Land soll Prioritäten ändern Bissendorf bringt Planungen für Radweg an L90 voran

Von Constantin Binder

Planung auf eigene Faust – und eigene Kosten: In Bissendorf überreichten Bürgermeister Guido Halfter (rechts) und Hans-Dieter Schleibaum, Vorsitzender des  Arbeitskreises „Dorferneuerung Wissingen/Jeggen“ (Mitte) die Planungsunterlagen für den Bau eines Fuß- und Radweges an der L90 an die Landtagsabgeordneten Gerda Hövel (CDU, 2. von links) und Frank Henning (SPD, 4. von links). Foto: Jörn MartensPlanung auf eigene Faust – und eigene Kosten: In Bissendorf überreichten Bürgermeister Guido Halfter (rechts) und Hans-Dieter Schleibaum, Vorsitzender des Arbeitskreises „Dorferneuerung Wissingen/Jeggen“ (Mitte) die Planungsunterlagen für den Bau eines Fuß- und Radweges an der L90 an die Landtagsabgeordneten Gerda Hövel (CDU, 2. von links) und Frank Henning (SPD, 4. von links). Foto: Jörn Martens

Bissendorf. Die Gemeinde Bissendorf dringt auf den Bau eines Rad- und Fußweges an der Landesstraße 90 zwischen Wissingen und der Osnabrücker Stadtgrenze. Deshalb ist sie auf eigene Kosten in die Planung eingestiegen – nun sollen die örtlichen Abgeordneten das Land von dem Vorhaben überzeugen.

Gemeinsam mit Vertretern des Rates und des Arbeitskreises „Dorferneuerung Wissingen/Jeggen“ übergab Bürgermeister Guido Halfter die Planungsunterlagen nun an die Landtagsabgeordneten Gerda Hövel (CDU) und Frank Henning (SPD). Beide hatten bereits vor einem knappen Jahr ihre Unterstützung angekündigt, als der Arbeitskreis ihnen 1300 Unterschriften für den Radweg überreichte. 30000 Euro hatte die Verwaltung mit Billigung des Rates in die Hand genommen, um eine vollständige Planung einschließlich Kostenschätzung erstellen zu lassen. „Wir könnten morgen mit dem Bau beginnen“, unkte Halfter – wohl wissend, dass der Vorstoß der Gemeinde den Bau vermutlich eher verzögern dürfte.

Ein Radweg, der keiner ist

Denn nach jetzigem Stand ist an der L90, der Mindener Straße, gar kein Radweg vorgesehen: Als das Land seine Straßenbauprojekte priorisierte, wertete es den Seitenstreifen als Rad- und Fußweg – und plante dementsprechend keinen Neubau ein. Allerdings erfüllt der Seitenstreifen die aktuell geltenden Mindestbreiten für Radwege längst nicht mehr; die Gemeinde entfernte deshalb im vergangenen Jahr gezwungenermaßen die entsprechende Beschilderung. Damit verläuft entlang der viel befahrenen L90 offiziell kein Rad- und Fußweg mehr, während in den Planungen des Landes zugleich kein Neubau vorgesehen ist. Stattdessen habe, teilte Halfter nun mit, die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr zwischenzeitlich die lange geplante Sanierung der Straßendecke für die zweite Jahreshälfte angekündigt – gemäß Ursprungsplanung ohne Rad- und Fußweg.

„Das ist doch Quatsch“

„Das ist doch Quatsch“, entfuhr es Frank Henning beim Termin in Bissendorf. Es mache „doch keinen Sinn“, erst die Fahrbahn zu sanieren und den Rad- und Fußweg erst später dazuzubauen, sagte er und forderte eine „Baumaßnahme aus einem Rutsch“. Und Gerda Hövel kündigte an: „Jetzt müssen wir mit der Landesebene und der Straßenbaubehörde klären, was sinnvoll ist und wie wir das vernünftig hinbekommen.“

Hierfür müssten zunächst die Planungen für einen Baubeginn im Herbst gestoppt werden, zeigten sich Hövel, Henning und Halfter einig; dann müsse das Land von den Plänen der Gemeinde überzeugt werden. Ein starkes Argument hatte die Gemeinde hierfür bereits beim letztjährigen Termin mit den Landtagsabgeordneten angebracht: Auf den bereits bewilligten, aber noch nicht gebauten Radweg entlang der L85 von Schledehausen nach Bad Essen könne die Gemeinde zunächst verzichten; die hierfür vorgesehenen Mittel könnten dann in den Radweg an der L90 fließen.

Baubeginn vor 2019 ausgeschlossen?

Von diesem Tauschgeschäft wollen Hövel und Henning das Verkehrsministerium nun überzeugen, wie sie bei ihrem Besuch in Bissendorf signalisierten. Dass sie nun gemeinsam in Hannover regierten, erleichtere das Vorhaben möglicherweise, zeigte sich Halfter optimistisch. Einen Baubeginn vor 2019 halte er gleichwohl für ausgeschlossen.

Kosten von bis zu 2,7 Millionen Euro

Denn natürlich bleibt beim Radwegebau die Kostenfrage bestehen, zumal Halfter einräumte, dass der Bau entlang der L90 möglicherweise teurer werden könne als der an der L85. In der günstigsten Variante, bei „weitgehendem Erhalt vorhandener Rohrleitungen“, koste das Vorhaben mindestens 2,03 Millionen Euro, sagte Halfter. Das klinge viel, sei aber „sinnvoll investiertes Geld“, schließlich sei die Mindener Straße nach der Autobahn die verkehrsreichste Straße im Bissendorfer Gemeindegebiet. Im ungünstigen Fall, dass ein Großteil der Rohrleitungen erneuert werden müsse, sei mit Kosten von rund 2,71 Millionen Euro zu rechnen. In jedem Fall aber, machte Halfter deutlich, sei der Rad- und Fußweg realisierbar: Die Straße sei auf voller Länge breit genug, und auch beim Grunderwerb zeichneten sich keine Probleme ab.

„Wichtiges Signal ans Land“

Für diese Planungsleistung, die Halfter zufolge „originär beim Land liegen sollte“, lobten Hövel und Henning die Gemeinde ausdrücklich. „Das ist eine tolle Leistung, dass Sie als Kommune in Vorleistung gehen“, sagte Henning, und Hövel begrüßte den Schritt als „wichtiges Signal ans Land“.