Weichen für Gastronomie gestellt Anlieger sehen die Bissendorfer Sonnenseeidylle gefährdet

Von Bärbel Recker-Preuin

Der Planungsausschuss der Gemeinde Bissendorf stimmt für das Verfahren, eine gastronomische Einrichtung am Sonnensee zu verwirklichen. Archivfoto: Gert WestdörpDer Planungsausschuss der Gemeinde Bissendorf stimmt für das Verfahren, eine gastronomische Einrichtung am Sonnensee zu verwirklichen. Archivfoto: Gert Westdörp

Bissendorf. Ist eine Gastronomie am Sonnensee bereichernd oder zerstörend? Diese Fragen stellen sich zurzeit viele Bissendorfer, insbesondere diejenigen, die am See wohnen. Einer Meinung, nämlich dass eine Einkehrmöglichkeit den gesamten Ort aufwerten würde, sind die Mitglieder des Planungs- und Entwicklungsausschusses. In der jüngsten Sitzung stimmten sie mit dem Aufstellungsbeschluss für das weitere Planverfahren.

„Für mich als Kommunalpolitiker ist es bereits der vierte Versuch, am Sonnensee Gastronomie zu etablieren.“ Damit machte Hans Dieter Schleibaum, Vorsitzender des Planungsausschusses, deutlich, dass er dieses Vorhaben nach vielen Jahren auf dem Weg haben möchte. Schleibaum nannte auch die Gründe, weshalb dieser erneute Versuch so erfolgversprechend ist: „Wir haben alle in einem Boot –  Investorin, Architekt und Betreiberin.“ Dennoch: Der einstimmig gefasste Aufstellungsbeschluss bedeutet nicht unbedingt, dass gebaut wird. Jetzt beginnt erst das Planverfahren.

Gastronomie am Sonnensee

Städteplaner Johannes Eversmann, Ingenieur Planung Wallenhorst, erläuterte das Vorhaben: Am Südufer des Sonnensees soll in zweigeschossiger Bauweise ein Bistro-Restaurant entstehen, das teilweise in den See hineinragt, Räume für eine Kochschule, eine Betriebsleiterwohnung und öffentliche Toilettenanlagen sind ebenfalls geplant. Auch Veranstalter von Seefesten sollen von diesen Einrichtungen profitieren.

Der Flächennutzungsplan sieht Parkplätze, Campingplatz und Freigelände vor. Um das Projekt realisieren zu können, muss der Bebauungsplan der Innenentwicklung geändert werden. Nach der Empfehlung von Johannes Eversmann stimmten alle Ausschussmitglieder für den Aufstellungsbeschluss und den Beginn des Verfahrens. Nach dem erwarteten Votum im Rat kann nun detailliert geplant werden. Vor dem eigentlichen Bau geht es in weiteren Sitzungen um die verkehrliche Anbindung, Umwelt- und Naturschutz, Nutzungsart und Nutzungszeiten der Gastronomie und weitere Kriterien.

 

Bürgerversammlung „Sonnensee“

Außerdem wird es eine Bürgerversammlung geben. Die Sitzung des Planungsausschusses zeigte, dass gerade die besonders wichtig ist, wenn möglichst viele Bissendorfer bei dem Projekt „mitgenommen werden“ sollen. Das Interesse an der Realisierung – oder Nichtrealisierung – ist so groß, dass die Sitzplätze bei der Ausschusssitzung kaum ausreichten.

Die Bürger äußerten ihre Bedenken. Warum muss eine wunderschöne Grünfläche vermarktet werden? Warum sind Gastronomie und Kochschule bereichernd, wenn es andere Leerstände gibt? Was ist mit der Lärmentwicklung und wie soll die Zufahrt durch die Wohnsiedlung geregelt werden? So einige Fragen der Anwohner, die die Idylle vor ihrer Haustür gefährdet sehen.  Toilettenanlagen und ein kleiner Kaffeestand seien aber durchaus vertretbar, so einige Anlieger.

Sinnvolle Änderung der Flächennutzung

So könnte ein Café Restaurant am Sonnensee aussehen. Die ersten Weichen zu diesem Vorhaben sind gestellt. Screenshot noz.de/Grafik: Architekturbüro Böss

Auf Vorschlag von Marie Dominique Guyard (Grüne) könnte sich neben dem Bebauungsplan eine Änderung des Flächennutzungsplans als sinnvoll erweisen. Am östlichen Seeufer war einmal ein Wellnesscenter vorgesehen. Dieser Bereich könnte jetzt formal bereinigt und eindeutig der Natur als bebauungsfreier Raum zurückgeben werden.