Blüte hatte es 2018 schwer Bissendorfer Landwirt: Raps auf dem Feld verhungert

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Bissendorf. Ein äußerst regnerischer Herbst, dann ein kalter Winter und ein heißer Frühling. Das Wetter bereitet der Rapsblüte Probleme, vielerorts fallen die Ernten mager aus. Warum das so ist und wie es im Osnabrücker Land aussieht, erklärt der Bissendorfer Landwirt Hermann Wesseler.

Es steht schlecht um die gelben Felder, die in den Frühlingsmonaten den Wegesrand schmücken. Das unbeständige, wechselhafte und zum ein oder anderen Extrem neigende Wetter macht der Rapsblüte zu schaffen. Die Pflanze wächst in diesem Jahr nicht so, wie es sich viele Landwirte erhofft haben. „Das haben wir in dieser Form noch nie zuvor gehabt“, sagt Hermann Wesseler. Er ist Landwirt und Vorsitzender des Bissendorfer Bauernverbandes und diagnostiziert: „Der Raps ist im Grunde auf dem Feld verhungert.“

Keine Nährstoffe

Wesseler erklärt die Schwierigkeiten des Rapsanbaus in dieser Saison folgendermaßen: Da der letzte Herbst sehr regnerisch war, waren die Oberflächen der Rapsfelder sehr feucht. Normalerweise schlägt Raps tiefe Wurzeln, um Nährstoffe aufzusaugen. Da die Oberflächen der Felder aber so feucht waren, habe der Raps dieses Jahr flache Wurzeln gebildet. Nährstoffe gab es dort zunächst schließlich ausreichend. Ungünstig war dann allerdings die frühe Wärme und damit verbundene Trockenheit im April: An den nun trockenen Oberflächen gab es für die Pflanze keine Nährstoffe mehr zu holen, also ging sie ein. Besonders sei dieser Trend in den neuen Bundesländern zu beobachten gewesen.

Kaum Totalausfälle im Osnabrücker Land

Im Osnabrücker Land sei es zu nicht ganz so gravierenden Schäden gekommen. Im Bissendorfer Raum sei zwar die ein oder andere Fläche betroffen gewesen, jedoch habe es „keine Totalausfälle“ gegeben. Probleme habe es hingegen in Glandorf und Bad Laer gegeben. Insbesondere, weil dort leichte, sandige Böden vorherrschen, die nicht sehr nährstoffreich sind. Raps benötige im besten Fall schwere Böden, zum Beispiel lehmhaltige, in denen mehr Nährstoffe verfügbar sind. Erschwerend hinzu kam laut Wesseler, dass dieses Jahr die Population der Rapsglanzkäfer sehr hoch ist. Die Käfer haben sich bereits auf die Pflanze gestürzt, ehe sie in die Blüte kam und sie so zerstört.

Folgeprobleme

Dass der Raps so flache Wurzeln geschlagen hat, birgt auch ein Folgeproblem. Wesseler erklärt, dass viele Landwirte die Pflanze anbauen, weil die tiefen Wurzeln den Boden auflockern und ihn damit fruchtbar für die folgende Saat anderer Getreide- und Pflanzenarten machen. Jetzt müssen die Landwirte ihre Äcker tiefer grubbern und intensiver nachbereiten als üblich, um die Arbeit der Wurzelwerke auszugleichen. Auf manchen Feldern sei der Raps allerdings schon so früh kaputt gegangen, dass es noch möglich gewesen sei, Folgefrüchte zu säen. Dass es Ende Mai so wenig Raps zu sehen gebe, sei aber auch saisonal bedingt, denn grundsätzlich sei die Pflanze zu dieser Zeit ohnehin verblüht.

„Es ist eine recht simple Erklärung für einen großen Schaden“, sagt Hermann Wesseler abschließend. „Es lag am Wetter. Kein Mensch hat Schuld daran.“ Dann hält er kurz inne. „Oder gerade wir alle haben Schuld daran.“


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