Soldatenschicksale aus dem Kirchspiel Schledehausener dokumentiert Kriegsende vor hundert Jahren

Von Johanna Kollorz

„Es starben den Heldentod fürs Vaterland im Weltkriege 1914-1918 aus den Gemeinden!“ steht auf dem Kriegerdenkmal auf dem Friedhof Schledehausen geschrieben. Die Schicksale vieler der 154 Gefallenen und Vermissten hat Horst Denke mithilfe ihrer Nachkommen in seinem aktuellen Buch festgehalten. Foto: Johanna Kollorz„Es starben den Heldentod fürs Vaterland im Weltkriege 1914-1918 aus den Gemeinden!“ steht auf dem Kriegerdenkmal auf dem Friedhof Schledehausen geschrieben. Die Schicksale vieler der 154 Gefallenen und Vermissten hat Horst Denke mithilfe ihrer Nachkommen in seinem aktuellen Buch festgehalten. Foto: Johanna Kollorz

Bissendorf. Horst Denke hat rund um seinen Heimatort Schledehausen schon einige gesellschaftspolitische Ereignisse  recherchiert. Als Autor nahm der pensionierte Lehrer jetzt das Ende des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren zum Anlass, die Ereignisse und Auswirkungen auf die Bewohner des alten Kirchspiels zu dokumentieren.

Im Mittelpunkt des 220 Seiten umfassenden Buchs „Mein Leben fürs Vaterland – Das Kirchspiel Schledehausen im Ersten Weltkrieg“stehen die Schilderungen zahlreicher Soldatenschicksale aus den Gemeinden Astrup, Ellerbeck, Grambergen, Jeggen, Krevinghausen, Linne, Schelenburg, Schledehausen, Wissingen und Wulften. Etwa 600 Männer aus dem alten Kirchspiel sind in den Ersten Weltkrieg gezogen. 154 davon kehrten nicht zurück. Ihre Namen befinden sich auf den Tafeln am Kriegerdenkmal auf dem Friedhof Schledehausen.

Versuch den Gefallenen und Vermissten ein Gesicht zu geben

„1921 wurde selbiges im Beisein beider damaligen Pastoren eingeweiht. Mit einem Viertel Gefallener und Vermisster liegt die Zahl in Schledehausen meinen Recherchen zufolge recht hoch. Die wenigsten Kämpfer hatten nach ihrem Tod für das Vaterland das Privileg, nach Hause überführt zu werden“, schildert der Autor, der etliche Nachkommen gesprochen und zuhause besucht hat.

Beim Versuch den Gefallenen und Vermissten ein Gesicht zu geben, sammelte Horst Denke viele zeitgeschichtliche Dokumente: Unzählige Fotografien, Feldpostbriefe, persönliche Aufzeichnungen geben der Nachwelt Zeugnis von schrecklichen Erlebnissen an der Front. Während der Heimkehrer Ludwig Braksiek eifrig Tagebuch führte und darin von der ersten großen Panzeroffensive nahe Cambrai in Frankreich berichtet (1917 eine Schlüsselversorgungsstelle für die deutsche Siegfriedstellung), schickte der bei der Landwehr stationierte Johannes Blinde seinen Angehörigen mehr als 100 Ansichtskarten.

Auswirkungen auf die Daheimgebliebenen stehen ebenfalls im Fokus  

„Neben den Schicksalen der gefallenen, vermissten oder als Kriegsversehrte heimkehrenden Männer, behandelt das Buch den Kriegsausbruch und das Kriegsende im Kirchspiel Schledehausen nebst seinen Auswirkungen auf die daheim gebliebenen Frauen, Kinder, Eltern und Geschwister, die ihr Leben ganz neu organisieren mussten“, so Denke, der im Niedersächsischen Landesarchiv Osnabrück, im Archiv der Neuen Osnabrücker Zeitung, in der Stadtbücherei Osnabrück und in den Schulchroniken von Schledehausen, Astrup und Jeggen in den letzten Jahren wichtige Quellen fand.

So werden dem Leser der tägliche Überlebenskampf mit der Mangelwirtschaft durch fehlende Lebensmittel und Rohstoffe, der Einsatz von Kindern und Jugendlichen für die Kriegsfinanzierung und Unterstützung der Soldaten an der Front und der Einsatz von Kriegsgefangenen in der Landwirtschaft und Industrie ebenfalls durch zahlreiche Zeugnisse nahegebracht.

Vorträge in Schledehausen, Astrup und Jeggen

Sein Buch „Mein Leben fürs Vaterland – Das Kirchspiel Schledehausen im Ersten Weltkrieg“ möchte Horst Denke an mehreren Abenden (Beginn ist jeweils 19 Uhr) vorstellen: Am 28. Februar stehen die Schicksale der Männer aus Schledehausen, Schelenburg, Wulften, Ellerbeck und Linne im Mittelpunkt eines Vortrags im Schwarzwald-Stüble Schledehausen (Wulftener Straße 5).

Am 7. März berichtet der Autor bei Irmgard und Jürgen Bluhm (Maschweg 2) über die Kämpfer aus Astrup, Grambergen, Deitinghausen, Hiddinghausen und Krevinghausen. In einem dritten Vortrag am 14. März im Gasthaus Gösling (Mindener Straße 54) stehen schließlich die Soldaten aus Jeggen und Wissingen im Fokus.