Netzausbau in Bissendorf Nemden-Halle muss bis 2019 auf schnelles Internet warten

Von Constantin Binder

Glasfaserkabel sollen auch den Bissendorfer Ortsteil Nemden-Halle ans schnelle Internet anbinden – allerdings erst ab 2019. Foto: dpaGlasfaserkabel sollen auch den Bissendorfer Ortsteil Nemden-Halle ans schnelle Internet anbinden – allerdings erst ab 2019. Foto: dpa

Bissendorf. Der Bissendorfer Ortsteil Nemden-Halle muss voraussichtlich noch bis 2019 auf schnelles Internet warten. Alle Versuche, den Breitbandausbau vorher voranzutreiben, seien gescheitert, teilte Bürgermeister Guido Halfter im Rat mit.

Alle Gespräche und alle Bemühungen haben nichts genützt: Nemden-Halle wird wohl nicht mehr in diesem Jahr ans schnelle Internet angebunden. Weil alle Versuche, einen privatwirtschaftlichen Ausbau zu erwirken, gescheitert waren, blieb Bissendorfs Bürgermeister Guido Halfter in der Ratssitzung nichts übrig als zu versichern: „Der Landkreis Osnabrück und die Gemeinde Bissendorf stehen zu der Zusage, dass spätestens ab 2019 in Nemden-Halle ein öffentlich geförderter FttB-Ausbau erfolgen soll.“

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Förderung durch den Bund

In dieser Aussage stecken gleich fünf Botschaften: Erstens, dass Nemden-Halle tatsächlich ans schnelle Internet angebunden wird. Zweitens, dass dies allerdings frühestens im kommenden Jahr geschehen wird – und nicht, wie von den Bürgern erhofft, noch in diesem Jahr. Drittens wird auch die Frage des Betreibers geklärt: Nicht die Telekom oder ein anderer privatwirtschaftlicher Akteur werden die Leitungen bauen, sondern die öffentliche Hand, konkret die für die Telekommunikationsinfrastruktur zuständige Landkreis-Tochter Telkos. Damit verbunden ist, viertens, eine Förderung durch den Bund, die Halfter zufolge bereits fest zugesagt ist. Und fünftens ist auch die Technik geklärt: FttB steht für „Fibre to the Basement“, zu deutsch „Faser in den Keller“, und bedeutet, dass jeder Haushalt einen eigenen Glasfaserdirektanschluss erhält – die derzeit bestmögliche Internetanbindung.

Eine technische Alternative wäre der FttC-Ausbau gewesen, also „Fibre to the Curb“, zu deutsch „Faser an den Randstein“. Hierbei wären ein oder mehrere Verteilerkästen ans Breitbandnetz angeschlossen worden, für die sogenannte „letzte Meile“ bis ins Haus hätte aber auf alte Kupfertelefonleitungen zurückgegriffen werden müssen – ein Leistungsverlust im Vergleich zu FttB.

Schnelle Lösung zunächst bevorzugt

Dennoch hatten die Haller Bürger diese Lösung zunächst bevorzugt, weil sie sich kurzfristiger umsetzen lässt – in Nemden-Halle hätten dafür sogar die noch bestehenden oberirdischen Freileitungen genutzt werden können. Wie Halfter nun schilderte, hätte einen solchen Ausbau regulatorisch allerdings nur der Anbieter durchführen dürfen, von dessen Kabelverzweiger (KVZ) die Leitung abgeht. Für Nemden-Halle wäre das ein KVZ in Wersche gewesen, der von der Deutschen Telekom betrieben wird.

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Weil für einen FttC-Ausbau folglich die Telekom zuständig gewesen wäre, hatten Haller Bürger im vergangenen Jahr das direkte Gespräch mit dem Anbieter gesucht. Doch selbst, nachdem Landkreis und Gemeinde einen Zuschuss in Aussicht gestellt hätten, sei die Telekom zu dem Schluss gekommen, dass ein FttC-Ausbau Halles ein „Dauerverlustgeschäft“ werden würde, sagte Halfter. Weil parallel ein weiteres Förderpaket des Bundes auf den Weg gebracht wurde, habe die Telkos bereits parallel zu den Gesprächen mit der Telekom seine Ausbauplanungen für Nemden-Halle vorangetrieben – mit Erfolg.

„Jetzt sogar die bessere Technik“

Renate Zimmer, die den Prozess als Haller Bürgerin maßgeblich begleitet hatte, zeigte sich mit dem Ergebnis zumindest einigermaßen zufrieden. „Wir fühlen uns benachteiligt, aber wenn der Ausbau tatsächlich 2019 realisiert wird, sehe ich auch keinen großen Unterschied mehr zu dem, was man uns ursprünglich versprochen hatte“, sagte sie auf Anfrage. Zudem erhalte ihr Ort nun sogar die bessere Technik: „Hätten wir jetzt die kleine Lösung FttC bekommen, wäre die große Lösung FttB erst einmal nicht mehr möglich gewesen“, erkannte Zimmer an.