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Widersprüchliche Aussagen Betrug über „ebay“ vor Amtsgericht Bersenbrück

Von Elisabeth Gadeberg | 10.07.2014, 13:04 Uhr

Die Anklageschrift, die der Staatsanwalt verlas, wies 22 Straftaten aus und ließ erahnen, dass die Schöffengerichtsverhandlung einige Zeit dauern würde. Desgleichen die Widersprüche und Erinnerungslücken der beiden Angeklagten, heute 48 und 26 Jahre alt.

Ihnen wurde vorgeworfen, von August 2012 bis Februar 2013 über die Verkaufsplattform „ebay“ eine Vielzahl von Elektrogeräten zum Kauf angeboten zu haben. Nach Zahlung des Verkaufspreises durch die Käufer sollten sie entweder gar keine oder defekte Elektrogeräte ausgeliefert haben. Während der Jüngere der beiden sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern wollte, nahm der 48-Jährige gleich zu Beginn Stellung.

Im Ergebnis ließ er wissen, er habe dem 26-Jährigen nur eine Garage beziehungsweise Halle untervermietet, in der der Bekannte – eine freundschaftliche Beziehung stellte er in Abrede – Elektrogeräte deponiert habe, die im Laufe der Zeit abgeholt worden seien.

Geräte nur ausgehändigt

Sein Anteil habe im Wesentlichen darin bestanden, den Kunden die Geräte auszuhändigen, wenn der 26-Jährige selbst nicht habe anwesend sein können. Ansonsten habe er über die Geschäfte des Angeklagten nichts Näheres gewusst. Wenn er Geld entgegen genommen habe, habe er dies seinem Bekannten übergeben.

Dass Käufer von Elektrogeräten auch Beträge auf das Konto seiner Ehefrau überwiesen hätten, begründete er damit, dass diese dem Jüngeren ihre Kontonummer gegeben habe, weil der Probleme mit seiner eigenen Kontokarte gehabt habe.

Nicht nur dies, sondern auch die Tatsache, dass der 26-Jährige des Öfteren bei dem Ehepaar übernachtet und sogar auf die Tochter aufgepasst habe, wenn die Eltern nicht zuhause gewesen seien, weckten bei Gericht und Staatsanwaltschaft Zweifel an der von dem 48-Jährigen beschriebenen Art der Beziehung der Angeklagten zueinander.

Einige Verwirrung herrschte auch, als es um die verschiedenen ebay-accounts ging, über die Käufer sich an den Verkäufer wenden konnten. In einem Fall sei ein Account auf den Namen seiner Ehefrau eröffnet worden, ließ der 48-Jährige wissen, die habe daraufhin Anzeige erstattet.

Warum sie denn den 26-Jährigen verdächtigt habe, wollte das Gericht wissen. Sie habe sich viel mit ihm unterhalten und dabei auch ihren Mädchennamen und ihre frühere Adresse genannt, bekundete die Ehefrau später im Zeugenstand.

Ihre und die Anhörung von acht weiteren Zeugen war notwendig geworden, weil ein von der Staatsanwaltschaft vorgeschlagenes Rechtsgespräch ohne Ergebnis blieb. Danach hätte der Prozess abgekürzt werden und mit einer Bewährungsstrafe enden können, wenn beide Angeklagten ein Geständnis abgelegt hätten. Einem solchen Vorschlag aber wollte der 48-Jährige nicht folgen, weil er mit der Sache nichts zu tun habe.

Das sah der 26-Jährige, der sich schließlich auch zu einer Aussage bereitfand, anders. Er habe sich mit dem Elektrohandel selbstständig machen wollen. Über den PC des Zeugenaufmarsch

46-Jährigen seien mehrere Accounts angelegt worden.

Er sei nicht allein beteiligt gewesen, der andere habe „gewusst, was lief“, so der junge Mann und an den 48-Jährigen gewandt: „Du hast auch Sachen verkauft. Ich wusste davon gar nicht“. Geld habe er nie gesehen, betonte er, korrigierte sich dann allerdings, er habe das Geld, das er von dem 48-Jährigen erhalten habe, an den Lieferanten der Geräte weitergegeben. Dieser firmierte, wie sich in der Verhandlung herausstellte, unter den verschiedensten Namen.

An Unterschriften und Quittungen, unter die er seinen Namen gesetzt habe und die ihm im Verlauf des Prozesses vorgehalten wurden, könne er sich nicht erinnern, so der 26-Jährige, der auch im Zusammenhang mit Kundenkontakten, Konten und Accounts Gedächtnislücken anführte.

Die Zeugen bestätigten im Wesentlichen, dass sie ihr Geld bis heute nicht wiedergesehen haben und Mängel an den Geräten trotz Zusage nicht beseitigt wurden.

Der Prozess wird am 23. Juli um 10.30 Uhr fortgesetzt.