Mit Sack und Pack über die Anden Wolfgang Felgendreher auf Tour durch Südamerika

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Bissendorf . 3330 Kilometer in drei Monaten, mehr als 8000 verbrannte Kalorien pro Tag und einen langen Atem: Der Globetrotter Wolfgang Felgendreher aus Grambergen ist von seiner Südarmerika-Tour wieder gekommen. Mit seinem Rad hat er Bolivien, Chile und Argentinien durchquert.

Körperlich und geistig fit müsse man sein, wenn man, wie Felgendreher, eine 3330 Kilometer lange Strecke mit dem Rad absolvieren möchte. „Ich bin im September in Bolivien gestartet, von da aus bin ich über die Anden gefahren und habe auch Chile und Argentinien besucht“, sagt der 68-Jährige. Mit seinem Rad müsse er auf seinen Reisen alles transportieren, was er zum Überleben bräuchte. Darunter seien nicht nur Lebensmittel und Wasser, auch Zahnbürste und Toilettenpapier müssten mit. „Ich packe nur das Minimum ein, sonst wird das Rad zu schwer, das wiegt meistens mit Gepäck so um die 70 Kilogramm.“ Also mehr, als er vermutlich selbst wiegt.

Die Natur und Menschen erleben

Felgendreher habe sich ganz bewusst dazu entschieden, die Welt mit dem Fahrrad zu erkunden. „Nur so erlebe ich die Natur direkt, sehe etwas, was man sonst nicht sieht, und bin nah bei den Menschen“, sagt er. Auf seiner Fahrt durch Südamerika seien ihm die Menschen sehr freundlich begegnet. „Wenn man alleine mit einem Rad unterwegs ist, dann wirkt man nicht sehr bedrohlich, es wird einem immer geholfen.“ Hilfe hat Felgendreher ab und zu auch benötigt: „Man kann gar nicht so viel Wasser mitnehmen, wie man trinken muss, da bleibt einem manchmal nichts anderes übrig, als zu betteln.“ Angst, nichts zu trinken oder keinen Ort zum Schlafen zu finden, habe er trotzdem nie gehabt.

Faszination Wüste

Seine Leidenschaft ist, durch verschiedene Wüstenarten zu fahren. Im Südwesten Boliviens hat Felgendreher den Salar de Uyuni angesteuert. „Da wollte ich unbedingt zuerst hin“, schwärmt er. Auf über 10.000 Quadratkilometern erstreckt sich dort die größte Salzpfanne der Erde. „Das Besondere ist, dass er auf einer Höhe von 3653 Metern liegt“, sagt Felgendreher. Diese Höhe mache das Fahrradfahren dort oft sehr schwierig und teils lebensbedrohlich. „Dort angekommen muss sich der Körper erstmal akklimatisieren, das Atmen fällt schwerer, dazu kommt noch, dass es sehr anstrengend ist, auf dem sandigen, mehlartigen Boden zu fahren oder gegen den Wind anzukämpfen“, erzählt er. Wichtig sei, dass man Reserven habe: zeitliche und körperliche. Durch die äußeren Einflüsse könne es sein, dass sich die Fahrt verlängere. Außerdem sei es wichtig, auf seinen Körper zu hören. „Wenn ich auf Reisen merke, dass ich unkonzentriert oder müde werde, dann fahre ich nicht weiter, sondern suche mir einen Platz zum Ausruhen. Ein Zelt hat Felgendreher immer mit dabei. „Wenn man erschöpft ist, dann passieren die meisten Unfälle, das versuche ich zu vermeiden“, sagt er. Außerdem sei es wichtig, genug zu essen. Auf manchen Strecken verbrenne der Körper zwischen 8000 und 10.000 Kalorien pro Tag. „Das ist unglaublich viel, da muss man einiges essen, zum Beispiel Nudeln oder Reis, um die Energiereserven wieder aufzufüllen.“ Diesen Anstrengungen sei er gewachsen. Er sei schon immer sportlich gewesen und habe sich beim Leichtathletik- oder Feldhockey-Training fit gehalten. Das habe ihm geholfen, seine extremen Reisen mit dem Rad körperlich gut zu überstehen. „Ich habe eine gute Grundkonstitution, für meine Radtouren muss ich nicht extra trainieren“, sagt Felgendreher.

Argentinien, Chile und über die Anden

Der Bissendorfer hat nicht nur den Salar de Uyuni besucht. Er fuhr auch mit einem Jeep in Bolivien an die Laguna Verde, die „Grünen Lagune“, heran. Das ist ein See im Nationalpark Andina Eduardo Abaroa, der durch seine besondere Färbung bekannt ist. „Diese grünliche, türkise Färbung ist einfach beeindruckend gewesen“, erzählt Felgendreher begeistert. „Dort alleine mit dem Rad zu fahren, das war einfach zu einsam und dadurch zu gefährlich“, fügt er hinzu. Darum sei die Wahl auf den Jeep gefallen.

Nach diesem besonderen Erlebnis ging es weiter nach Argentinien, da folgte er der Ruta Nacional 40. „Das ist die längste Nationalstraße Argentiniens und mit 5301 Kilometer Länge auch eine der längsten Fernstraßen der Welt“, erklärt Felgendreher. Ungefährlich sei das nicht gewesen, da er dort unter anderem von Lastwagen vom Weg abgedrängt worden sei.

Körperliche Herausforderungen

Anschließend führte ihn seine Reise mit dem Rad von Ost nach West über die Anden. Dabei traf er unter anderem auf einen anderen Reisenden aus Frankreich, der mit einem Jeep unterwegs war. „Der Franzose sagte zu mir: ‚Wenn du ganz oben auf den Anden angekommen bist, dann bist du höher als auf dem Mont Blanc‘, diese Begegnung war für mich richtig motivierend.“ Das trieb Felgendreher an, den gesamten Weg zu schaffen. Leichter gesagt als getan: „Umso höher man kommt, desto wichtiger ist es, regelmäßig und richtig zu atmen, das ist gar nicht so einfach.“ Hinzu seien die starken Temperaturschwankungen gekommen, zwischen eiskalten Nächten und heißen Tagen. „Klimatisch hat mein Körper einiges durch gemacht“, sagt Felgendreher. Ans Aufhören habe er aber auf seiner Südamerikareise durch Bolivien, Chile und Argentinien nie gedacht. „Es gibt natürlich Momente, in denen ich in ein Loch falle, aber da ich grundsätzlich zuversichtlich bin, überstehe ich diese meistens schnell.“

Gesund und munter

Eine Woche vor Weihnachten ist Felgendreher wieder in Bissendorf angekommen. Gedanklich sei er aber noch nicht ganz wieder daheim, da sei er teils noch in Südamerika. Und davon wolle er berichten: „Um andere Menschen an meinen Abenteuern und Gedanken teilnehmen zu lassen, halte ich Vorträge über meine bisherigen Touren.“ Die nächsten Termine sind am 2. März (19 Uhr) in Osnabrück im Stadtteiltreff Atter und am 15. Mai im Wohnstift am Westerberg. Dann berichtet Felgendreher zunächst von seiner Nordamerika Tour vor zwei Jahren. „Ich brauche für die Gestaltung meiner Vorträge immer drei bis vier Monate, über Südamerika erzähle ich deshalb erst im Herbst.“

Neue Ziele im Blick

Wenn Wolfgang Felgendreher in seiner Heimat Bissendorf ist, dann ist er eigentlich auch schon wieder auf dem Sprung. Länger als ein paar Monate sei er meistens nicht Zuhause. Er habe immer neue Reiseziele im Kopf. Und dann müsse es auch schnell losgehen: „Kurz vor einer Tour bin ich immer total unruhig“, sagt Wolfgang Felgendreher. „Das bekommt vor allem meine Frau zu spüren, die meine vielen Reisen akzeptiert und versteht.“


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