Ein Stück Heimatgeschichte Bissendorfer bringt Buch über Auswanderer heraus

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Karl-Heinz Schröder mit seinem neuesten Buchprojekt. Im Hintergrund: ein Gemälde von Gerda Heidenescher. Mit ihr war der Auswanderer Anton Heidenescher aus Bissendorf 43 Jahre lang verheiratet. Foto: Johanna KollorzKarl-Heinz Schröder mit seinem neuesten Buchprojekt. Im Hintergrund: ein Gemälde von Gerda Heidenescher. Mit ihr war der Auswanderer Anton Heidenescher aus Bissendorf 43 Jahre lang verheiratet. Foto: Johanna Kollorz

Bissendorf. Mit dem Buch „Ausgewandert“ veröffentlicht der Heimat- und Wanderverein Bissendorf ein Stück regionale Zeitgeschichte. Karl-Heinz Schröder hat die Aufzeichnungen von Anton Heidenescher kommentiert, der nach seiner Kindheit und Jugend in Bissendorf 1954 in eine ungewisse Zukunft nach Australien aufbrach.

„Der Anton war so etwas wie ein Ziehsohn für meinen Vater. Auf dem Weg zum katholischen Gottesdienst ist er Sonntagmorgens so manches Mal bei uns in der Stube hängengeblieben um zusammenzusitzen und sich über Gott und die Welt auszutauschen“, schmunzelt Karl-Heinz Schröder.

Kindheit und Jugend im zerstörten Bissendorf

Kindheit und Jugend des fünf Jahre jüngeren Nachbarn, der 1934 geboren wurde und in Kruels Kotten aufwuchs (heute Feldstraße), waren geprägt von den kalten Wintern und oftmals verregneten Sommern der zerstörten Heimat. Hinzu kam ein, im Vorwort des Buches vom Auswanderer selbst beschriebenes, angeborenes Fernweh.

Da sich der eigene Vater im Krieg befand, konnte zwischen ihm und seinem Sohn nie ein inniges Verhältnis entstehen. Die Verbindung zwischen der alten Heimat (nach dem Tod seines Vaters hielt Karl-Heinz Schröder weiter Kontakt) und „Tony“ (wie Heidenescher sich in der neuen Heimat nennt) besteht dagegen bis heute – seit mehr als 60 Jahren.

Entschluss zum Auswandern reift

Als Heidenescher mit 14 Jahren zum Bauern Funke kommt, um auf dem Hof für Kost und Logis anzupacken, wird dem Jugendlichen schnell klar: Seine Arbeitskraft ist sein einziges Kapital. Im Alter von 19 Jahren steht sein Entschluss: „Ich wandere aus!“ Heidenescher bricht seine Zelte in Bissendorf ab und macht sich, von Bremerhaven aus, auf den Weg ins ferne Australien – allein und ohne jegliche Sprachkenntnisse.

Seinen hart erarbeiteten Weg zu bescheidenem Wohlstand, die Gründung des australischen Familienclans mit einer ebenfalls ausgewanderten, inzwischen verstorbenen Deutschen, und so manchen Moment des australischen „Way of Life“ hat er auf Bitten Karl-Heinz Schröders aufgezeichnet. Zwei Mal begab sich Anton Heidenescher seit seiner Auswanderung nach Melbourne auf Heimatbesuch. Das erste Mal beruflich nach 17 Jahren. Vor einigen Jahren starteten Rosi und Peter Spach vom Heimat- und Wanderverein gemeinsam mit Frida von Strohe (geborene Kruel) zum Gegenbesuch durch.

Briefe mit Lebensgeschichte geschickt

Dem ehemaligen Nachbarn schickte Heidenescher in regelmäßigen Abständen Briefe mit seiner Lebensgeschichte. Rund 400 handgeschriebene DIN-A-4-Seiten hat der in der alten Heimat gebliebene Freund, beginnend mit der gemeinsam verbrachten Jugendzeit, in den vergangenen fünf Jahren gesichtet, sortiert, per PC erfasst, kommentiert und ergänzt.

Die ersten hundert Exemplare des knapp 200 Seiten starken Buchs „Ausgewandert“ trafen pünktlich zum Verkauf auf dem Holter Weihnachtsmarkt ein. Erhältlich ist das interessante Stück Bissendorfer Zeit- und Lebensgeschichte über die damaligen Verhältnisse vor Ort ab sofort auch im Druckstübchen Bissendorf, in der Bäckerei Kröger, bei Marens Lottoleben, im Dorfladen Schledehausen, beim Heimat- und Wanderverein Bissendorf als Herausgeber sowie direkt beim Autor selbst.


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