Gespräch mit Angelika Breymann und Joby Thomas Bissendorfer Seelsorger: Ohne Karfreitag ist Ostern sinnlos

Von Bärbel Recker-Preuin

In der Nacht zu Sonntag wird in den evangelischen und katholischen Kirchen die Osterkerze als Zeichen der Auferstehung entzündet. Joby Thomas und Angelika Breymann sprachen über die christliche Bedeutung der kommenden Gedenk- und Feiertage. Foto: Bärbel Recker-PreuinIn der Nacht zu Sonntag wird in den evangelischen und katholischen Kirchen die Osterkerze als Zeichen der Auferstehung entzündet. Joby Thomas und Angelika Breymann sprachen über die christliche Bedeutung der kommenden Gedenk- und Feiertage. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Bissendorf. Bunte Ostereier und Schokohasen sind seit Wochen die Renner, üppige Menüs kommen spätestens Sonntag auf den Tisch, man freut sich auf vier freie Tage und vielleicht gibt es sogar Geschenke. Welche Bedeutung haben die Festtage für Christen? Angelika Breymann, evangelische Pastorin in Wissingen, und Joby Thomas, katholischer Pastor der Pfarreiengemeinschaft Bissendorf-Wissingen-Schledehausen erklären Ostern.

Am Gründonnerstag wird des letzten Abendmahls Jesu mit seinen Jüngern gedacht. Karfreitag, ist der Tag der Kreuzigung Jesu, Samstag der Tag der Grabesruhe. Sonntag wird dann das Fest der Auferstehung Jesu begangen.

Frau Breymann, Herr Thomas, was bedeutet Ihnen das Osterfest?

Angelika Breymann: Ostern ist für mich ein Fest der Liebe, des Lebens und des Lichts.

Joby Thomas: Es ist ein Fest der Hoffnung, denn Auferstehung heißt neues Leben. Ostern sagt uns, dass nicht der Tod das Ende ist. Das Leben endet nicht am Grab.

 

Nun wird der Karfreitag als höchster christlicher Feiertag begangen. Was ist wichtiger? Karfreitag oder Ostersonntag?

Angelika Breymann: Ostern ohne Karfreitag wäre oberflächlich und der Karfreitag ohne Ostern hoffnungslos. Ohne Karfreitag macht Ostern keinen Sinn. Karfreitags- und Ostererfahrungen gibt es ja nicht nur an diesen Tagen. Wer nach dem Tod eines geliebten Menschen ins Leben zurückfindet, macht diese Erfahrungen, wer eine schwere Erkrankung oder Lebenskrise überwindet, ebenso. Wir erleben häufiger unsere persönlichen Karfreitage und Ostersonntage, nämlich immer dann, wenn sich nach Hoffnungslosigkeit neue Perspektiven entwickeln.

Joby Thomas: Die sogenannten stillen Tage, also Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag, sind vor allem ein Zeichen der Liebe Jesu. In unserer Pfarreiengemeinschaft machen wir das durch Gemeinschaft deutlich. Alle drei Gemeinden feiern gemeinsam. Am Gründonnerstag ist es die Fußwaschung als ein Symbol des Dienens und der Gastfreundschaft. An den Stationen des Kreuzweges wird am Karfreitag innegehalten. Bei der Kreuzverehrung legt jeder Gottesdienstbesucher eine Blume vor das Kreuz. Zur Auferstehungsfeier am Samstag wird die Osterkerze am Osterfeuer entzündet und dann in die dunkle Kirche getragen. Anschließend wird das Agapemahl gehalten. (agape = neutestamentalischer Begriff für göttliche oder von Gott inspirierte Liebe)

Angelika Breymann: Auch in den evangelischen Kirchen gibt es an diesen Tagen keinen Schmuck, die Kirchenglocken läuten nicht. Umso deutlicher wird dann die Freude über die Auferstehung und neues Leben am Ostersonntag. In der evangelischen Kirche steht das Wort Gottes, damit Predigt, im Vordergrund. Zeichen sind für uns nicht so wichtig. Aber sie unterstützen das Wort. Auch bei uns weist die Osterkerze auf Christus, das Licht der Welt.

 

Kann das Osterfest auch ökumenisch gefeiert werden?

Angelika Breymann: Natürlich, vieles ist möglich. Dass Ostern noch nicht ökumenisch gefeiert wird, wie beispielsweise Pfingsten, liegt wohl am unterschiedlichen Abendmahlsverständnis. Leider gibt es offiziell noch keine gemeinsame Abendmahlsfeier.

Joby Thomas: Ein ökumenisches Osterfest wäre wünschenswert. Es wäre schön, auch dieses Fest gemeinsam zu feiern, denn wir liegen im Verständnis von Kreuzigung und Auferstehung nah beieinander. Gerade Ostern wäre ein guter Anlass, Neues aufbrechen zu lassen.

 

Was haben der Hase, das Ei und Lamm mit Ostern zu tun?

Angelika Breymann: Das Ei ist das Zeichen für neues Leben. Das Lamm geht auf das Gottesknechtslied Jesaja 53 zurück. Der Gottesknecht wird wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt. Jesus ist das Lamm Gottes. Für den Weg der Liebe ist er bereit, die letzten Konsequenzen zu tragen. Er geht in den Tod.

Joby Thomas: Ein Osterhase wird zum ersten Mal 1682 erwähnt, aber sein Bezug auf Ostern ist wohl unklar.

 

Mit dem Karsamstag endet die 40-tägige Fasten- oder Passionszeit, die mit dem Aschermittwoch begann. Sie soll der Vorbereitung auf das Osterfest dienen. Haben Sie gefastet?

Joby Thomas: Ja, keine Schokolade, kein Bier, kein Wein. Einmal bin ich dabei gescheitert.

Angelika Breymann: Ja, ich habe nichts Süßes, auch keinen Kuchen, gegessen und häufiger auf das Auto verzichtet. Fasten bedeutet, bewusst mit dem umzugehen, was uns an Gutem gegeben ist, eben auch bewusst auf unseren Körper und unseren Geist zu achten.