Bestehensfeier am 27. Mai Bürgerinitiative „Schönes Natbergen“ kämpft seit 2008 gegen Gewerbegebiet


Bissendorf. Ein „Jubiläum, bei dem es nichts zu jubeln gibt“: Seit zehn Jahren versucht die Bürgerinitiative „Schönes Natbergen“, ein Gewerbegebiet zu verhindern, das die politischen Gremien der Gemeinde längst beschlossen haben. Ein Ortsbesuch.

Gemächlich grast ein gutes Dutzend Kühe auf dem sattgrünen Hang unterhalb des Waldrands, von den vereinzelt vorbeirauschenden Autos lassen sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Die Mittagssonne lässt die Luft über dem Asphalt wabern, der leichte Wind wirbelt Staub vom Acker auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf. „Schön hier“, steht auf einer großen Plakatwand auf der Weide, aber an diesem warmen Frühlingstag hätte es dafür keines Hinweises bedurft.

Ein weite Schneise, links und rechts Wald

Würden die Kühe ostwärts über die Straße schauen, blickten sie ins Natberger Feld. Eine weite Schneise in Blickrichtung des Bissendorfer Ortskerns, links und rechts Wald, zwischen den Wiesen und Äckern kleine Bäche. Eine Frischluftschneise für die Stadt Osnabrück und unerlässlich für den Hochwasserschutz in den Haseauen, sagt Günter Korte, Sprecher der Bürgerinitiative „Schönes Natbergen“, die das große Plakat aufgehängt hat. Eine ideale Fläche für eine Gewerbeansiedlung, sagt die Gemeindeverwaltung.

68 Prozent der Bürger wollen das Gewerbegebiet

Denn nicht weit entfernt liegt die Auffahrt zur Autobahn 30, an der sich bereits drei Betriebe angesiedelt haben; weitere Gewerbeflächen kann die Gemeinde Bissendorf derzeit nicht bieten. Für Bürgermeister Guido Halfter ist die Erschließung des Natberger Feldes deshalb der logische nächste Schritt, zumal die politischen Gremien längst zugestimmt haben – wenn auch nicht einstimmig. Halfter verweist dazu gern auf eine Bürgerbefragung im Jahr 2013, bei der sich 68 Prozent der Bissendorfer für das Gewerbegebiet ausgesprochen hatten.

Das sei wenig überraschend, kontern Korte und seine Mitstreiter heute, schließlich wäre ja auch der Großteil der Bürger nicht von dem Projekt betroffen. Im Wahlbezirk Natbergen-Süd, dort, wo das Gewerbegebiet entstehen soll, habe die Ablehnung dagegen bei 68 Prozent gelegen, rufen sie in Erinnerung.

„Alle rechtlichen Mittel ausschöpfen“

Ratsbeschluss hin oder her, die Bürgerinitiative will das Vorhaben weiterhin verhindern. „Wir werden alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, bis zum obersten Gericht“, sagt Korte – als Vertreter der Grünen selbst Ratsmitglied. Denn die Probleme, auf die die Initiative seit Jahren hinweise, bestünden nach wie vor, ja seien sogar aktueller geworden, gerade beim Thema Wasser, argumentiert Korte. Die Gemeinde Bissendorf habe gerade erst mit finanziellen Mitteln des Landes ihren Hochwasserschutz ausgebaut, sagt er, und nun sollten an anderer Stelle „riesige Flächen“ versiegelt werden? Für Korte passt das nicht zusammen. Er, von Anfang an Sprecher der Bürgerinitiative, sagt, er sei froh, dass er nicht direkt am Natberger Feld wohne – sonst hätten ihm seine Gegner vermutlich vorgeworfen, er sei nur aus persönlicher Betroffenheit gegen das Vorhaben. Wenn nun aber regelmäßig die Hase über die Ufer träte, wäre er sehr wohl betroffen: Von seiner Terrasse sind es keine 250 Meter bis zum schmalen Flusslauf.

Nicht ziel- und bedarfsgerecht?

Und Korte erinnert an die Einwände, die die Stadt Osnabrück 2011 gegen ein Gewerbegebiet im Natberger Feld vorgebracht hatte. Sie warnte seinerzeit davor, dass die über die Haseauen nach Osnabrück einströmende Frischluft durch den Bau eines Gewerbegebiets „theoretisch“ um 14 bis 45 Prozent reduziert werden könnte. Mehr noch, in ihrer Stellungnahme schrieb die Stadt außerdem: „Unter landes- und regionalplanerischen Aspekten erscheint die vorliegende Planung der Gemeinde Bissendorf weder ziel- noch bedarfsgerecht.“

Die Firmen abgeschreckt?

Tatsächlich hat der ursprüngliche Interessent, die Spedition Koch, längst eine andere Fläche gefunden. Auch die Firma Solarlux, die später einmal im Gespräch war, hat sich inzwischen in Melle angesiedelt. Die Bürgerinitiative mutmaßt, das Natberger Feld sei für Investoren womöglich doch nicht so interessant. Der Bürgermeister mutmaßt, die Bürgerinitiative habe die Firmen abgeschreckt. „Als Unternehmer gehe ich doch lieber dahin, wo mich die Menschen mit offenen Armen empfangen“, sagt Halfter; dem Wegzug von Solarlux trauere er immer noch hinterher. Aufs Natberger Feld müssten ja keine „Riesenbetriebe“ ziehen, sagt er, denkbar sei auch ein Branchenmix. Jedenfalls bekomme er immer wieder Anfragen, sowohl aus der Gemeinde als auch von außerhalb. Halfter verweist auf den genehmigten Flächennutzungsplan und betont, dass nur noch einige Grundstücksfragen zu klären seien, bevor die Erschließung des Natberger Feldes beginnen könne.

Rückblick auf „zehn bewegte Jahre“

Das weiß natürlich auch Korte, deshalb gebe es bei diesem Jubiläum schließlich auch nichts zu jubeln, sagt er. Nichtsdestotrotz will die Bürgerinitiative an diesem Sonntag, 27. Mai, von 14 bis 18 Uhr auf „zehn bewegte Jahre zurückblicken“, wie sie in ihrer Einladung schreibt. Direkt am Waldrand oberhalb von Kuhweide und Plakat will die Initiative zusammenkommen mit den Bürgern und ihre Geschichte erzählen – den Blick ostwärts über das noch freie Natberger Feld.


Zehn Jahre Bürgerinitiative „Schönes Natbergen“

Am Sonntag, 27. Mai, von 14 bis 18 Uhr lädt die Bürgerinitiative (BI) „Schönes Natbergen“ ans Natberger Feld ein. An der Straße „Zum Steinbruch“ wollen die Mitglieder „mit Wort und Bild, bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen, Musik und Spiel“ ihre Geschichte erzählen, heißt es in der Einladung der BI. Zu sehen sein wird unter anderem eine Ausstellung der Plakate, mit denen die BI in der Vergangenheit gegen das geplante Gewerbegebiet Stellung bezogen hat. Geplant sind außerdem Kutsch- und Treckerfahrten, Spiel und Spaß für Kinder, Livemusik sowie eine Bauernhofbesichtigung. Speisen und Getränke werden zum Selbstkostenpreis angeboten, wie die BI mitteilt. Weitere Informationen gibt es unter www.schoenesnatbergen.de.

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