Bissendorfer Firma stellt sich neu auf Wie Osnatech mit Infrarotheizungen den Markt erobern will

Von Constantin Binder


Bissendorf. Die Bissendorfer Firma Osnatherm stellt sich neu auf. Mit der Umbenennung in Osnatech und der Einführung neuer Markennamen will der Hersteller von Infrarotheizsystemen seine Vision besser auf dem Markt platzieren: CO2-neutral zu bauen und zu wohnen.

Unsere Vision und Mission ist das CO2-neutrale Bauen und Wohnen“, erläutert Geschäftsführer Bene Nintemann im Firmensitz im Bissendorfer Gewerbepark. Hierfür sei einerseits der Einsatz „innovativer Verbraucher“ nötig, andererseits eine ökologische Energieerzeugung.

Mit Ersterem haben Nintemann und seine Mitarbeiter knapp acht Jahre Erfahrung: Im November 2015 übernahm Nintemann ein Unternehmen, das sich bereits fünf Jahre lang mit Infrarottechnologie beschäftigt hatte, und gründete daraus die Firma Osnatherm. Diese entwickelte strombetriebene Flächenheizungen, die wenige Millimeter dick sind und gleichmäßige Infrarotwärme abgeben – entweder im 230-Volt-Bereich als Fußboden-, Wand- oder Deckenheizung oder, nochmals sparsamer, im 24-Volt-Niederspannungsbereich als Fußbodenheizung.

Heizen mit Nanotechnologie

Herz der Infrarotheizungen sind sogenannte Kohlenstoff-Nano-Röhren (Carbon Nano Tubes, kurz CNT), die elektrische Energie über 40 Prozent effizienter in Wärme umwandelten als gewöhnliche Heizkörper, wie Nintemann erklärt. Da Infrarotheizungen zudem ohne fossile Energie und damit ohne Heizkessel und Schornstein auskämen, dürfte der Bau eines durchschnittlichen Einfamilienhauses etwa 10000 Euro günstiger werden, schätzt Nintemann.

Flexible Solarmodule

Wirklich klimaneutral sei eine Infrarotheizung allerdings nur, wenn sie mit Ökostrom betrieben werde, hebt Vertriebsleiter Gregor Szychlinski hervor. Deshalb habe sich Osnatherm im vergangenen Jahr unter dem Markennamen Osnasolar zusätzlich auf die Entwicklung und Produktion flexibler Solarmodule spezialisiert. Diese ermöglichten aufgrund ihres geringen Gewichts die „Umgehung jeglicher Statikprobleme“, schwärmt Szychlinski, zudem ließen sich die sogenannten Flexmodule „auf jegliche Form“ bringen.

Drittes Geschäftsfeld ist die energieeffiziente LED-Beleuchtung, wie Nintemann ausführt: Die Marke Osnalight entstand demnach durch die Übernahme der LED-Lichtsparte der Firma Hagenuk, deren Mitgründer und Vorstandsmitglied er war. Aus der Hagenuk würden nun die Osnalight-Produkte entwickelt, vor allem Büro- und Hallenbeleuchtungen für Gewerbekunden.

„Fast alles aus der Region“

Um Unternehmens- und Markennamen klarer zu trennen, hat Nintemann die Firma nun umbenannt. Seit Dienstag ist die frühere Osnatherm nun offiziell die Osnatech GmbH; Osnatherm, Osnalight und Osnasolar firmieren als Markenbezeichnungen für die einzelnen Geschäftsfelder. Das „Osna“ im Namen solle den regionalen Bezug ausdrücken, erklärt Nintemann: „Fast alles, was wir machen, ist im Umkreis von ein paar Kilometern gemacht.“ Die Glasfasermatten, die in der 230-Volt-Heizung verbaut werden, kommen aus Emsdetten, die CNT-Beschichtung wird in Herford hergestellt, die Metallrahmen für die Wandheizungen werden in Hilter gefertigt. Insgesamt habe Osnatech etwa 15 Zulieferer, davon ein Drittel im Ausland. Weil Produktion, Buchhaltung und zum Teil die Logistik ausgelagert sind, hat Osnatech gerade einmal neun Mitarbeiter: sechs im Büro im Bissendorfer Technologiezentrum und drei Handelsvertreter.

Fossile Brennstoffe in Zukunft verboten?

Für 2018 peilt Nintemann einen Umsatz „im niedrigen siebenstelligen Bereich“ an. Dabei setzt er auf einen wachsenden Markt: „Ich gehe davon aus, dass spätestens 2030 eine EU-Verordnung das Heizen mit fossilen Brennstoffen in Neubauten verbietet“, sagt er unter Verweis auf das Aus der klassischen Glühbirne. Spätestens dann müsse mit Ökostrom geheizt werden; hier sieht Nintemann das größte Potenzial der energieeffizienten Infrarottechnik.

„Andere Länder wie Dänemark oder die Niederlande sind uns da weit voraus“, sagt Nintemann, nicht ohne Grund seien die Niederlände gerade der größte Markt. Wegen der flachen Bauweise eigneten sich die Infrarotheizungen aber auch für viele weitere Einsatzbereiche: Ein Wohnmobilhersteller wolle sie in seinen Fahrzeugen verbauen, eine andere Firma statte derzeit mobile Hühnerställe mit den Heizmatten aus, erste Ferkelheizungen seien bereits im Einsatz.

„Gut für Allergiker“

„Auch für den Menschen haben Infrarotheizungen große Vorteile“, sagt Nintemann. Dadurch, dass sie nicht die Luft erwärmten, sondern nur die Materie – also die Menschen –, sei das Raumklima besser. Und Allergiker profitierten davon, dass – anders als bei Konvektionsheizungen – die Luft nicht zirkuliere, dementsprechend also weniger Staub aufgewirbelt würde, ergänzt Szychlinski. Nicht zuletzt seien Infrarotheizungen praktisch wartungsfrei und ließen sich deutlich schneller ansteuern als konventionelle Heizungen, bei denen erst Wasser erwärmt und verteilt werden müsse.