa Goldman stellten die Gruppen hier verschiedene jüdische Leckereien her um diese später zu verzehren: Darunter „Schokowurst“ mit Keksen, Nüssen und Kakaopulver, „Schokopralinen“ mit Datteln, Rosinen und Pflaumen und „Schokokugeln“ aus Paniermehl zum Pessach-Fest – dem Auszug aus Ägypten. „Die mit Marmelade gefüllten Hamantaschen aus Blätterteig werden zum Purimfest gebacken und sind ein Symbol für die vollen Taschen des bösen Beraters des persischen Königs“, so Goldman.

Gegenstände jüdischer Glaubens- und Lebenskultur

In Raum A21 konnten die Schüler auf Tuchfühlung mit zahlreichen Gegenständen jüdischer Glaubens- und Lebenskultur gehen. Der achtarmige Chanukka-Leuchter befand sich ebenso unter den Ausstellungsstücken wie Thorarolle, Pergament, Kiddusch-Becher, Matzen (ungesäuertes Knäckebrot) und ein großes Schofarhorn.

Dass der Projekttag „Judentum begreifen“ an der Bissendorfer Oberschule Tradition hat, bestätigten die Schülerinnen Jil Strothmann und Melanie Hamm (16). Sie und andere Zehntklässler hatten das Projekt bereits als Fünftklässler erlebt und unterstützten die Erwachsenen bei der Durchführung der aktuellen Ausgabe.

Das Ziel: Frühe Prävention von Fremdenfeindlichkeit

„Wir machen das alles nicht, um in der Zeitung zu stehen. Uns geht es darum, die Schüler möglichst früh für ein Thema zu sensibilisieren, das in Zeiten der aktuellen Flüchtlingssituation wieder brandaktuell ist. Im Kern geht es um Prävention – darum aufzuzeigen, dass Andersartigkeit nicht negativ besetzt ist“, schilderte Konrektorin Anke Schröder.

Dieser Intention schloss sich Rolf Schwager, 1. Vorsitzender des Fördervereins der Oberschule am Sonnensee, an: „Das wir das Projekt von Anfang an finanziell unterstützt haben, hat einen einfachen Grund: Weniger Angst bedeutet weniger Wut und weniger Wut bedeutet weniger Gewalt. In Zeiten von zunehmender Fremdenfeindlichkeit und wachsendem Antisemitismus hoffen wir, diese Spirale früh durchbrechen zu können und würden uns langfristig auch einen ähnlichen Projekttag für Muslime wünschen“.


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