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Zündende Idee im Wohnbau Ministerpräsident Stephan Weil besucht Bersenbrück

Von Martin Schmitz | 15.01.2019, 20:19 Uhr

Bersenbrück Über die Samtgemeinde Bersenbrück hat der niedersachsische Ministerpäsident Stephan Weil (SPD) nur Gutes gehört. Was ihm besonders gefällt: dass eine Kommune mit weniger als 30000 Einwohnern eine eigene Wohnbaugesellschaft gründet.

Nach einer Kabinettsklausur am Dienstag in Dinklage schaute Weil sich im Südoldenburgischen um und im angrenzenden Osnabrücker Land. Nach Bersenbrück kam er als Gast des Samtgemeindebürgermeisters Horst Baier. Die beiden Sozialdemokraten haben Berührungspunkte, machten Karriere in den Verwaltungen ostniedersächsischer Großkommunen, bevor sie in die Politik gingen.

Baier stellte die Samtgemeinde vor, mit ihrem interkommunalen Großgewerbegebiet Niedersachsenpark mit inzwischen 2500 Beschäftigten. Eine Kommune, die viel Geld in den Bau von Kindergärten und Schulen steckt. Die als Gemeindewerke die Gesellschaft Hase-Energie schuf.

Und eben Hase-Wohnbau, die mit sechs Altimmobilien aus dem Bestand der Samtgemeinde startete und jetzt Bauobjekte mit 100 Wohnungen in der Mache hat. Ein Mix aus geförderten Sozialwohnungen und frei finanzierten Wohnungen zur „Quersubventionierung“, erläutert Baier. Die Samtgemeinde schießt jährlich bis 500000 Euro Eigenkapital ein, die N-Bank ergänzt es mit sehr zinsgünstigen 2,5 Millionen Euro. Die Hase-Wohnbau arbeitet mit sieben Banken zusammen. Die Gründung der Hase-Wohnbau habe „wie eine Initialzündung gewirkt“. Auch Private investierten jetzt verstärkt in den Wohnungsbau.

„Klingt sehr geordnet“

„Alles, was ich über Bersenbrück höre, klingt sehr geordnet,“ sagt Weil. Das eine Kommune der Größenordnung der Samtgemeinde eine Baugesellschaft gründe, begrüße er, weil er „die kommunale Prägung“ habe.

Im Landkreis Osnabrück müssten jährliche 1274 Wohnungen neu gebaut werden, um den Bedarf zu decken, ergänzt Guido Pott, Vizevorsitzender des Kreistages und der SPD-Kreistagsfraktion. Deshalb habe die SPD im Kreis ein Förderprogramm angeschoben.

Baier spricht das Marienhospital Ankum-Bersenbrück an, das einen Neubau plant, und die Sorge um Lücken in der medizinischen Versorgung, weil immer mehr Landärzte in Pension gehen. Weil kündigt eine Landarztquote im Medizinstudium an, die Niedersachse nach anderen Bundesländern bald einführen will.

Ingrid Thesing aus Gehrde macht sich Sorgen um die Haushalte kleiner finanzschwacher Gemeinden. Seit der Einführung der Doppik müssten sie zusätzlich Abschreibungen auf ihre Investitionen erwirtschaften, „da bleibt zu wenig übrig“.

„Ich bin kein Freund der Doppik“ antwortet der ehemalige Kämmerer der Stadt Hannover. „Ich schon,“ schmunzelt Baier. „Ich habe sie zweimal eingeführt.“

Ein Patentrezept gegen Thesings Sorgen hat Weil nicht, die finanzielle Lage der niedersächsischen Gemeinden sei höchst unterschiedlich. Insgesamt habe sich die Situation der Kommunen im Bundesland gedreht, vier von fünf schreiben schwarze Zahlen. Vor wenigen Jahren sei das genau umgekehrt gewesen.

Im Namen der Fußballfans der Samtgemeindeverwaltung wollte der Erste Samtgemeinderat Andreas Güttler wissen, wie der Hannoveraner Weil den abstiegsgefährdeten Verein Hannover 96 sieht. „Die Hinsaison war zum Weglaufen“, winkt der ab, mit schmerzlicher Fanmiene. Er sei 96-er seit über 50 Jahren, regelmäßig im Stadion dabei und habe „sieben Abstiege und acht Aufstiege“ erlebt. „Da hat uns der liebe Gott ein Päckchen zu tragen gegeben.“