380-kV-Erdkabel in Bissendorf? Baugebiet Wissingen-Nord: Amprion gibt Vorbehalt auf

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Um diese Fläche geht es: Nördlich des Bissendorfer Ortsteils Wissingen soll ein Baugebiet entstehen. Die 220-kV-Leitung verläuft im Nordwesten diagonal durch das Gebiet. Karte: Gemeinde BissendorfUm diese Fläche geht es: Nördlich des Bissendorfer Ortsteils Wissingen soll ein Baugebiet entstehen. Die 220-kV-Leitung verläuft im Nordwesten diagonal durch das Gebiet. Karte: Gemeinde Bissendorf

Bissendorf. Wird die geplante 380-kV-Leitung in Bissendorf erdverkabelt? Netzbetreiber Amprion rückt jedenfalls vom Vorbehalt gegen das geplante Baugebiet Wissingen-Nord ab, durch das die Trasse führen sollte. Aus Sicht der Gemeinde kommt nun nur eine Erdverkabelung in Betracht.

Bissendorf. Im frühzeitigen Beteiligungsverfahren Ende 2017 hatte die Amprion der geplanten Änderung des Flächennutzungsplans für den Bereich Wissingen-Nord noch widersprochen. Der Netzbetreiber argumentierte, dass die Trasse der 220-kV-Leitung, die bereits jetzt das geplante Baugebiet tangiert, auch für die neue 380-kV-Leitung in Betracht komme – dann aber müssten Mindestabstände eingehalten werden, die eine Nutzung als Wohngebiet verhinderten.

Bestehende Leitung „nicht vorzugswürdig“

Diese Bedenken hat die Amprion inzwischen aufgegeben, wie die Bissendorfer Gemeindeverwaltung in der jüngsten Sitzung des Planungs- und Entwicklungsausschusses mitteilte. Demnach gab es zwischenzeitlich ein „Abstimmungsverfahren“ mit dem Amt für regionale Landesentwicklung, der Amprion, dem Landkreis Osnabrück und den beteiligten Planungsbüros, „um die Auswirkungen dieser Stellungnahme und die weitere Umsetzung innerhalb der Planverfahren abzustimmen“. Die Amprion selbst schreibt in der finalen Stellungnahme zur förmlichen Beteiligung der Träger öffentlicher Belange, sie habe zwischenzeitlich „weitere Untersuchungen“ zur Trassenführung der neu geplanten Leitung vorgenommen. „Im Zuge dessen wurde festgestellt, dass eine Planung im Trassenraum der bestehenden Leitung nicht vorzugswürdig und mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit realisiert werden wird“, heißt es; deshalb werde der Änderung des Flächennutzungsplans „grundsätzlich nicht mehr widersprochen“.

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„Vermeidbares Konfliktpotenzial“

Was aber geschieht, wenn, wie die Stellungnahme impliziert, die neue 380-kV-Leitung nicht entlang der bisherigen 220-kV-Leitung gebaut wird? Aus Sicht der Gemeinde komme dann „– wenn überhaupt – nur eine Erdverkabelung in Betracht“. Die Amprion selbst liefert keine konkreten Hinweise; faktisch bestünde aber auch die Möglichkeit, eine neue Freileitung um das Baugebiet herumzuführen. Dazu schreibt der Netzbetreiber aber lediglich andeutungsweise: „Dennoch möchten wir ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Ausweisung einer Wohnbaufläche im Nahbereich einer Höchstspannungsfreileitung ein vermeidbares Konfliktpotenzial darstellt. Vor diesem Hintergrund ist generell anzuregen, die geplante Ausweisung eines allgemeinen Wohngebietes im direkten Umfeld unserer Höchstspannungsfreileitung auf Modifizierungsmöglichkeiten hin zu überprüfen [...]“.

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Die Gemeinde wiederum verweist darauf, dass es zwar „keinen gesetzlichen Mindestabstand zwischen einer 220-kV-Leitung und einem Wohnhaus“ gebe, die Entwurfsfassung des Bebauungsplanes aber dennoch einen Abstand von 60 Metern zwischen Wohnhäusern und der bestehenden Leitung berücksichtige. Die Fläche unterhalb und entlang der Leitung, die das Wohngebiet nach Norden hin begrenzen würde, ist in den Entwürfen dementsprechend für Regenrückhaltebecken und private Grünflächen vorgesehen; für den Fall, dass die bestehende 220-kV-Leitung „eines Tages“ abgebaut werden sollte, wolle die Gemeinde allerdings die „Option der Wohnsiedlungsentwicklung wahren“, heißt es ferner.

Gemeinde setzt Planvrefahren fort

Angesichts der veränderten Bewertung seitens der Amprion kann das Planverfahren nach Auffassung der Gemeinde nun fortgesetzt werden. Im ersten Schritt stimmte der Planungsausschuss einstimmig der Änderung des Flächennutzungsplanes im Bereich Wissingen-Nord zu; dass der Rat am kommenden Dienstag zustimmt, dürfte also nur noch eine Formsache sein.

Grünes Licht gab der Ausschuss auch für die Neuaufstellung und gleichzeitige Aufhebung von Teilen des Bebauungsplanes Nr. 1 „Südöstlich der neuen Schule“ in Holte, der einige wenige Neubauten zulässt. Die Pläne hatten im vergangenen Jahr für Ärger gesorgt, weil dafür möglicherweise ein Spielplatz weichen muss. Hierfür hat die Gemeinde inzwischen eine Ersatzfläche angeboten.

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