Bürgermeister Guido Halfter im Gespräch Was 2018 wichtig wird in Bissendorf

Von Constantin Binder

Gegenwind dürfte Bissendorfs Bürgermeister Guido Halfter zumindest bei einigen Vorhaben spüren. Foto: Michael GründelGegenwind dürfte Bissendorfs Bürgermeister Guido Halfter zumindest bei einigen Vorhaben spüren. Foto: Michael Gründel

Bissendorf. Vor der ersten Ratssitzung des neuen Jahres an diesem Donnerstag verrät Bürgermeister Guido Halfter, was 2018 in der Gemeinde Bissendorf wichtig wird. 

Über mangelnde Aufmerksamkeit konnte sich Bissendorf zuletzt nicht beklagen: Erst drohte ein buntes Bündnis im Rat, den Kinderbetreuungskosten-Deal mit dem Landkreis zu kippen, dann veranlasste es die Kündigung des Vertrags mit der Kreismusikschule. Auf die beiden öffentlichkeitswirksamen Vorstöße von CDU, FDP, UWB und Grünen geht Bürgermeister Guido Halfter (parteilos) im Gespräch zwar nicht ausdrücklich ein, doch auch für ihn stehen bildungspolitische Belange ganz oben auf der Agenda:

Schulen: Bereits im vergangenen Jahr hat die Gemeindeverwaltung erkannt, dass die Grundschule Bissendorf im Zuge von Ganztagsbetreuung und Inklusion neue Räume braucht – Kostenpunkt allein hier: schätzungsweise 2,5 Millionen Euro. „Bevor wir eine solche Summe für nur einen Standort in die Hand nehmen, wollen wir einen Gesamtplan aufstellen“, sagt Bürgermeister Guido Halfter. Denn es stünden noch andere Investitionen an: Die Mensa der Schule am Berg in Schledehausen müsse zeitnah erweitert werden, das Dach und die Fachräume der Oberschule am Sonnensee seien dringend sanierungsbedürftig, und die Grundschule Wissingen ermittle derzeit überhaupt erst ihren zusätzlichen Raumbedarf.

„Wir haben deshalb beschlossen, dass 2018 ein Planungsjahr sein soll, in dem wir eine nachhaltige und zukunftsorientierte Planung auf den Weg bringen“, sagt Halfter. Mehr als sechs Millionen Euro hat der Rat für die kommenden Jahre bereits freigegeben – ohne diese an konkrete Maßnahmen oder einzelne Schulen zu koppeln. „Die Politik soll die Freiheit besitzen, Prioritäten zu setzen, wenn klar ist, welche Investitionen anstehen“, sagt Halfter.

Bis dahin setzt der Bürgermeister auf mobile Lösungen: Sowohl an der Grundschule Bissendorf als auch an der Mensa in Schledehausen lasse sich das Raumproblem auf diese Weise übergangsweise beheben – und das kurzfristig. Denn was die Bauvorhaben betrifft, dürfte es Halfter zufolge noch ein wenig dauern: Auch, weil externe Berater die Planungen begleiten sollen, erwarte er frühestens zum zweiten Halbjahr 2019 erste „bauliche Ergebnisse“.

Kitaplätze: Schneller geht das bei den Kindertagesstätten im Gemeindegebiet: Auch hier hat die Verwaltung einen erhöhten Raumbedarf festgestellt, weil zunehmend unter Dreijährige in die Betreuung gegeben werden. Die Gemeinde ließ deshalb Erweiterungen in der vergleichsweise schnell umsetzbaren Holzrahmenbauweise errichten. In Achelriede wurde der Anbau im Frühjahr 2017 in Betrieb genommen, der zweite konnte zum Jahreswechsel in Natbergen bezogen werden, ein dritter steht in Wissingen kurz vor der Fertigstellung.

„Trotzdem fehlen nach einem ersten Abgleich der Anmeldezahlen schon wieder 50 Plätze“, sagt Halfter – weist aber sogleich darauf hin, dass dieser Wert mit Vorsicht zu genießen sei, weil manche Eltern ihre Kinder an mehreren Kitas anmeldeten. Verlässliche Zahlen erwarte er Ende Februar, dennoch habe die Gemeinde bereits drei Objekte für kurzfristige Übergangslösungen in den Blick genommen, darunter die Holter Burg, in der zuletzt Flüchtlinge untergebracht waren. „Die Situation bleibt weiter angespannt“, sagt Halfter.

Bauland: „In Bissendorf gibt es immer noch eine sehr hohe Nachfrage nach Bauland“, konstatiert Halfter, und dem wolle die Politik gerecht werden. Bereits in Planung sei deshalb das Baugebiet Wissingen-Nord, bis Ende des Jahres sollen nach dem Willen des Bürgermeister Flächennutzungs- und Bebauungsplan stehen. „Die Entwicklungsmöglichkeiten hier sind optimal, das wird auch aus der Bevölkerung so gesehen“, sagt Halfter. 

Allerdings kollidieren die Planungen für das Baugebiet mit den Planungen für die 380-kV-Leitung, die von Bad Essen-Wehrendorf über Osnabrück-Lüstringen nach Gütersloh führen soll. „Kurz nach der Bundestagswahl wurde das Landesraumordnungsprogramm dahingehend geändert, dass alte Trassenverläufe gesichert werden sollen, und die bisherige 220-kV-Leitung verläuft durch das Baugebiet“, sagt Halfter. Den zwischenzeitlich unter anderem vom SPD-Landtagsabgeordneten Frank Henning erhobenen Vorwurf, die Gemeinde plane das Baugebiet nur, um die Leitung zu verhindern, will Halfter vor diesem Hintergrund nicht gelten lassen: „Die Planungen gab es schon lange vor der Energiewende und den Überlegungen zur 380-kV-Leitung“, sagt er.

Die Verwaltung werde nun aus Sicht der Gemeinde darlegen, dass das Baugebiet die Planungen der Amprion nicht erschwere. Denkbar sei etwa eine Erdverkabelung im Bereich Wissingen – oder ein anderer Trassenverlauf. „Das Baugebiet hat absolute Priorität, wir wollen dort eine Entwicklung – aber nicht, um die 380-kV-Leitung zu verhindern oder sie anderen vor die Füße zu werfen“, stellt Halfter klar.

Gewerbeflächen: „Wir haben aktuell keine Gewerbeflächen mehr“, wiederholt Halfter eine Feststellung, die er bereits im September getroffen hatte, als die Firmen Schuchmann und Heinrich + Ellermann ihren Umzug an den Beetkamp ankündigten. „Wir sehen den Bedarf für weitere Flächen, sowohl für Firmen von außen als auch von innen“, sagt Halfter. Er hoffe deshalb, dass die Gemeinde 2018 die Planungen für ein neues Gewerbegebiet am Natberger Feld voranbringen könne.

Ohne Widerstand dürfte das freilich kaum gelingen: Die Bürgerinitiative „Schönes Natbergen“ hat ebenfalls bereits im Herbst angekündigt, ihren nunmehr fast zehn Jahre andauernden Protest gegen das Gewerbegebiet auch 2018 fortzuführen.

Die öffentliche Ratssitzung beginnt am Donnerstag, 8. Februar, um 18 Uhr im Bürgersaal des Rathauses.