Bissendorfer Rat leitet Planungen ein Café am Sonnensee: Anwohner bleiben skeptisch

Von Constantin Binder

Bei Anwohnern umstritten ist der Entwurf für eine Gastronomie am Bissendorfer Sonnensee, hier in der Ansicht vom Westen. Entwurf: Architekturbüro BössBei Anwohnern umstritten ist der Entwurf für eine Gastronomie am Bissendorfer Sonnensee, hier in der Ansicht vom Westen. Entwurf: Architekturbüro Böss

Bissendorf. Einstimmig bei einer Enthaltung hat der Rat der Gemeinde Bissendorf das Planungsverfahren für eine Gastronomie am Sonnensee eingeleitet. Die Anwohner fühlen sich überrumpelt und schlecht informiert.

Wenig überraschend folgten die Ratsmitglieder damit dem Votum des Planungsausschusses, der sich zwei Wochen zuvor einstimmig für den Beginn der Planungen für ein Café samt Kochschule an der Südseite des Sonnensees ausgesprochen hatte. Auch die Ausschusssitzung war bereits von Anwohnern gut besucht gewesen; nun drängten sich auf den Zuschauerplätzenerneut rund 30 Bürger. Und die nahmen den Gemeinderat schon unter Tagesordnungspunkt 4, „Fragen von Einwohnern“, ordentlich unter Beschuss – bevor das Gremium unter TOP 7 überhaupt in der Sache beraten hatte.

Anwohner fühlen sich „überrumpelt“

Ausgangspunkt war die Frage einer Anwohnerin, ob es noch eine Info-Veranstaltung zu den Planungen am Sonnensee gebe, schließlich sei diese ja im Planungsausschuss versprochen worden. Eine andere Bürgerin wurde noch deutlicher: „Wir im Sonnenseeviertel fühlen uns etwas überrumpelt. Wir haben das Gefühl, dass schon alles geregelt und beschlossen ist“, sagte sie, dabei gebe es noch viele offene Fragen, insbesondere bei der Verkehrsanbindung.

Ungläubiges Gelächter für den Bürgermeister

Rat und Verwaltung bemühten sich daraufhin um Klärung. CDU-Fraktionschef Volker Buch erläuterte, der Rat beschließe das Gleiche wie der Ausschuss 14 Tage zuvor; der SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Liehr zog den Vergleich zu jenem Punkt beim privaten Hausbau, an dem man prüfe, ob sich die erste Idee überhaupt am gewünschten Standort verwirklichen lasse. Bürgermeister Guido Halfter (parteilos) skizzierte den Ablauf des mehrstufigen Verfahrens und machte deutlich, dass jetzt im ersten Schritt lediglich der sogenannte Aufstellungsbeschluss gefasst werde, um das Verfahren überhaupt beginnen zu können. „Heute ist nur der Start, da müssen Sie uns vertrauen“, sagt er – und ernte ungläubiges Gelächter. Erst sein zweiter Anlauf schien die Gemüter zu beruhigen: „Was Sie gesehen haben, ist ein Entwurf, den die Planer vorgestellt haben“, stellte Halfter klar, dabei sei das Projekt „immer ergebnisoffen“. Es sei auch möglich, dass am Ende gar nicht gebaut werde.

Terrasse über dem Wasser

„Ihre Belange, die ich ja teilen kann, sind in dem Verfahren sauber zu prüfen“, versicherte Halfter den Anwohnern. Die zugesicherte Informationsveranstaltung werde es deshalb in jedem Fall geben, allerdings erst, wenn die Planer ihren Entwurf konkretisiert hätten. Damit griff der Bürgermeister auch der Frage vor, ob es wirklich nötig sei, „einen solchen Kubus mit diesen Ausmaßen“ zu bauen. Die Investorin Anna Rokossa und der Architekt Hartwig Böß planen einen langen, quaderförmigen Bau, der teilweise über das Ufer hinausragt. Auf einer langgezogenen Terrasse sollen Gäste auch über dem Wasser sitzen können. Neben der Gastronomie soll zudem eine Kochschule eröffnen, außerdem sind öffentliche Toiletten und eine Dockingstation für Elektrofahrräder vorgesehen.

Im Rat nur noch Detailfragen

Dieses Konzept hatten Vertreter aller Fraktionen bereits vor der Ausschusssitzung bei einem Pressetermin begrüßt; insofern ging es ihnen bei der Ratssitzung nun nur noch um Detailfragen. Nachdem die Einwohnerfragestunde geschlossen war, erkundigte Marie-Dominique Guyard (Grüne) sich nach der Größe der im Obergeschoss des Gebäudes geplanten Betriebsleiterwohnung, allerdings konnte Fachbereichsleiter Ingo Nagel allenfalls einen Schätzwert von 60 Quadratmetern liefern – schließlich sei der Plan „noch nicht vermaßt“. Volker Buch regte zudem an, vom Architekten einen Alternativentwurf einzufordern – ein Vorschlag, der ihm den Applaus der Anwohner einbrachte.